365 000 Menschen sahen den Veilchendienstagszug. Die Teilnehmer forderten, dass der Theater-Karren aus dem Dreck gezogen wird und sehen eine Zerreißprobe für Schäfchen.

Mönchengladbach. 12.45 Uhr. Der Prinzenwagen steht schon an der Lüpertzender Straße. Die Pferde der Polizei stehen brav und ungerührt an der Spitze des Zuges. Nicht nur sie, auch die Mönchengladbacher Karnevalisten scharren schon mit den Hufen. Die Trecker und Stromerzeuger für die Wagen laufen schon mal warm und sorgen für dicke Luft. Auf dem Grundstück der Krankenkasse in der Nähe tönt Stimmungsmusik von einem Festwagen. Über dem dortigen Kiosk stehen die Fenster offen, Regenschirme sind umgekehrt aufgespannt in Position gebracht. Alle warten auf ihn: Elmar Eßer.

Der Zugleiter erklimmt seinen Wagen. Und los geht es. Gleich hinter der ersten Musikgruppe läuft die Fußgruppe des Freundeskreises van den Brand - lauter Katzen - ganz nach dem Motto: "Hüüt Katz - Morje Kater." Ein Tier, an dem nicht jeder Karnevalist Pläsier hat.

160 Marienkäfer in jeder Größe für die Einheit der Kirche

Die sicher größte Fußgruppe stellte der katholische Kirchengemeindeverband Stadtmitte mit rund 160 Glückskäfern. Ein ganz kleiner, im Bollerwagen, weiß, was sein Glück ist: An der Quelle zu sitzen. Denn er isst die Kamelle lieber selbst.

Auf dem Mottowagen des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) dreht sich der auf einem Bein jonglierenden Elefant beständig im Kreis. Oder am Rad?

Vom Mottowagen eines Mönchengladbacher SB-Warenhauses fliegt eine Packung Fleischwurst in Richtung eines Rheydter Gardisten. Doch sie landet in der Pfütze und bespritzt den wollweißen Mantel, dass dem Träger glatt das Bücken vergeht. Weil die Packung absolut dicht ist, übernehmen das andere Narren. Im Veilchendienstagszug fällt halt für jeden etwas ab.

365000 Menschen kamen, um den Zug zu sehen.

5,5 Kilometer lang war der Zug, genau so lang wie die Strecke, auf der er lief. Die ersten Teilnehmer im Zug konnten somit fast den letzten die Hand schütteln.

Rund 4250 Teilnehmer hatte der Zug. Es waren 38 Karnevalsgesellschaften 65Schulen, 26 Tanz- und Funkengarden, 31Kapellen, fünf Reitergruppen, drei Kutschen, 79 Festwagen, 84Traktoren, 39 Bagagewagen mit dabei.

250 Helfer der Feuerwehr und Hilfsorganisationen standen bereit (Arbeiter-Samariter-Bund, Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser-Hilfsdienst, Technisches Hilfswerk).

Eine Großmutter streitet sich am Rande des Zuges mit Kindern um Kamelle. "Is’ alles für die Enkel", sagt sie mit unschuldigem Augenaufschlag, als sie ihrer Nachbarin bei einer Fangaktion den Arm auf die Nase rammt.

Derweil ziehen die niedlichen Lürriper Bücherwürmer vorbei, die in dicken Pappmaschee-Folianten stecken.

Politisches und ein allgegenwärtiges "Halt Pohl"

Ein Wagen einer Krankenkasse warnt Jugendliche passend zum Tiermotto: "Nur Kamele saufen sich die Hucke voll."

Die KG Botterblom gibt sich politisch "Jede Biene sticht", bezogen auf das Bauprojekt "Giesenkirchen 2015" und die Bürgerinitative dagegen. Der Beitrag der "Theatermacher" läuft unter dem Motto: "...zieht den Karren aus dem Dreck". Der Kegelclub Dröckeberger resümiert: "Hohe Diere bei de Banken lotten kleene Tiersches wanken". Auf einem Mottowagen wird die Pfarrzusammenlegung zur "Zerreißprobe für die Schäfchen".

Die Spönnradsbeener aus Hardt sind von den von ihnen veranstalteten Rennen derartig von Schubkarren angetan, dass sie sechs Stück davon, alle gestaltet als Fußballfelder, in den Zug schicken.

Das passt zu den Wagennummern. Jede ist umrahmt von "Halt Pohl Borussia". Also ein "Halt den Pfahl" (Halt durch) für den VfL.

15.15 Uhr. Eßers Wagen an der Spitze des Zugs fährt durch die Unterführung der Bismarckstraße. Er hat das Ende der Strecke erreicht. 4250 Teilnehmer folgen noch.

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