De Kull zieht gerade in neue Räume, die achtmal so groß sind wie der alte Container. Das Angebot wird ausgeweitet.

Sozialarbeit
Die Kisten sind gepackt: Philip Hülsen und das Fanprojekt De Kull residieren künftig an der Hehner Straße.

Die Kisten sind gepackt: Philip Hülsen und das Fanprojekt De Kull residieren künftig an der Hehner Straße.

Hans Peter Reichartz

Die Kisten sind gepackt: Philip Hülsen und das Fanprojekt De Kull residieren künftig an der Hehner Straße.

Mönchengladbach. Es riecht nach Farbe, der Fußboden ist mit Folie ausgelegt, die To-Do-Liste, die an einer Tür klebt, ist ellenlang. „Immerhin ist mein Büro schon halbwegs vorzeigbar“, sagt Philip Hülsen. Der Schreibtisch steht, auch die Computer, aber angeschlossen sind sie noch nicht.

Hülsen leitet das sozialpädagogische Fanprojekt De Kull – und das zieht gerade um. Aus dem engen Container hinter dem Fanhaus in die alte Grundschule an der Hehner Straße. Es ist ein platztechnischer Quantensprung. Auf rund 50 Quadratmetern fand bislang die Sozialarbeit des Fanprojekts statt, künftig sind es mehr als 400. Ende Februar soll alles fertig sein.

Die Stadt Mönchengladbach stellt dem Fanprojekt die unteren Etagen des Gebäudes, das seit einigen Jahren leer steht, zur Verfügung. Für den Sportdezernenten Dr. Gerd Fischer war das Chefsache. „Er hat uns sehr geholfen“, sagt Hülsen. Die Stadt musste sich einbringen, damit De Kull die Förderungen vom Land und von der Deutschen Fußball Liga (DFL) bekommt. Das tut sie, indem sie das Gebäude zur Verfügung stellt. Darin wird nun fleißig gewerkelt.

Workshops, Rechtsberatung und Platz zum Banner gestalten

„De Kull wird erwachsen“, sagt „Peppo“ Hülsen. „2007 habe ich den ersten Jugendnachmittag veranstaltet – in einem kleinen Raum im Fanhaus. 2010 haben wir den Container bekommen, jetzt haben wir die Schule und sind fünf Tage die Woche für die Jugendlichen da“, sagt Hülsen. „Wir sind stolz auf unser neues Zuhause.“ Da stört auch nicht, dass die meisten Wände noch gelb sind (die Farbe der wenig geliebten Namenscousine Borussias aus Dortmund).

„Es wird einen Veranstaltungsraum geben für Workshops, Ausstellungen und Fangruppen-Treffen“, sagt Hülsen. Unten im Keller wird der Malraum sein, in dem dann Fahnen und Banner gemacht werden. Im Container gab es dafür nur einen kleinen Tisch in der Ecke.

Das Gladbacher Projekt ist bundesweit die 55. Einrichtung dieser Art und die 14. in NRW. Neben Philipp Hülsen gibt es drei weitere festangestellte Mitarbeiter, zwei 450-Euro-Kräfte und einen Praktikanten. Statt im Schnitt 15 Jugendliche pro Tag kümmert sich De Kull nun um die gesamte Ultra- und Jugend-Fanszene der Stadt. „Das sind rund 500 Leute“, sagt Hülsen.

Seit der sozialpädagogische Bereich im Mai 2014 vom Supporters Club, der nach wie vor im Fanhaus residiert, getrennt wurde, ist De Kull ein „Freier Träger der Jugendhilfe“ und arbeitet eng mit Schulen und anderen Jugendeinrichtungen der Stadt zusammen. Jugendarbeit, Bildungsangebote, Rechtsberatung, Spieltagsbegleitung und natürlich vertrauliche Gespräche – De Kull ist vielschichtig gefordert.

Jugendarbeit mit Fußball-Fans – das passt in die Zeit. „Wissenschaftler sagen, die Ultrabewegung im Fußball sei die größte Jugendbewegung in Deutschland“, sagt Hülsen: „Wir sind die Anlaufstelle und wollen mit unserem Angebot präsent sein. Wir haben jetzt einen Status quo erreicht, jetzt müssen wir uns etablieren.“ Zur Eröffnung soll die Wanderausstellung „Tatort Stadion“ in der neuen De Kull zu sehen sein.

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