In Mönchengladbach gingen am Mittwoch die Angestellten von zehn städtischen Kindertagesstätten und Sozialen Diensten zur Durchsetzung des Tarifvertrags auf die Straße.

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Auf dem Kapuzinerplatz hat Kindergärtnerin Saskia Schmitz (mit Tochter Jule (2) für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.

Auf dem Kapuzinerplatz hat Kindergärtnerin Saskia Schmitz (mit Tochter Jule (2) für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.

Knappe

Auf dem Kapuzinerplatz hat Kindergärtnerin Saskia Schmitz (mit Tochter Jule (2) für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.

Mönchengladbach. Eigentlich müsste Iris Fernandez bei ihrer Arbeit einen Gehörschutz tragen. Denn ab einem Lärmpegel von 80 Dezibel kann zuviel Krach krank machen. Doch an ihrem Arbeitsplatz sind sogar 120 Dezibel keine Seltenheit.

Wer jedoch vermutet, dass Iris Fernandez an einem Produktionsband in der Industrie oder in einem Braunkohletagebau arbeitet, wird überrascht sein: Der Arbeitsplatz von Iris Fernandez ist die Integrative Kindertageseinrichtung an der Lorenz-Goertz-Straße in Giesenkirchen.

"Der Lärm ist eine große Belastung für mich und meine Kolleginnen", erklärt die ausgebildete Erzieherin. Um die Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen und Sozialarbeitern im öffentlichen Dienst zu verbessern, hat die Gewerkschaft Verdi zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.

In Mönchengladbach gingen am Mittwoch die Angestellten von zehn städtischen Kindertagesstätten und Sozialen Diensten zur Durchsetzung des Tarifvertrags auf die Straße.

Ziel des Streiks ist ein "Gesundheitstarifvertrag"

"Die Gesundheitsförderung unserer Mitglieder ist eine unserer zentralen Forderungen", sagt Sabine Uhlenkott, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi. Ziel der Verhandlungen auf Seiten der Gewerkschaft sei es, einen "individuellen Anspruch auf Gefährdungsanalyse nach dem Arbeitsschutzgesetz durchzusetzen, der dann auch einklagbar ist", so die Verdi-Vertreterin.

Zehn Einrichtungen waren vom Warnstreik betroffen.

Südwall, Am Hockstein, Hensenweg, Altenbroicher Straße, Lorenz-Goertz-Straße, Pestalozzistraße, Lisztstraße, Höfgenweg, Mühlenstraße, Friedhofstraße.

An der Kindertagesstätte von Iris Fernandez, die mit 25 Kindern in einem Raum arbeitet, ist der Personalmangel ein großes Problem. Mit mehr Mitarbeitern könnten die Kinder zur Lärmvermeidung auf mehr Räume verteilt werden. "Außerdem sind in den letzten Jahren für die Erzieherinnen viele Aufgabe dazu gekommen, die wir aus Zeitmangel teilweise in der Freizeit erledigen müssen", sagt Iris Fernandez.

Sie kennt ihren Job seit 1995 und muss seitdem eine bedenkliche Entwicklung feststellen: "In den letzten Jahren hat der Krankenstand unter den Kolleginnen rapide zugenommen". Dass immer mehr Erzieherinnen immer länger krank sind, führt Fernandez auf ihre permanente Arbeitsüberlastung zurück.

Einen zunehmenden psychischen Druck am Arbeitsplatz kennen auch Gabriele Küsener und Sigrid Nüsing vom Mönchengladbacher Jugendamt. Ihre Fälle würden immer schwieriger, körperliche Angriffe von Klienten seien keine Seltenheit.

"Wir wünschen uns mehr Schutz, und da wir persönlich für das Kindswohl haften müssen, einfach stärkeren Rückhalt durch den Arbeitgeber", sagt Sigrid Nüsing. Die Arbeitsbedienungen in beiden Berufen schafften Nachwuchsprobleme, weiß Sabine Uhlenkott.

Verdi führt daher im Rahmen der Tarifverhandlungen auch Gespräche über eine einheitliche Festlegung der Löhne: "Wir wollen ein höheres Niveau, als nach dem geänderten Tarifrecht von 2005 festgelegt", sagt die Gewerkschaftssekretärin. Ob es zum Streik kommt, entscheiden die Verdi-Mitglieder in den nächsten Tagen.

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