In den vergangenen Jahren haben die Übergriffe im Elisabeth-Krankenhaus auf Pflegepersonal und Ärzte zugenommen.

In den vergangenen Jahren haben die Übergriffe im Elisabeth-Krankenhaus auf Pflegepersonal und Ärzte zugenommen.
Auch im „Eli“ gibt es Übergriffe auf Helfer.

Auch im „Eli“ gibt es Übergriffe auf Helfer.

Isa

Auch im „Eli“ gibt es Übergriffe auf Helfer.

Es ist noch keinen Monat her, da rastete ein ungeduldiger Patient in der Notfallaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus völlig aus. Er griff sich eine Angestellte und nahm sie so fest in den Schwitzkasten, dass sie Prellungen erlitt. Schlimmeres konnte verhindert werden. Denn im „Eli“ gibt es einen Sicherheitsdienst. Aus gutem Grund: In den letzten Jahren haben die Übergriffe auf das Personal drastisch zugenommen – und das nicht nur im Rheydter Krankenhaus. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Open-Consulting im Auftrag der Firma Ascon in rund 100 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz ergab: 73 Prozent aller Befragten beklagten Übergriffe. Sie reichen von Beleidigungen und Handgemengen bis zu Schlägen und Tritten.

In der Notfallaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus sind sogar schon Patienten mit Waffen aufgetaucht. „Es gab auch bei uns schon extreme Grenzerfahrungen“, sagt Cedrik Bräuer, Pflegerischer Leiter in der Notfallaufnahme. Das Wort „Gefahrenzulage“ sei im Kollegenkreis bereits oft gefallen.

„Das Wort, das mit ,A’ anfängt, ist da noch das allernetteste, glauben Sie mir.“

Cedrik Bräuer, Pflegerischer Leiter in der Notfallaufnahme

Schon lange gibt es für Patienten nur noch Wasser im Plastikbecher, weil auch das schon vorkam: Ein Mann schlug den Hals einer Wasserflasche ab und ging damit auf das Personal los. Auch deshalb habe man sich vor vier Jahren entschlossen, den Sicherheitsdienst vom reinen Wach- und Schließdienst auf den Personenschutz auszudehnen.

Neben körperlicher Gewalt und Sachbeschädigung erleben die Helfer auch häufig verbale Entgleisungen. Bräuer: „Das Wort, das mit ,A’ anfängt, ist da noch das allernetteste, glauben Sie mir.“

Laut Bräuer sind es nicht nur die Patienten unter Drogen oder Alkohol, die randalieren. Ungeduld spiele eine sehr große Rolle, sagt er. Denn nicht selten geraten Notfallaufnahmen an den Rand ihrer Kapazitäten. An stressigen Tagen werden 150 bis 200 Menschen in der Notaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus behandelt. „Das liegt auch daran, dass wir mittlerweile die verlängerten Arztpraxen sind“, sagt der Pflegerische Leiter. Will heißen: Nicht nur Notfälle kommen in die Notfallaufnahme. „An Wochenenden und Feiertagen kommen viele mit Husten und Schnupfen oder Rückenschmerzen zu uns“, berichtet Bräuer. In solchen Fällen komme es natürlich zu verlängerten Wartezeiten. „Wir bemühen uns, jeden Patienten nach der Schwere seiner Krankheit so schnell wie möglich zu behandeln. Selbstverständlich müssen wir Patienten mit einem Herzinfarkt oder einer akut lebensbedrohlichen Krankheit vorziehen“, sagt der Pflegerische Leiter. Das würden aber viele nicht begreifen oder nicht begreifen wollen.

Es seien vor allem Angehörige, die in solchen Fällen oft ausrasten. Und nicht selten sieht sich das Pflegepersonal einem ganzen Pulk von aggressiven Familienmitgliedern gegenüber. „Man versteht ja, dass sie sich Sorgen machen, aber wir können nicht alle Angehörigen mit ins Behandlungszimmer lassen.“

Neben den Sicherheitsvorkehrungen – dazu gehört auch, dass jeder ein „Telefon am Mann“ trägt – will die Notfallaufnahme jetzt auch mit einem Schmerztherapeuten zusammenarbeiten. „Der kann den wartenden Patienten mit starken Schmerzen demnächst schon vor der Behandlung ein Schmerzmittel geben. Das ist ein neuer Ansatz“, sagt Bräuer. Die Hoffnung: weniger Schmerzen, weniger Aggressionen. „Obwohl“, fügt Bräuer an, „ich habe noch nie erlebt, dass ein wirklich ernsthaft kranker Mensch hier ausgerastet ist.“

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