Erinnerung an den 9. November 1938 – an Tod und Zerstörung in der Pogromnacht.

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Norbert Bude bei der Gedenkfeier vor der Bibliothek.

Norbert Bude bei der Gedenkfeier vor der Bibliothek.

Jörg Knappe

Norbert Bude bei der Gedenkfeier vor der Bibliothek.

Mönchengladbach. "Was in jener Nacht geschah, geschah nicht irgendwo, nicht irgendwie, nicht irgendwem. Es geschah auch in Mönchengladbach. Und die Opfer waren nicht anonym. Sie hatten einen Namen, ein Gesicht, eine Biographie." Mit diesen Worten erinnerte am Montagabend Oberbürgermeister Norbert Bude vor rund hundert Zuhörern an Tod und Zerstörung in der Pogromnacht vor 71 Jahren.

Die Opfer waren, wie Bude am Gedenkstein für die zerstörte Gladbacher Synagoge an der Blücherstraße fortführte, "Nachbarn, Kollegen, Mitschüler, der Arzt nebenan, der Ladenbesitzer, bei dem man einkaufte, und die Kinder, die auf der Straße spielten".

Sie alle hätten durch die Nazis unvorstellbare Gewalt erlebt. Am 9. November 1938 wurden die Synagogen in Gladbach, Rheydt, Wickrathberg und Odenkirchen, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und geplündert. 1933 lebten noch 1300 jüdische Bürger in der Stadt. Weniger als 30 Gladbacher Juden überlebten den Holocaust.

"Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren", zitierte Bude Richard von Weizsäcker. Ansteckungsgefahren gebe es noch heute, sagte Bude, und verwies auf den Verfassungsschutzbericht mit annähernd tausend rechtsmotivierten Gewalttaten in Deutschland in einem Jahr. Auch 1222 Wähler für die NPD in Gladbach seien 1222 Wähler zu viel.

"Wir tragen eine besondere Verantwortung für unser gemeinsames Leben in Deutschland, in Gladbach", sagte Bude. Er danke allen Bürgern jüdischen Glaubens für ihre Entscheidung, hier zu leben. Es sei der beste Beweis ihres Vertrauens.

Leah Floh, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, erinnerte an die 1,5 Millionen jüdischen Kinder, die wie Vieh in die Gaskammern transportiert worden seien und stellte die Frage "Warum?". Auch warf sie als Frage auf, was Deutschland heute wohl für ein Land sein könnte, wenn all die Menschen weitergelebt hätten, die unter den Nationalsozialisten starben. Was, wenn all diese Männer und Frauen Nachkommen in diesem Land gehabt hätten?

Floh hob hervor, dass die Verbrechen der Nazis eine Warnung für künftige Generationen sein müssten. Blickte aber mit Hoffnung in eine Zukunft, in der Jugendliche aus den Geschehnissen lernen.

Wie zum Beweis nahmen Jugendliche der Freizeitstätte St. Helena in Rheindahlen an der Feier teil. Sie berichteten von ihrer Fassungslosigkeit angesichts eines Besuchs im Vernichtungslager Auschwitz. Mit dem Kaddisch zum Gedenken an die Toten endete die Feier.

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