Schläge in Beziehungen können auch von Frauen kommen. Ein Betroffener gründet eine Hilfegruppe.

Dass Frauen zu Schlägerinnen und Männer zu Geschlagenen werden, ist nicht selten (Symbolfoto).
Dass Frauen zu Schlägerinnen und Männer zu Geschlagenen werden, ist nicht selten (Symbolfoto).

Dass Frauen zu Schlägerinnen und Männer zu Geschlagenen werden, ist nicht selten (Symbolfoto).

J. Knappe

Dass Frauen zu Schlägerinnen und Männer zu Geschlagenen werden, ist nicht selten (Symbolfoto).

Mönchengladbach. Für die meisten Menschen ist klar: Wenn es in Beziehungen gewalttätig wird, dann sind die Männer die Täter und die Frauen die Geschlagenen. Dass das durchaus anders sein kann, musste Peter Schulz (Name von der Redaktion geändert) erfahren. Mehr als fünf Jahre lange durchlebte der Mönchengladbacher ein Martyrium.

Terror und Verletzungen – Schulz schwieg aus Angst und Scham

Seine Frau fügte ihm Verletzungen zu, brach ihm sogar das Jochbein und er fürchtete um sein Augenlicht. Er stürzte in Depressionen – und schwieg. „Aus Angst und Scham“, wie der heute 42-Jährige sagt. Dabei hatte alles so wunderbar angefangen. Melanie (Name von der Redaktion geändert) war seine Traumfrau. „Die Erste, die ich heiraten wollte“, erinnert er sich. Das Paar hatte ein Haus, er arbeitete, sie war Hausfrau.

Ein halbes Jahr nach der Hochzeit kam es zum ersten Angriff mit einem Messer. Schulz sah sich ständig psychischem Druck ausgesetzt: Wechselte er beispielsweise mit der Kassiererin im Supermarkt ein paar freundliche Worte, unterstellte ihm seine Gattin, er habe die Frau anbaggern wollen. Schwieg der Schreiner beim nächsten Mal und machte eine unbewegliche Miene, sollte er seine schlechte Laune gefälligst nicht am Verkaufspersonal auslassen. Seine zierliche Frau entwickelte dem gut gebauten 1,90-Meter-Mann gegenüber ungeahnte Kräfte: „Sie hat beispielsweise mein Gesellenstück, das man kaum umfassen und tragen kann, die Treppe herunter geworfen und zerstört.“

Häufig lief er dann weg, lebte einige Tage in Abbruchhäusern oder schlief auf der Arbeit. Aussicht auf Hilfe von offizieller Seite gab es nicht. Als seine Frau nach einem Streit selbst die Polizei rief, verbarg er die Verletzung am Oberarm, die sie ihm mit einer Säge zugefügt hatte, unter einem Pullover. Der Beamte habe zu ihm gesagt: „Wir gehen davon aus, dass die Tätlichkeit von Ihnen ausgeht.“ Schulze konnte also froh sein, dass er nicht angezeigt wurde.

Anfang des Jahres gelang ihm die Trennung

Anfang 2012 gelang ihm endlich die Trennung. Sein Hausarzt sorgte mit einer Überweisung dafür, dass er die posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen mit Hilfe einer Psychotherapie angehen kann. Geholfen habe ihm auch eine Männergruppe in Düsseldorf, in der er das erste Mal seine Erlebnisse schildern konnte. Doch auch hier kam er an seine Grenzen. „Bei denen gab es diesen Gewaltaspekt nicht“, sagt Schulze.

Die Polizeistatistik in Berlin ist die einzige in Deutschland, die Opfer und Täter angezeigter häuslicher Gewalt nach Geschlecht unterscheidet. 25 Prozent der Täter sind demnach weiblich.

Eine Dunkelfeldstudie der Hochschule Niederrhein aus dem Jahr 2006 zum Thema Gewalt in Dating-Beziehungen sieht beide Geschlechter in gleichem Anteil unter den Opfern. Therapeuten gehen davon aus, dass für sie auch sexuelle und seelische Gewalt schlimme Auswirkungen haben.

Seit 2004 wird häusliche Gewalt von Staats wegen angezeigt, sobald die Polizei zu einem Streit gerufen wird.

Peter Schulze gründet in Gladbach die NRW-weit erste Gruppe für betroffene Männer. Kontakt über die Selbsthilfe-Kontaktstelle: georg.meurer@paritaet-nrw.org oder unter MG 9239.

Die bestehenden Gruppen für Frauen stehen ihm nicht offen. „Ich habe das bei einer Ausstellung über häusliche Gewalt bemerkt“, sagt er. Keine der Ansprechpartnerinnen wollte sich damit befassen, dass auch Männer unter den Opfern sein können.

Schulz will nun in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen eine Selbsthilfegruppe gründen. Sie soll einerseits betroffenen Männern die Gelegenheit zum Austausch und die Gewissheit geben, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind. Andererseits sei es wichtig, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass das starke Geschlecht nicht immer auf der Täterseite steht.

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