Das Bild eines Dampfers mit dem Städtenamen gibt Lesern eines aktuellen Buchs Rätsel auf. Über diese besondere Karriere der Stadt klären gesammelte Dokumente auf.

Historie
Ein Bild des Fischdampfers „Mönchengladbach“ von 1958 .

Ein Bild des Fischdampfers „Mönchengladbach“ von 1958 .

Reedereie Nordsee/Quelle: Stadtarchiv

Ein Bild des Fischdampfers „Mönchengladbach“ von 1958 .

Mönchengladbach. Da kommt so mancher Leser ins Rätseln: Der Name „Mönchengladbach“ prangt am Bug eines Fischdampfers, dessen Bild kürzlich im Buch „Niederrhein. Rezepte und Lebensart“ im Droste Verlag erschienen ist. Aber das Meer ist weit.

Die Suche nach der Auflösung führt ins Stadtarchiv. Dort zeigen Dokumente, dass der Dampfer von 1956 bis 1964 rund um die Gewässer Norwegens, Islands, der Färöer Inseln, Doggerlands im Norden Englands und der Shetland Inseln geschippert ist, um dort auf Fischfang zu gehen.

Zu Werbezwecken 120 Reedereien und Agenturen angeschrieben

In den 60er Jahren war die Vitusstadt Namensgeber des Schiffs. Zu Werbezwecken hatte der damalige Verkehrsdirektor Hellmuth Balve sagenhafte 120 Reedereien und Schiffagenturen angeschrieben und eine Schiffs-Patenschaft angeboten. In einem Schreiben Balves vom 27. Januar 1956 wirbt er mit der Begründung, Mönchengladbach sei als Textilzentrum zwischen Rhein und Maas und dem Exportgeschäft in der ganzen Welt bekannt und eigne sich daher besonders gut als Namensgeber für ein Schiff.

Da ein Großteil der Reedereien Schiffe jedoch nach Familien oder bestimmten Routen und Zielorten, beispielsweise im afrikanischen oder skandinavischem Raum, benannte, erhielt die Stadt nur 16 positive Rückmeldungen. Unter ihnen ein Angebot der Deutschen Hochseefischerei AG „Nordsee“, die eine bedingungslose Patenschaft anbot, jedoch kein passendes Schiff vorweisen konnte.

Es dauerte noch bis zum April 1957 als sich ein Fischdampfer auftat. Das Schiff wurde im Jahr 1951 unter dem Namen „August Bösch“ bei der Schifffahrtsgesellschaft Unterweser AG in Bremerhaven gebaut und Ende 1956 in den Flottenverband „Nordsee“ übernommen. Nach einigen Überholungsarbeiten an Rumpf und Maschinen und einem Neuanstrich wurde der Dampfer im Sommer 1957 auf den Namen „Mönchengladbach“ umgetauft.

Der Fang hätte den jährlichen Fischbedarf der Stadt decken können

 526 Bruttoregistertonnen (BRT) fasste die „Mönchengladbach“ und hatte ein Fischraum-Fassungsvermögen von 4600 Zentnern.

Der Antrieb erfolgte durch eine Dampfmaschine mit Abdampfturbine von 800 PS, wodurch die „Mönchengladbach“ eine Geschwindigkeit von elf Knoten erreichte.

Den dicksten Fang machte die „Mönchengladbach“ im August 1957, als dem Dampfer ein Heringshai von etwa drei Metern und 120 Pfund ins Netz ging.

„Schiff ahoi!“ hieß es im Juni 1957, als die „Mönchengladbach“ erstmals zum Heringsfang in die Nordsee auslief – und das erfolgreich. Denn das Fangergebnis des ersten Jahres hätte mit etwa 36 Pfund Schellfisch, Seelachs, Rotbarsch und Hering pro Einwohner den jährlichen Fischbedarf der gesamten Stadt abdecken können.

Um die Verbundenheit der Patenstadt mit dem Schiff und seinen 22 Besatzungsmitgliedern zu stärken, besuchte der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Maubach gemeinsam mit einer Delegation städtischer Vertreter im September 1958 die 22-köpfige Besatzung. Bei einem Abstecher in die Außenweser lernte Maubach nicht nur die technische Ausstattung des Schiffes kennen, sondern erfuhr von Kapitän Franz Werner auch, wo die jährlichen Weihnachtspakete der Stadt, bestehend aus 22 Flaschen Rum und einigen Packungen Pralinen verzehrt wurden.

„Es war sehr schwer für das trotz hohen Alters brave Fischereifahrzeug.“

Deutsche Hochseefischerei GmbH in einem Schreiben

Nach sieben Jahren auf See war es dann vorbei für die „Mönchengladbach“. In einem Schreiben der Deutschen Hochseefischerei GmbH „Nordsee“ heißt es: „Im harten Kampf mit der Konkurrenz der neuen großen Fischereifahrzeuge war es für ihr Patenschiff, dass trotz zunehmenden Alters brav und unverdrossen seine Fangreisen in den Nordatlantik durchführte, schon seit Jahren sehr schwer, mit den Fangerlösen die hohen Kosten zu decken.“

Das Schiff wurde daher im Oktober 1964 aus der Fahrt gezogen und anschließend zur Verschrottung verkauft. Mittlerweile hat sich die Stadt aus dem See-Umfeld zurückgezogen. Seit März diesen Jahres ist sie Pate eines ICE-Zuges. Außerdem leiht sie seit den 90er Jahren einem Lufthansa-Airbus ihren Namen.

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