Die Lesereihe Torwort macht klar, dass Fußball mehr ist als nur ein Sport. In den Geschichten ist die Borussia wieder Meister.

Torwort-Erfinder Sascha Theisen und Autor Peter Schmitz (v.l.) sorgen für Stadion-Atmosphäre bei der Lesung
Torwort-Erfinder Sascha Theisen und Autor Peter Schmitz (v.l.) sorgen für Stadion-Atmosphäre bei der Lesung

Torwort-Erfinder Sascha Theisen und Autor Peter Schmitz (v.l.) sorgen für Stadion-Atmosphäre bei der Lesung

Knappe

Torwort-Erfinder Sascha Theisen und Autor Peter Schmitz (v.l.) sorgen für Stadion-Atmosphäre bei der Lesung

Mönchengladbach. Kreisliga-Kicks mit Restalkohol, traumatische Kindheitserlebnisse mit Bundesliga-Torjägern, die sechste Meisterschaft für die Borussia und viele andere Geschichten rund um den Fußball präsentierte die Fußball-Lesereihe "Torwort" im "Gladbach", der Sportsbar im Borussia-Park. "Hier kommen Fans verschiedener Mannschaften zusammen, um sich die Geschichten anzuhören und über Fußball zu plaudern", erklärt Initiator Sascha Theisen das Konzept. An diesem Abend wird schnell klar, dass Fußball mehr ist als ein Sport. Fußball ist eine Lebenseinstellung.

Zwei Halbzeiten à 45 Minuten dauert die literarisch-sportliche Lesung. Den Anfang macht Christian Spoo, Autor des Online-Fanzines "seitenwahl.de" und eingefleischter Borussen-Fan.

2012 wird Borussia Meister - vorerst in der Phantasie der Autoren

Er erzählt von seiner Autogrammsammlung und der Jagd auf Ewald Lienen, der sich zu Spielerzeiten strikt weigerte, seinen Namen auf eine Karte zu setzen. Mit seiner Konsequenz trieb er Spoo an den Rand des Wahnsinns. War doch Lienens Autogramm das einzige, das dem damals Elfjährigen noch fehlte. Letztlich kam Spoo, mit freundlicher Unterstützung des Einwohnermeldeamts, doch noch zu seinem Autogramm.

Kurz vor der "Torwort"-Halbzeitpause lassen die Autoren ihrer Phantasie freien Lauf. Letzter Spieltag der Saison 2011/2012 und nur noch eine Frage ist zu klären: Wer holt in dieser Saison die Schale? Mit einer Leidenschaft und Euphorie, die in einer deutschen Radiosendung seit Herbert Zimmermann nicht mehr vernommen wurde, führen Christian Spoo und VfL-Stadionsprecher Torsten Knippertz durch die Bundesliga-Schluss-Konferenz, an deren Ende Knippertz den gebannten Zuhörer wissen lässt, dass das Unfassbare eingetreten ist: Borussia ist endlich wieder Deutscher Meister - durch ein Tor von Rainer Bonhof.

"Torwort"-Erfinder Theisen rückt seine traumatischen Kindheitserfahrungen in den Fokus. Sein Text beschreibt die Suche nach dem Fußballverein seines Herzens. Aufgrund unschöner Begegnungen mit Dieter Müller und Karl-Heinz Rummenigge landete Theisen schließlich bei der Alemannia aus Aachen. Marco Krohm, mäßig erfolgreicher Alemannia-Stürmer, entflammte in ihm das Feuer der Leidenschaft, das bis heute nicht erloschen ist.

"Stargast" des Abends ist Borussias Sportdirektor Max Eberl. Seine Geschichte handelt vom WM-Endspiel 1950 und der wohl größten Niederlage im brasilianischen Fußball. "Ich habe die Geschichte ausgewählt, weil sie so wunderbar beschreibt, wie nah Freud und Leid im Fußball beieinander liegen. Der Text hat mich sehr berührt, als ich ihn zum ersten Mal las", so der ehemalige Borussen-Verteidiger über den Auszug aus einem Buch von Autor und Ex-Fußballspieler Jorge Valdano. Außerdem habe die Passage schlimme Erinnerungen an das Pokalhalbfinale gegen Union Berlin in ihm geweckt.

In Köln genießt die "Torwort"-Reihe mittlerweile echten Kultstatus. Momentan ist Sascha Theisen mit seiner Truppe auf Tour. Nächster Spielort ist Regensburg.

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