Der Gladbacher Richard Schultz kehrt zurück an die Orte seiner Kriegs- Gefangenschaft.

wza_1500x893_428739.jpeg
Schultz auf einem Friedhof für deutsche Kriegsgefangene in der Ukraine.

Schultz auf einem Friedhof für deutsche Kriegsgefangene in der Ukraine.

Cherkashenko

Schultz auf einem Friedhof für deutsche Kriegsgefangene in der Ukraine.

Mönchengladbach. Wenn Richard Schultz von diesem einen Moment in seinem Leben erzählt, dann kommen ihm immer noch die Tränen und er hat auch nach über 60 Jahren einen Kloß im Hals: "Das Weihnachtsfest 1946 war das glücklichste in meinem Leben.

Vom Kommandanten des Gefangenenlagers erfuhr ich, dass ich auf der Liste derjenigen stand, die nach Hause fahren durften." Unvorstellbar schön schien es dem heute 79-Jährigen damals, dass er nach zwei Jahren Kriegsgefangenschaft im Donezkgebiet in der heutigen Ukraine in die Freiheit nach Deutschland zurück durfte.

Noch als Jugendlicher musste der gebürtige Westpreuße als Mitglied des Volkssturms für die Nationalsozialisten in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Erst 15 Jahre alt, wurde er im Januar 1945 von russischen Soldaten gefangen genommen und musste zunächst in Polen, später in der Ukraine als Zwangsarbeiter unmenschliches Leid ertragen.

Schultz reist ohne Groll in seine Vergangenheit

Sechs Jahrzehnte nach dem Ende seiner schrecklichen Jugenderfahrung ist der Mönchengladbacher im September 2007 gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Danylo Cherkashenko für zwei Wochen nach Polen und in die Ukraine zurückgekehrt.

Noch einmal ist Schultz die Strecke seiner Gefangenschaft abgefahren, hat an den Originalorten vor der Kamera von den Schrecken seiner Kriegeserlebnisse erzählt.

Über zwölf Stunden am Tag habe er damals in einer Kohlegrube schuften müssen. Zu Essen hatte er kaum etwas. "Und als Jugendlicher, der noch wachsen musste, hatte ich immer Hunger", erinnert er sich. Auch körperliche Misshandlungen musste er ertragen.

Aus der Reise in die Vergangenheit ist der Dokumentarfilm "Grischka" entstanden, den Danylo Cherkashenko als seine Abschlussarbeit an der Filmhochschule in Dortmund vorlegen will.

Der Filmemacher, dessen Familie aus der Ukraine stammt und heute in Mönchengladbach lebt, möchte die Brücken aufzeigen, die seit dem Zweiten Weltkrieg zwischen den Menschen in West und Ost entstanden sind.

Der Film steht für die verlorene Jugend einer ganzen Generation und nimmt die Themen Kinder, Krieg und Gefangenschaft immer wieder auf: "Wie ein roter Faden zieht sich die Begegnung von Richard Schultz mit Kindern und Jugendlichen durch den Film", sagt der 32-Jährige.

In den Schulen, die im Krieg als Gefangenenlager genutzt wurden, hat der Protagonist mit vielen Schülern gesprochen: "Nur wenn sich die Menschen als Nachbarn kennen lernen und nicht als Feinde, kann ein Krieg, wie ich ihn erlebt habe, verhindert werden", sagt Schultz, der ohne Groll an die Orte seines Leidens gereist ist: "Ich habe während meiner Gefangenschaft die Ukrainer schätzen gelernt." Obwohl seine russischen Arbeitskollegen selbst Hunger litten, teilten sie alles, was sie hatten, mit den Zwangsarbeitern.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer