Viele kamen gestern in die Trauerhalle am Wickrather Friedhof. Pfarrer Guido Helbig sprach bewegende Worte.

Die Trauernden ließen rund ein Dutzend Ballons aufsteigen.
Die Trauernden ließen rund ein Dutzend Ballons aufsteigen.

Die Trauernden ließen rund ein Dutzend Ballons aufsteigen.

Ilgner

Die Trauernden ließen rund ein Dutzend Ballons aufsteigen.

Die Trauerhalle am Wickrather Friedhof ist voll, als gestern gedämpfte Musik ertönt und Pfarrer Guido Helbig den Raum betritt. Vor ihm rund 50 Trauernde, die gekommen sind, um M. die letzte Ehre zu erweisen. Hinten im Raum steht ein schlichtes Holzkreuz, auf dem zu lesen ist: „Du warst ein Held“. 17 Kerzen brennen, für jedes seiner Lebensjahre eine. Pfarrer Helbig findet die passenden Worte für die Trauergemeinde.

Viele Fragen würden sich aufwerfen, an Gott und die Menschen, begann er seine Trauerrede. „Ich habe ihn im Januar 2014 kennengelernt. Zuvor war er auf eine Weise dem Tod begegnet, wie man es sich kaum vorstellen kann“, sagt der Pfarrer. Der damals 14-Jährige war dazwischen gegangen, als sein Vater auf seine Mutter einstach und sie tötete. Er selbst wurde lebensgefährlich verletzt, lag lange im Krankenhaus.

Christliche Laiengemeinschaft lädt zu einem Gebet für M. ein

„Er hat heldenhaft agiert“, sagt Helbig und spricht von seelischen Wunden, die der Jugendliche erlitten habe, die so schlimm wogen, dass er es nicht mehr in geschlossenen Räumen aushielt und ein Leben auf Dächern und Bäumen vorzog – wo er letztlich starb.

Mit der Schilderung über ihr Kennenlernen sorgt Guido Helbig für den emotionalsten Moment der Andacht. „Ich hätte ihm gern anders geholfen, viele Menschen hätten ihm gern anders geholfen“, sagt der Pfarrer mit wackliger Stimme. „Wir waren so froh, als er ins Jugendhaus Am Steinberg übersiedeln konnte. Und auch er schien ein wenig Hoffnung zu haben. Doch nach einem Jahr änderte sich etwas“, sagt Helbig. M. habe alle Hilfsangebote abgelehnt, sich immer weiter zurückgezogen. „Es schien so, als flüchtete er vor sich selbst“, erinnert sich Pfarrer Guido Helbig an diese Zeit.

Immer wieder ist ein Schluchzen im Raum zu hören. Hier und dort werden Tränen mit einem Taschentuch weggewischt. Am Ende des Trauergottesdienstes bleiben einige vor dem hölzernen Kreuz stehen, verweilen einen Moment und legen etwas nieder. Draußen gedenken die Trauernden mit rund einem Dutzend weißer Luftballons des Jugendlichen, der Ende April in einem Baum im Stadtteil Windberg gefunden wurde. Auf Wunsch der Angehörigen wurde M. bereits am Dienstag im engsten Familienkreis beigesetzt. Fotos vom Grab oder aus der Trauerhalle waren auch gestern nicht gestattet.

Vieles ist in diesem Fall indes immer noch im Dunkeln. Etwa die Todesursache, die wegen der Länge der Zeit, in der der Körper im Baum hing, nicht mehr festgestellt werden konnte. Aber auch, wie es überhaupt soweit kommen konnte – und ob dem Jugendlichen nicht hätte geholfen werden können. In Vergessenheit geraten wird er wohl nicht. Für Freitag lädt die christliche Laiengemeinschaft Sant’ Egidio um 19.30 zu einem Gebet in der Citykirche am Alter Markt ein.

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