Seitdem Einwegtaschen aus Kunststoff vor rund sechs Monaten kostenpflichtig wurden, benutzen viele ihre mitgebrachten Stoffbeutel.

Nachhaltigkeit liegt in der Innenstadt im Trend. Seitdem Plastiktüten in Geschäften extra kosten, stellen viele Kunden auf Alternativen um. Ob Stoffbeutel, Rucksack oder Einkaufskorb – statt zur umweltschädlichen Einwegtüte zu greifen, bringen immer mehr Mönchengladbacher ihre eigene Tasche zum Shoppen mit.

Allein in dem Bekleidungsgeschäft „C&A“ gehen seit Einführung der Kostenpflicht nur noch halb so viele Plastiktüten über die Theke. „Die meisten Kunden haben inzwischen einen Stoffbeutel dabei und verzichten daher darauf, eine Tüte zu kaufen“, sagt der Filialleiter André Gruyes. Wird doch mal eine Kunststofftasche verlangt, dann meist, weil es sich um einen Spontankauf handelt. 20 Cent kostet sie bei „C&A“ dann.

„Andere finden es wiederum super, dass die Plastiktüten nun kostenpflichtig sind.“

Mandy Winter, Verkäuferin

Der Großteil der Kunden akzeptiert das auch. „Die Leute sind sehr aufgeklärt und wissen, dass die Kostenpflicht dem Umweltschutz dient“, sagt Gruyes. „Von den Tausenden Kunden, die bei uns einkaufen, haben sich vielleicht vier oder fünf schriftlich darüber beschwert.“

Im Einrichtungsladen „Das Depot“ sieht der Fall dagegen etwas anders aus, wie die Verkäuferin Mandy Winter erzählt: „Es gibt immer wieder Leute, die sich beklagen, etwa dass sie trotz eines Einkaufs für Hundert Euro auch noch für eine Tüte bezahlen müssen.“ Manche Kunden kritisieren zudem, dass sie noch Geld dafür ausgeben sollen, mit der Werbung des Geschäfts durch die City zu laufen. „Andere finden es wiederum super, dass die Plastiktüten nun kostenpflichtig sind“, ergänzt Winter. Lob und Kritik hielten sich die Waage. Dabei geht „Das Depot“ noch einen Schritt weiter und spendet für jede nicht gekaufte Tüte einen Cent an den WWF. Die Verkäuferin ist davon begeistert. „Ich habe immer eine Mehrwegtasche dabei. Wozu soll ich denn ständig neue Tüten kaufen, die, kaum dass man zu Hause ist, eh weggeworfen werden.“

Kleinere Einkäufe lassen sich gut in der Handtasche verstauen

In der Parfümerie Douglas hat man die Plastiktüte gänzlich verbannt. Dort setzt man auf kostenlose Papiertaschen. Dennoch gehen auch in der Parfümerie deutlich weniger Tüten raus. „Kleine Teile nehmen die Kunden in der Handtasche mit, viele haben aber auch Stofftaschen dabei“, sagt die Filialleiterin Mona Ghanaim. „Wenn wir fragen, ob der Kunde eine Tüte möchte, kommt oft instinktiv die Antwort ,nein’.“ Zum Wocheneinkauf trägt auch Ghanaim ihren Stoffbeutel mit sich. Nur bei einem spontanen Bummel kauft sie noch Tüten. „Die Douglas-Tasche wird ja auch als ein Stück Luxus empfunden. Die Kunden tragen sie mit Stolz durch die Stadt und verwenden sie teilsweise wieder“, sagt die Filialleiterin.

Laut Umweltbundesamt verwendet jeder Einwohner in Deutschland im Schnitt 71 Tüten im Jahr. Doch während sie durchschnittlich nur 25 Minuten lang benutzt werden, brauchen sie je nach Kunststoffsorte 100 bis 500 Jahre, um zersetzt zu werden, sofern sie nicht in den Recyclingmüll kommen. Im Juli 2016 wurde deshalb eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland und der Bundesregierung getroffen, wonach knapp zwei Drittel der Plastiktüten im Einzelhandel nur noch gegen ein Entgelt abgegeben werden. Ziel der Vereinbarung ist, den jährlichen Verbrauch bis Ende 2025 auf maximal 40 Tüten pro Kopf zu senken.

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