Der Beitritt zum Stärkungspakt macht es möglich – das städtische Defizit verkleinert sich um 19 Cent in der Sekunde.

In Mönchengladbach gehen die Uhren ab sofort anders: Erstmals seit Jahrzehnten baut die Stadt tatsächlich Schulden ab. Die Schuldenuhr auf der städtischen Internetseite läuft rückwärts. Der Schuldenberg sinkt um 19 Cent pro Sekunde, was angesichts des gigantischen Schuldenbergs von fast 1,26 Milliarden Euro Verbindlichkeiten zwar kein Anlass ist, auf den Straßen Hosianna zu tanzen.

Aber im chronisch klammen und seit vielen Jahren stets tief im Minus darbenden Gladbach ist das eine durchaus sensationelle Kehrtwende. Denn es gab Zeiten, in denen für Gladbach die Überschuldung für 2016 vorausgesagt worden ist. Jetzt hat die Stadt in diesem Jahr finanziell eine echte Perspektive.

Kämmerei will kommende Woche genaue Gründe vorlegen

Kämmerer Bernd Kuckels bestätigte, dass es sich bei der rückwärts laufenden Schuldenuhr nicht etwa um eine Computerpanne handelt: „Wir können tatsächlich Schulden abbauen.“ Seine Kämmerei rechnet derzeit die neuesten Zahlen aus und will in der kommenden Woche genaue Gründe für die Kehrtwende vorlegen wie auch deren Auswirkungen. Etwa, dass die Kassenkredite, die die Stadt in Anspruch nehmen muss, um liquide zu bleiben, deutlich reduziert werden können. Und allein das ist ein wichtiger Schritt, um die städtischen Finanzen in den Griff zu bekommen. Die Stadt dürfte ihr Konto laut Haushaltssatzung um bis zu 1,05 Milliarden Euro überziehen.

Wie schlecht die Zahlen aus dem Gladbacher Rathaus über Jahrzehnte waren, zeigt ein Blick in die Historie: 1994 musste die Stadt zum ersten Mal ein Haushaltssicherungskonzept vorlegen, also einen Plan, wie man innerhalb von zehn Jahren zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen könnte.

Schuldenberg mittlerweile um etwa 20 Millionen Euro gesunken

Ab 2001/2002 war es schon nicht einmal mehr möglich, auch nur diese theoretische Perspektive halbwegs plausibel zusammenzustellen. Die Stadt rutschte ins Nothaushaltsrecht. Im Jahr 2012 trat Mönchengladbach auf Betreiben der Ampel-Koalition freiwillig dem Stärkungspakt bei, damals wurde für 2014 ein Schuldenstand von 1,45 Milliarden Euro vorhergesagt. Tatsächlich lag er dann aber „nur“ bei 1,28 Milliarden Miese. Und im Vergleich zu damals ist der Schuldenberg mittlerweile um etwa 20 Millionen Euro gesunken.

Den Beitritt zum Stärkungspakt benennt Kuckels als einen entscheidenden Schritt. Bis zum Jahr 2020 erhält die Stadt fast 270 Millionen Euro aus dem Sondertopf, muss aber 331,1 Millionen Euro selbst beisteuern. Allein 2015 betrug die Finanzspritze 40,6 Millionen Euro, dieselbe Summe wird für dieses Jahr erwartet und ebenso für 2017. Bis zum Jahr 2018 muss die Stadt deshalb einen ausgeglichenen Haushalt schaffen – diesmal wirklich.

Gladbach wird nicht auf absehbare Zeit schuldenfrei

Davon ist sie angesichts einer Lücke in der städtischen Finanzplanung für dieses Jahr in Höhe von 25 Millionen Euro noch ein gutes Stück entfernt. Aber sie ist auf einem guten Weg, wie die nun rückwärts laufende Schuldenuhr zeigt. Dass Gladbach aber auf absehbare Zeit schuldenfrei sein wird, ist unrealistisch. Bei dem derzeitigen Tempo würde es nämlich gut 210 Jahre dauern, alles zurückzuzahlen.

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