Gladbacher Bündnis gegen Rechts zeigt Flagge gegen Aufmärsche von Radikalen.

Demo
Laut und Friedlich: Gegendemonstranten vor dem Asylbewerberheim.

Laut und Friedlich: Gegendemonstranten vor dem Asylbewerberheim.

Knappe

Laut und Friedlich: Gegendemonstranten vor dem Asylbewerberheim.

Mönchengladbach. Das Mönchengladbacher Bündnis „Aufstehen! – für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus“ demonstrierte am Samstag gleich zwei Mal gegen den Auftritt Rechtsextremer in der Stadt. 150 bis 200 Menschen machten jeweils mit.

Am Vormittag schwenkten unter anderem Jusos, Grüne Jugend, IG Metall, Die Linke, Piraten und viele Bündnismitglieder ihre Fahnen vor dem Asylbewerberheim Luisental.

Knapp 120 Meter entfernt wetterten hinter einer Absperrung rund 30 Vertreter von Pro NRW gegen angeblichen Asylmissbrauch durch die 150 Bewohner.

Der Vorwurf sei eine eklatante Verletzung der Menschenwürde, sagte Ferdinand Hoeren vom Bündnis: „Es ist unsäglich erbärmlich, sich ausgerechnet die Ärmsten der Armen für diese Aktion auszusuchen“, so der Vorsitzende der Theo-Hespers-Stiftung, eine von insgesamt 41 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses.

Viele Bewohner hatten das Heim für den Samstag verlassen

Auch Bürgermeister Klaus Schäfer sah hinter der Aktion von Pro NRW „eindeutig fremdenfeindliche Absichten“. Die Stadt Mönchengladbach stehe gegen Rassismus: „Durch unsere Anwesenheit zeigen wir Solidarität mit den Asylbewerbern“, so Schäfer.

Zwischenfälle gab es bei beiden Demonstrationen nicht. Das Bündnis war mit der Teilnehmerzahl nicht zufrieden: „Eine Großstadt wie Gladbach müsste bis zu 5000 Gegendemonstranten auf die Beine bringen“, sagte Ferdinand Hoeren.

Edmund Erlemann betonte das ausdrückliche Recht auf Asyl als wichtige Errungenschaft der jungen Bundesrepublik nach der Erfahrung des Nationalsozialismus: „Eine freiheitliche Errungenschaft mit hohem Wert“, so der Vertreter des Volksvereins.

Die Piraten waren auf beiden Seiten vertreten

„Wir haben Angst. Viele von uns sind weggefahren, aber wo soll ich mit meiner Familie hin“, sagte ein Bewohner. Dagmar Schmidt von der Gladbacher Gruppe der Gemeinschaft Sant’ Edigio arbeitet regelmäßig in Asylbewerberheimen mit Kindern: „Mich stört die Unwissenheit und das Schwarz-weiß-Denken, das immer gesellschaftsfähiger wird“, sagte die Demonstrationsteilnehmerin.

In Argumentationsnot kamen die Piraten, zwei ihrer Mitglieder demonstrierten auf der Seite der Rechten. „Ihnen droht ein Parteiausschlussverfahren“, setzte Pirat Robin Möllemann dagegen. Auch der NPD-Kreisverbandsvorsitzende ließ sich bei Pro NRW blicken: „Das zeigt, dass in der Partei nicht nur das bürgerliche Lager vertreten ist“, betonte Torben Schultz von den Linken.

Eine Stunde verspätet aus Aachen eintreffend marschierte am Nachmittag „Die Rechte“ mit rund 100 Vertretern auf dem Europaplatz auf: „Sie sind gespickt mit Überläufern aus der NPD und den verbotenen Kameradschaften“, so Hoeren. Auf der anderen Seite des Hauptbahnhofsvorplatzes präsentierte sich lautstark das Bündnis. „Wir zeigen, dass es gut ist, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen friedlich zusammenleben“, betonte Bezirksvorsteher Reinhold Schiffers.

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