Am Nordpark 2: Braucht ein Beamter eine alte Akte, setzt er einen Kurier in Bewegung. Der fährt zur Karstraße und holt das Gewünschte.

Das Finanzamt im Nordpark: Weil Archivräume fehlen, sorgt ein Dauer-Kurier zwischen Karstraße und Behörde für die Alt-Akten.
Das Finanzamt im Nordpark: Weil Archivräume fehlen, sorgt ein Dauer-Kurier zwischen Karstraße und Behörde für die Alt-Akten.

Das Finanzamt im Nordpark: Weil Archivräume fehlen, sorgt ein Dauer-Kurier zwischen Karstraße und Behörde für die Alt-Akten.

Jörg Knappe

Das Finanzamt im Nordpark: Weil Archivräume fehlen, sorgt ein Dauer-Kurier zwischen Karstraße und Behörde für die Alt-Akten.

Mönchengladbach. Mehr als 370 Mitarbeiter haben Anfang des Jahres einen protzigen Neubau Am Nordpark 2 bezogen. Das neue Finanzamt, in dem die beiden Alt-Ämter Rheydt und Stadtmitte aufgingen, ist funktional angelegt, modern eingerichtet. Doch es hat keinen Keller und damit kein Archiv.

Folge: Muss ein Beamter in eine ältere Bilanz- oder Einkommenssteuer-Akte einsehen, um im ein oder anderen Fall sachgerecht entscheiden zu können, ist erst einmal Warten angesagt. Vielmehr darf der Sachbearbeiter in der Poststelle anrufen. Und hier sammelt man die Akten-Bestellungen. Sind ausreichend Wünsche zusammen gekommen, setzt sich Mann/Frau aus der Poststelle ins Auto und fährt zur Karstraße in Holt.

Hier hortet die Oberfinanzdirektion (OFD) Rheinland in den Räumen abertausende Schriftstücke, Dokumente usw..

Ärgerlich, weil zeitaufwändig sei das Ganze schon, hört man aus Mitarbeiter-Kreisen. "Doch was sollen wir machen, es ist eben so gewollt. Da müssen unsere Kunden eben ein bisschen warten", sagt eine Beamtin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

Mitarbeiter der Gladbacher Finanzbehörde sagen außerdem: "Wir haben zwar einen aktuellen Aktenbestand auf den jeweiligen Büros". Doch wenn’s um alte Festsetzungen und Erhebungen geht, muss der Bote her. Zudem ist die Finanzbehörde verpflichtet, Dokumente mindestens zehn Jahre aufzubewahren.

Die aufgegebenen Ämter hatten einen Archivkeller

Im Düsseldorfer Finanzministerium, wo der Rotstift regiert, hat ein Sprecher für die Gladbacher Verhältnisse diese Erklärung: Dass ohne Keller bzw. Archiv gebaut wurde, mache Sinn. Denn mit einer Unterkellerung sei der Neubau - er kostete rund 20 Millionen Euro - viel teurer geworden.

Außerdem sei das "aktenlose Verfahren" geplant: Papier ist dabei überflüssig, (fast) alles läuft elektronisch. Bis es soweit ist, werden aber wohl noch ein paar Jahre vergehen.

Auch Elisabeth Grippenkoven, die stellvertretende Finanzamtsleiterin im Nordpark, verteidigt "das mittlerweile bewährte Verfahren". Deshalb komme es nicht zu übermäßig langen Verzögerungen für die Kunden, hat sie festgestellt. Auch in den aufgegebenen Ämtern Rheydt an der Wilhelm-Strauß-Straße und Stadtmitte an der Kleiststraße seien "die älteren Jahrgänge" nicht sofort griffbereit gewesen. Allerdings gab es hier deutlich kürzere Wege. Beide Gebäude verfügten über ausreichend Archivräume im Keller.

Dass das Finanzamt Mönchengladbach fürs Steuer zahlende Publikum freitags geschlossen ist, sorgt noch immer für empörte Reaktionen, wenn auch Einzelner. Geändert werden die bestehenden Öffnungszeiten allerdings nicht, heißt es.

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