Nach mit Cola gedopten Pferden und tausenden anderen Fällen in 30 Jahren Landgericht geht es für Joachim Banke weiter auf der Karriereleiter.

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Joachim Banke hat längst den Schreibtisch gewechselt, aber die Aktenstapel in Gladbach müssen noch weg.

Joachim Banke hat längst den Schreibtisch gewechselt, aber die Aktenstapel in Gladbach müssen noch weg.

Ahlen

Joachim Banke hat längst den Schreibtisch gewechselt, aber die Aktenstapel in Gladbach müssen noch weg.

Mönchengladbach. Der portugiesische Esel in Öl, der gegenüber von Joachim Bankes Schreibtisch hängt, kommt mit. Er erinnert an den Portugal-Urlaub nach dem ersten Staatsexamen. Seine Mutter kaufte das Bild in einer Düsseldorfer Ausstellung. Gerne würde Joachim Banke auch „Monica“ mitnehmen. Olympia Monica, um genau zu sein. Die war seine erste Begleiterin, als er im Dezember 1981 zum Landgericht Mönchengladbach kam – eine Schreibmaschine aus dem Fundus des Landgerichts. Daneben zwischen Aktenbergen steht eine ebenso alte Rechenmaschine.

Dicke Bücher muss jetzt keiner mehr wälzen

Ihre besten Zeiten sind schon lange vorbei. So wie die der umfangreichen Nachschlagewerke. Wenn Banke damals als junger Richter etwas nachschlagen wollte, musste er in die Bibliothek, um dicke Bücher zu wälzen. Heute genügen ein paar Tastenkombinationen, um auf juristische Datenbanken zuzugreifen.

1995 wurde Banke auch Pressesprecher des Landgerichts. Jetzt müsste er eigentlich schon auf gepackten Koffern – oder besser: Kartons – sitzen. Aber das hat nicht pünktlich geklappt. Denn in Gladbach war bis zum Schluss viel zu tun. Und in Krefeld, wo Banke seit eineinhalb Wochen stellvertretender Landgerichtspräsident ist, sieht das nicht anders aus. Auf seinem alten Schreibtisch liegen noch ein paar Gürteltiere, so nennt man die dicken Aktenstapel, die durch einen Riemen zusammengehalten sind. Jeder steht für ein Verfahren, das noch abgearbeitet werden will.

Seine Frau und zwei erwachsene Kinder freuen sich für ihn über seine neue Aufgabe. Fast uneingeschränkt: Seine Tochter (30) hat nämlich vor zwei Jahren als Richterin in Krefeld angefangen und sich sehr wohlgefühlt. Da ihr Vater aber nicht ihr Vorgesetzter sein darf, musste sie nach Duisburg wechseln.

Nach vielen Stationen im Landgericht war Banke zuletzt Vorsitzender Richter der 10. Zivilkammer, die sich mit Wirtschafts- und Finanzfällen, Regressansprüchen gegen Anwälte oder Steuerberater und Kapitalanlagen beschäftigt. In Krefeld wird er nicht allein stellvertretender Präsident, sondern eine Kammer für Handelssachen und die Wirtschaftsstrafkammer leiten.

Auch mit Trabern und entlaufenden Kaimanen hatte Banke zu tun

Banke ist seit 1979 Krefelder. Vorher hatte er von Lank aus schon das Gymnasium in Uerdingen besucht.

In seinem Gepäck befindet sich auch eine Borussia-Spardose. „In 30 Jahren landet man schon gezwungenermaßen mal im Stadion“, sagt er lächelnd.

Der 61-Jährige liebt seinen Beruf, hat ihn in all den Jahren immer als abwechslungsreich empfunden. Wie im Fall der einstweiligen Verfügung, in der er urteilen musste, ob ein Pferd, das angeblich mit Cola gedopt war, auf der Trabrennbahn starten durfte. Oder bei der Berichterstattung zur Klage des Vize-Präsidenten des Landgerichts Neubrandenburg, der die Firma Mars angriff, weil er von deren Riegeln angeblich Diabetes bekommen habe. Bis hin zu Kaiman Sammy, der in den 90er Jahren einen Sommer lang die Medien und anschließend das Gericht beschäftigte.

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