Ein 21-Jähriger und ein 24-Jähriger sollen im Sommer 2011 vier Männer und Frauen erpresst und beraubt haben – also abgezogen, wie es Jugendliche nennen.

Mönchengladbach. Es geht für die Angeklagten P. (21) und K. (24) im Augenblick vor dem Mönchengladbacher Landgericht um insgesamt vier Taten, die sie am Donnerstag am ersten Prozesstag auch weitgehend eingeräumt haben. Allerdings gibt es viele Erinnerungslücken.

Am 20. und 29. Mai und am 2. Juni 2011 sollen die beiden Mönchengladbacher zwei Männer und zwei Frauen erpresst und beraubt haben. Einmal sollen sie 120 Euro und ein Mobiltelefon erbeutet haben, einmal nur ein Mobiltelefon, einmal eine Tüte mit Schlüsseln und Prospekten und einmal nichts.

Ein Psychiater soll ein Gutachten für beide Männer erstellen

Am Donnerstag wurde der Prozess erst einmal unterbrochen. Denn an diesem ersten Verhandlungstag hat sich herausgestellt, dass für die beiden jungen Männer zunächst einmal psychiatrische Gutachten erstellt werden müssen. Es steht im Raum, dass die zwei in einer psychiatrischen Klinik oder einer Entziehungsanstalt untergebracht werden könnten.

Der 24-jährige K. hatte in seinem Lebenslauf freimütig erzählt, schon als Siebenjähriger zum ersten Mal Cannabis probiert zu haben. Ab seinem 17. Lebensjahr habe er dann regelmäßig etwas „genommen“. Seit zwei Monaten sei er ohne Drogen, beteuerte er vor Gericht. „Ich möchte ein Ziel haben für mein Leben, und das geht nur ohne.“

Allerdings plagten ihn an vielen Stellen, nicht nur bei den Taten, Erinnerungslücken. Er stehe unter Betreuung, weil seine Ex-Freundin, Mutter seines knapp dreijährigen Sohnes, das angeregt habe. Ihr selbst aber habe man nach der Trennung das Kind weggenommen, weil es zu verwahrlosen drohte.

Der 24-jährige Angeklagte versuchte zu erläutern, dass bei den Taten sein Mitangeklagter der Anstifter gewesen sei und er nur ein Mitläufer. So habe sein Komplize ihm ein Messer, das der 24-Jährige bei seiner Verhaftung am 2. Juni bei sich trug, vorher zugesteckt.

Darüber, wer der Anführer war, gibt es verschiedene Versionen

Das wiederum bestreitet P.. Er plauderte ruhig, beinahe unbeteiligt – und ohne offensichtliches Schuldbewusstsein. Man habe gemeinsam geplant, mögliche Opfer „abzuziehen“, wie diese Form der räuberischen Erpressung unter Jugendlichen heißt. Beim letzten Opfer, also bei dem Überfall, bei dem sie erwischt wurden, habe er sofort gesehen, „dass es nix bringt“. Dafür berichtet der Mann noch von einer anderen, nicht angeklagten Tat, bei der die beiden ein Opfer mit einer Rohrzange bedroht hätten.

Auch der 21-Jährige erzählte von frühem Drogenkonsum. Er nehme seit seinem 16. Lebensjahr Cannabis, täglich verbrauche er Haschisch im Wert von zehn Euro. „Bis jetzt habe ich das so durchgezogen.“

Geld aus Überfällen für Drogen und Spielhallen genommen

Wie das mit 20 Euro wöchentlichem Taschengeld von den Eltern gehe, wollte der Staatsanwalt wissen, der weitere Straftaten witterte. P. bekannte daraufhin, Schulden zu haben. Geld aus Überfällen sei immer zum Teil in Spielhallen gewandert, zum Teil in Drogen umgesetzt und zu einem geringen Teil zur Rückzahlung der Schulden bei Dealern genutzt worden.

Der Prozess wird fortgesetzt, wenn die Gutachten vorliegen. Die Opfer, die gekommen waren, um auszusagen, mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen.

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