Gerhard Beck widmet sich sogenannten Café Racern. Seine Maschinen sind schnörkellos, besitzen aber Charme.

Gerhard Beck widmet sich sogenannten Café Racern. Seine Maschinen sind schnörkellos, besitzen aber Charme.
Gerhard Beck werkelt in seinem „Charmeur Motorcycles“ an einem seiner Bastelobjekte.

Gerhard Beck werkelt in seinem „Charmeur Motorcycles“ an einem seiner Bastelobjekte.

Detlef Ilgner

Gerhard Beck werkelt in seinem „Charmeur Motorcycles“ an einem seiner Bastelobjekte.

Von der Rheydter Straße aus führt nur eine schmale Gasse zu dem Ort, der in ein paar Monaten zum Szene-Treffpunkt für viele Motorradfans aus Deutschland werden soll. Rund 50 Meter führt der Weg entlang einer Mauer, bevor zwischen einer Ballettschule und einem Yoga-Studio schließlich eine unscheinbare Holztür ins Reich von Gerhard Beck führt. Der 52-jährige gebürtige Österreicher mit dem gepflegten Vollbart, den langen Haaren und dem sanftmütigen Blick hat in der hier stehenden alten Industriehalle vor wenigen Wochen seine eigene Motorradschmiede „Charmeur Motorcycles“ eröffnet.

Neben Sofas und einer Theke stehen drei alte Rennmaschinen

In der Halle schlägt einem direkt beim Betreten ein Geruchsmix von Motoröl und bearbeitetem Metall entgegen. Im Eingangsbereich stehen gemütliche Sofas und eine Theke mit Barhockern. An der Wand prangt ein Schild mit der Aufschrift „My Garage, my castle“ („Meine Garage, mein Schloss“).

In der Halle liegen zudem drei alte Perserteppiche, auf denen Holzpodeste stehen. Darauf thronen die Motorräder, denen Beck bereits im Alter von zwölf Jahren verfallen ist: die Café Racer. Das sind nach allen Regeln der Kunst zur Rennmaschine umgebaute englische Serienmotorräder, die im London der 1960er-Jahre im Mittelpunkt einer Subkultur standen. In Becks Halle warten derzeit eine BMW R45 aus dem Jahr 1977, eine Honda GL500 sowie eine Kawasaki Z440, beide Baujahr 1981, auf ihre Veredelung. „Schon in meiner Kindheit habe ich viel an diesen Motorrädern gebastelt, geschraubt und verändert“, sagt Beck.

Er wurde 1965 in Wien geboren und lebte viele Jahre dort, arbeitete zunächst als Streetworker und kam über Umwege im Jahr 2007 nach Köln, wo er als Projektleiter im Bereich Messe- und Ladenbau tätig war. Vor zwei Jahren zog er wegen seiner neuen Partnerin schließlich nach Mönchengladbach. Zu diesem Zeitpunkt bastelte er schon seit einiger Zeit in seiner Garage an Maschinen. „Ein reines Hobby, ich habe eigentlich immer nur für Freunde gebastelt. Aber mit der Zeit kamen immer mehr Anfragen von Leuten außerhalb meines Freundeskreises, ob ich ihre Maschine nicht auch umbauen könnte.“ Dadurch entstand die Idee zu „Charmeur Motorcycles“.

Beck legt Wert darauf, dass es sich dabei nicht um eine Werkstatt handelt: „Ich betreibe eine Custom-Schmiede, ich mache keine Ölwechsel oder Reparaturen.“ Café Racer, die ihm unter die Finger kommen, werden einer optischen Generalüberholung unterzogen. Am Ende eines radikalen Umbaus steht ein individuelles Designerstück, das sich immer durch drei Attribute auszeichnet: „Minimalistisch, puristisch, schnörkellos. Ich gehe keine Kompromisse ein.“

Rund 100 Stunden, oder drei bis sechs Monate, bastelt der 52-Jährige an einem Racer. Meistens handelt es sich dabei um alte, kaputte Schätzchen, die er im Internet oder bei Händlern auftreibt. Oder er verwirklicht sich in den Maschinen seiner Kunden. „Wer möchte, kann auch gerne mit anpacken und mitgestalten. Am Ende muss mein Stil aber trotzdem erkennbar sein.“ Wer seine Maschine von Beck überarbeiten lassen möchte, muss bereit sein, mindestens 4000 Euro zu bezahlen – je nach Aufwand können daraus aber durchaus bis zu 25 000 Euro werden.

Die stetig wachsende Szene ist ein Grund dafür, dass es immer noch problemlos möglich ist, an Ersatzteile zu gelangen. „Viele Maschinen sind aus den 1980er-Jahren, daher gibt es dafür noch einen ausreichend großen Markt“, weiß Beck. Sollte etwas aber doch einmal nicht zu bekommen sein, baut er es einfach selbst. „Das gehört zu Custom mit dazu. Mit den eigenen Händen etwas kreieren, kreative Lösungen für Probleme finden.“

In den kommenden Monaten möchte Beck seine Schmiede nach und nach ausbauen. An die Wände sollen Hochregale kommen, in denen die Racer präsentiert werden. „Ich möchte das hier irgendwann hauptberuflich machen“, sagt er und hofft, dass sich künftig etliche Café Racer aus ganz Deutschland auf den Weg nach Mönchengladbach machen.

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