Eisengießerei schaltet Ofen ab. Die Mitarbeiter protestieren am Dienstag.

EGM Automotive
Zitterpartie auch Anfang 2008: EGM-Mitarbeiter während einer Mahnwache. Archiv

Zitterpartie auch Anfang 2008: EGM-Mitarbeiter während einer Mahnwache. Archiv

Jörg Knappe

Zitterpartie auch Anfang 2008: EGM-Mitarbeiter während einer Mahnwache. Archiv

Mönchengladbach. Sie ahnten es seit Wochen, erfahren haben sie es am vergangenen Donnerstag, am Montag wurde es öffentlich: Auch die verbliebenen 70 Mitarbeiter der Eisengießerei EGM Automotive an der Schwalmstraße verlieren ihre Jobs. Insolvenzverwalter Bernd Depping (Essen) schließt das frühere Monforts-Unternehmen, weil er „keine wirtschaftliche Perspektive mehr bei EGM sieht“. Ende des Jahres will der Rechtsanwalt den letzten noch laufenden großen Gießerei-Ofen abschalten. Das erklärte der Anwaltssprecher, Thomas Schulz. Die IG Metall berichtet dagegen, am 30. November sei Schluss.

Ein verzweifelter Kampf der Belegschaft

Die Stilllegung ist den Beschäftigten auf den Magen geschlagen. Sie protestieren am Dienstag ab 17 Uhr vor den Betriebstoren gegen das endgültige Aus. Nicht wenige wollen bei einer Mahnwache an der Hofstraße stundenlang ausharren, berichtet ein völlig frustrierter Betriebsratschef Ahmet Özkan.

„Wir fühlen uns veräppelt“, sagt auch Reimund Strauß von der IG Metall. Und er bezieht sich auf den kanadischen Investor Robert Lawrie (Chef der kanadischen HAWK Capital Group). Der habe monatelang Hoffnungen geweckt, sie aber nicht erfüllt. Strauß: „Der verzweifelte Kampf der Kollegen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze war für die Katz.“ Lawrie selbst ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Seit dem Ausstieg der Unternehmer-Familie Monforts durchleben die EGM-Leute eine Serie von Zitterpartien. Mit gleich zwei Insolvenzen. Die erste Pleite kam 2006, die zweite im Frühsommer 2011. Im August bekamen die noch 172 Beschäftigten die Kündigung. Depping habe keinen Investor gefunden, hieß es da vor empörten Mitarbeitern, WZ berichtete. Auch hier fiel neben anderen der Name Lawrie.

EGM ist über 110 Jahre alt

Özkan wie IG-Metall-Sekretär Frank Taufenbach kritisierten zu diesem Zeitpunkt, dass die „Interessenten“ für EGM nie ein klares Konzept vorgelegt hätten. Zudem hätten sie Mitarbeiter-Rechte ignoriert. Strauß gab am Montag gegenüber der WZ zu: „Wir hätten nicht so lange auf Zusagen des möglichen Investors vertrauen dürfen.“

Mitten in der Kündigungswelle erhielt EGM einen Großauftrag. Depping stellte daraufhin von den Gekündigten rund 70 wieder ein. Die stehen jetzt wie die anderen auf der Straße. „Die meisten sind arbeitslos“, sagt IG-Metall-Mann Strauß. Nur wenige haben einen neuen Job als Gießerei-Facharbeiter – entweder in Krefeld oder Duisburg. Auch einige Azubis habe man vermitteln können.

EGM ist über 110 Jahre alt. Der Autozulieferer stellt vorwiegend Nockenwellen und Auspuffkrümmer her. Laut Özkan gebe es noch Aufträge – für Depping nicht genug. Er wird das brauchbare Firmen-Inventar nun versteigern.

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