Die Krankenhäuser in der Stadt haben keine finanziellen Reserven mehr, um die Kosten der Tariferhöhung allein zu stemmen, sagen sie und fordern Hilfe.

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Finanziell hängen die Krankenhäuser am sprichwörtlichen Tropf.

Finanziell hängen die Krankenhäuser am sprichwörtlichen Tropf.

Z6068 Hans Wiedl

Finanziell hängen die Krankenhäuser am sprichwörtlichen Tropf.

Mönchengladbach. Einträchtig sitzen die Chefs der vier Mönchengladbacher Krankenhäuser nebeneinander und fordern ein Umdenken in der Gesundheitspolitik. Mehr als fünf Millionen Euro kosten die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst die Mönchengladbacher Kliniken zusätzlich. Aber Mehreinnahmen sind nicht in Sicht.

Dabei haben die Krankenhaus-Chefs nichts gegen steigende Löhne und Gehälter bei ihren Mitarbeitern, wie sie sagen. Im Gegenteil. „Ich begrüße ausdrücklich die dringend notwendige Anhebung der Vergütung“, sagt Horst Imdahl, Geschäftsführer der Städtischen Kliniken GmbH, zu denen das Elisabeth-Krankenhaus in Rheydt gehört.

Mehr sparen geht nach Ansicht der Krankenhaus-Chefs nicht

Das Problem ist die Finanzierung. „Wir haben alle in den vergangenen Jahren Abläufe optimiert und die Effizienz gesteigert“, sagt Bethesda-Geschäftsführer Walter Schiller. „Das Rationalisierungspotenzial ist ausgereizt.“

Um die Kosten aufzufangen, müssten pro einer Million Euro 20 Pflegekräfte eingespart werden – ein Ding der Unmöglichkeit, so die Klinik-Chefs. „Die Mitarbeiter können nicht weiter belastet werden“, sagt Friedhelm Strucks von den Kliniken Maria Hilf und fragt: „Wo soll ein Krankenhaus noch abbauen?“

Jetzt sei die Politik gefordert, meinen die Krankenhaus-Chefs und verweisen darauf, dass sie ihre Einnahmen kaum steigern können. „Seit 1995 sind die Budgets gedeckelt“, sagt Schiller. Mehr Leistung bedeute, dass die Krankenhäuser Abschläge hinnehmen müssen. Ein Systemfehler, meinen die Geschäftsführer.

Milliarden im Gesundheitsfonds lassen Augen leuchten

Der Gesundheitsfonds zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung wurde zum 1. Januar 2009 eingeführt.
www.der-gesundheitsfonds.de

Aber Hilfe wäre möglich, glauben sie. Die 20 Milliarden, die sich im Gesundheitsfonds angesammelt haben, lassen die Augen der vier Gladbacher Klinik-Köpfe leuchten. „Nur“ eine Milliarde wäre nämlich notwendig, um die Kostensteigerung, die durch die 3,5-prozentige Tariferhöhung ausgelöst wird, in allen deutschen Krankenhäusern aufzufangen. 350 Millionen hat die Bundesregierung den Kliniken nach aktuellen Medienberichten zugesagt.

Aber auch ein einmaliger Ausgleich ist nach Ansicht der Gladbacher nicht die Lösung. „Wir brauchen eine klare Kostenorientierung“, fordert Schiller. „Wenn die Gehälter oder die Energiekosten steigen, müssen auch die Budgets angehoben werden.“ Die Geschäftsführer wollen weiter Druck machen: Die Gladbacher sind bei der zentralen Protestveranstaltung am Mittwochnachmittag in Düsseldorf dabei. Und auch auf anderen Wegen wollen sie bei ihrer Kampagne auf das drohende Desaster aufmerksam machen.

Denn wenn sich nichts tue, drohe eine düstere Zukunft. Um die Kosten aufzufangen, müssten alle Investitionen gestoppt werden: Baumaßahmen würden zurückgefahren, Instandsetzung ausgesetzt und Investitionen in Medizintechnologie zurückgestellt. „Der medizinische Fortschritt ginge dann an Mönchengladbach vorbei“, beschreibt Markus Richter vom Krankenhaus Neuwerk die Konsequenzen für die Patienten.

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