Konzert-Abend: Schräg und genial – so ist Helge Schneider. Keiner hatte etwas anderes erwartet. Und alle in der ausverkauften Kaiser-Friedrich-Halle wissen, dass er es auch weiß: Helge nimmt sich auch selbst nicht ernst.

„Der fehlt noch in der Sammlung“: Helge Schneider, gestenreich in der Kaiser-Friedrich-Halle.
„Der fehlt noch in der Sammlung“: Helge Schneider, gestenreich in der Kaiser-Friedrich-Halle.

„Der fehlt noch in der Sammlung“: Helge Schneider, gestenreich in der Kaiser-Friedrich-Halle.

Jörg Knappe

„Der fehlt noch in der Sammlung“: Helge Schneider, gestenreich in der Kaiser-Friedrich-Halle.

Mönchengladbach. Er macht sich auf Kosten anderer lustig. Aber nicht einmal das nimmt man ernst. So flott wie Teekocher Bodo flitzt, wenn Chef Helge wieder Tee serviert bekommen möchte, ist das wohl nur scheinbar eine Schikane.

"Der fehlte noch in der Sammlung. Ich hatte sowieso noch ein paar Schlagzeugstöcke übrig, aber erst soll er schwimmen lernen."

Helge Schneider zur Geburt seines sechsten Kindes Charly am 23. Januar

Man kann sich auch gut vorstellen, dass Helge auf der persönlichen Ebene keine Probleme mit Peter Maffay hat, dessen wilden Rockergesten er imitiert und über dessen geringe Körpergröße er sich lustig macht. Denn - neben Bodo - ist Helge auch ziemlich klein.

Und alle in der ausverkauften Kaiser-Friedrich-Halle wissen, dass er es auch weiß. Helge nimmt sich auch selbst nicht ernst.

Helge ist ein Meister der von ihm kreierten Mischung aus Banalitäten, Absurditäten, Bissigkeiten und völlig sinnfreien Äußerungen. Wenn er etwa über "die Merkel" spricht, "den Kanzler". Pause.

"Die Frau, die den Kanzler mimt", dann hört ihm sein Publikum von der ersten Sekunde an gebannt zu. Mit den Pausen gibt er den Worten Raum, den Gedanken Platz und erst kurz bevor die Spannung abreißt, spricht er weiter. Oder der Bericht über seine Nebentätigkeit. "Im Kindergarten." Pause. "Als Zahnarzt." Schallendes Gelächter.

An diesem Abend dämmert die Ahnung, dass er das auch macht, um ein Publikum für Jazzmusik zu begeistern, das gar nicht so aussieht, wie sonst bei Jazz-Konzerten. Wenn er "einen Blauen" - Blues - spielt, zeigt er sich als Tausendsassa, singt, spielt neben Klavier auch Saxophon, Gitarre, Vibraphon und keinen der als disharmonisch und schräg empfundenen Töne trifft er zufällig.

Dabei hat er auch eine Led-Zeppelin-Interpretation und Nonsens. "Fitze fitze fatze" heißt das Lied mit Katzenklo-Potenzial, das er mit der diebischen Freude eines kleinen Jungen präsentiert, der schmutzige Wörter so geschickt platziert, dass er von Mutter oder Lehrer nicht bestraft werden kann. Weil er gar nicht versteht, wie in deren Ohren ein "A" Richtung "O" entgleisen kann.

Und wenn er den vielen schmunzelnden Gladbachern bescheinigt, sie seien "das beste Publikum, das ich jemals in meinem Leben erlebt habe", dann nimmt das wieder keiner ernst - und alle amüsieren sich prächtig mit und über Helge.

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