Die Jansens ziehen nicht nur privat in das Neubaugebiet. Ihre Firma realisiert dort mehrere Häuser. Die Nachfrage ist groß.

Wohnen
Tanja und Dirk Jansen stehen auf der früheren Westtribüne. Im Hintergrund sind ihr Privathaus und drei der bislang von ihrer Firma gebauten Häuser zu sehen.

Tanja und Dirk Jansen stehen auf der früheren Westtribüne. Im Hintergrund sind ihr Privathaus und drei der bislang von ihrer Firma gebauten Häuser zu sehen.

Hans-Peter Reichartz, Bild 1 von 2

Tanja und Dirk Jansen stehen auf der früheren Westtribüne. Im Hintergrund sind ihr Privathaus und drei der bislang von ihrer Firma gebauten Häuser zu sehen.

Mönchengladbach. Mit dem Bökelberg verbindet Dirk Jansen viele schöne Erinnerungen. „Ich war früher häufig dort“, sagt der 40-Jährige. „Ich habe mit dem Team gefiebert, gelitten und gejubelt.“ Wie viele andere Fans war auch Jansen traurig, als im Dezember 2005 der Abriss des Stadions begann. Umso mehr freut er sich nun, „dass der Mythos mittlerweile wieder lebt“ – und er dazu beiträgt: Künftig wird er mit seiner Frau Tanja und seinen zwei Kindern in einem neuen Einfamilienhaus nämlich dort wohnen, wo einst die Nordtribüne stand.

„Die Verkehrsanbindung ist erstligareif.“

Dirk Jansen, Bauherr

Aber nicht nur privat zieht es die Jansens auf den Bökelberg. Ihre Firma „realdevelop“ hat auf dem Gelände bereits ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen und einem Penthouse gebaut. Alle fünf Einheiten sind längst verkauft. Die nächsten acht Wohnungen in zwei Doppelhäusern können von den Eigentümern in Kürze bezogen werden. Zudem sind drei weitere Zweifamilienhäuser an der Straße „In de Kull“ in Planung. „Es müssen nur noch einige baurechtliche Details geklärt werden, dann können wir dort mit den Arbeiten beginnen“, sagt Tanja Jansen (39). Die Fertigstellung ist für September 2014 geplant. Erste Interessenten gebe es auch für diese Wohnungen bereits.

Anfangs war der Bökelberg ein absoluter Ladenhüter

Damit sind dann auch im unteren Teil des Neubaugebietes fast alle Grundstücke verkauft. Sogar ehemalige und aktuelle Borussia-Profis haben dort ein neues zu Hause gefunden. Vor einiger Zeit sah das noch ganz anders aus. „Der Bökelberg ist ein Ladenhüter“ titelte die WZ im Februar 2008. Seit 2006 hatte die Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (EWMG) versucht, die insgesamt 69 Parzellen – davon 33 unterhalb und der Rest oberhalb des Hangs - zu verkaufen.

Anfangs hatte man sich bei der EWMG gar erhofft, die größten Grundstücke meistbietend versteigern zu können. Für die anderen Parzellen wurden Preise von 350 bis 410 Euro pro Quadratmeter verlangt. Ergebnis: Bis Anfang 2008 waren gerade einmal zwei Grundstücke verkauft. Noch 2010 stand entlang der neuen Straße In de Kull kein einziges Haus.

Dass die Jansens mit ihrer Firma am Bökelberg investierten, war reiner Zufall, erinnert sich Tanja Jansen. „Wir wollten eigentlich für uns ein Baugrundstück in Windberg kaufen, das uns aber in letzter Sekunde vor der Nase weggeschnappt wurde. Auf dem Rückweg von dort sind wir am Bökelberg vorbeigekommen und haben das Schild gesehen, dass dort Grundstücke zu verkaufen sind. Daraufhin habe ich im Spaß gesagt, dass wir ja auch dort bauen könnten.“ Aus der spontanen Idee wurde schnell ein konkreter Plan. Und kurze Zeit später war der Vertrag mit der EWMG, die mittlerweile die Grundstückspreise gesenkt hatte, unterschrieben.

Niedrige Zinsen spielen eine Rolle bei der Kaufentscheidung

Das Stadion wurde 1919 eingeweiht. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile zerstört. Borussia Mönchengladbach konnte den Wiederaufbau nicht aus eigener Kraft stemmen und überließ das Stadion 1956 der Stadt. Nach mehreren Umbauten hatte das Bökelbergstadion zuletzt 34 500 Plätze. Am 22. Mai 2004 fand das letzte Bundesligaspiel dort statt. Im August 2006 fiel nach mehrmonatigen Abriss- und Sprengarbeiten der letzte Flutlichtmast.

Das Gelände gehörte nach dem Stadionabriss der Stadt. Die Vermarktung erfolgte über die städtische Entwicklungsgesellschaft EWMG. Die letzten verbliebenen Grundstücke entlang der Straße In de Kull wurden für etwa 320 bis 335 Euro pro Quadratmeter (beispielsweise 199 512 Euro für eine 623 Quadratmeter große Fläche) angeboten. Eine 116 Quadratmeter große Penthousewohnung in einem der Neubauten kostet 369 000 Euro.

„Die Nachfrage ist sehr groß“, sagt Dirk Jansen. „Natürlich spielen auch die derzeit sehr niedrigen Zinsen eine Rolle“, weiß der gelernte Banker. Dennoch würde nicht blind gekauft. Der Bökelberg könne vor allem mit seiner guten Verkehrsanbindung punkten. „Die ist erstligareif“, sagt Jansen schmunzelnd. Bis zur Autobahn A 52 sind es nur zwei Kilometer, in die Gladbacher Innenstadt fünf Autominuten.

Da „realdevelop“ nicht nur energiebewusst, sondern überwiegend auch seniorengerecht baut – dazu gehört auch ein Aufzug selbst in zweigeschossigen Gebäuden – seien die Wohnungen auch bei der Altersgruppe „Ü55“ gefragt. Tanja Jansen: „Wir haben mehrere Kunden, die sich verkleinern wollten, nachdem die Kinder aus dem Haus waren – und die einfach keine Verpflichtungen, die ein eigenes Haus samt Garten mit sich bringt, mehr haben wollten.“ In dem Moment klingelt ihr Telefon: Am anderen Ende der Leitung ist ein potenzieller Kunde, der sich für eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung am Bökelberg interessiert.

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