Der wegen versuchten Mordes angeklagte Detlef H. machte schnell reinen Tisch.

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Der Angeklagte Detlef H. (l.) mit seinem Verteidiger Hendrik Rente.

Der Angeklagte Detlef H. (l.) mit seinem Verteidiger Hendrik Rente.

Heike Ahlen

Der Angeklagte Detlef H. (l.) mit seinem Verteidiger Hendrik Rente.

Mönchengladbach. „Ich hab’ das Haus in Brand gesetzt, den Tod mehrerer Menschen in Kauf genommen, auch den meiner eigenen Kinder. Ich weiß nicht, wie ich zu dem Mist gekommen bin. Es tut mir so leid.“ Detlef H. (41) stockte die Stimme, er kämpfte mit den Tränen.

Dabei hätte er vor der Kammer des Landgerichts zunächst eigentlich nur berichten sollen, wie sein Leben abgelaufen ist – bis zum 12. August 2011, als er mit dem Taxi zur Bergerstraße fuhr, Benzin vor die Tür und in den Briefschlitz des Hauses schüttete, in dem seine Familie lebte, und es anzündete. Nur durch glückliche Zufälle endete das für niemanden tödlich.

Körperverletzung und schwere Brandstiftung weitere Vorwürfe

Der Angeklagte wollte sofort reinen Tisch machen. Staatsanwalt Stefan Lingens warf dem Mönchengladbacher fünffachen versuchten Mord vor, dazu schwere Brandstiftung und Körperverletzung – der Sohn des Angeklagten erlitt an dem Abend eine Rauchvergiftung.

H. hatte am Tattag getrunken und sich gegen 22.40 Uhr von einem Taxi dorthin fahren lassen, wo seine geschiedene Ehefrau mit den beiden Kindern wohnte. Im Gepäck: eine mit Benzin gefüllte Plastikflasche. Am Telefon, so erzählte er, hatte er seiner Ex- schon mehrmals gedroht, er werde das Haus in Brand setzen. An diesem Abend tat er es.

Aber, so sagte er, er habe ihr Angst einjagen wollen. An einen Brand, der Menschenleben fordern würde, habe er nie gedacht. Das nahm ihm Richter Lothar Beckers nicht ab. H. sei nicht dumm, er habe das Haus und die Holztreppe gekannt. Er habe wissen müssen, dass ein Feuer verheerende Folgen haben könnte.

Ein Versuch des Mordes kann unter anderem vorliegen, wenn ein Täter mindestens dazu ansetzt, einen Menschen zu töten, die Vollendung aber unterbleibt.

H. bestritt, dass er das Benzin auch in den Briefschlitz geschüttet habe, er habe den Brennstoff nur vor der Tür verteilt. Es kam zur Verpuffung mit Knalle, H. erlitt Verbrennungen, ging zum Taxi zurück und ließ sich nach Hause fahren.

Nachbarn bemerkten den Brand, klingelten und retteten so die Ex-Frau, die beiden Kinder, einen Mieter und seinen Besucher im Erdgeschoss. Es kam nicht zum gefürchteten Kamin-Effekt, bei dem die Treppe Feuer gefangen und so eine Flucht unmöglich gemacht hätte.

Ein Urteil wird nun Anfang Februar erwartet

Der Sache vorausgegangen war ein Streit zwischen dem ständig betrunkenen H. und seinem Sohn, der einige Zeit beim Vater lebte. Der Junge (15) hatte nicht das gewünschte Fleisch eingekauft, der Vater warf es ihm schreiend hinterher. Daraufhin beschloss der Sohn, wieder bei der Mutter zu wohnen.

Bei der Verhandlung wirkte H. nachdenklich. Er will den Alkohol – ein Arzt stellte damals mehr als zwei Promille fest – selbst nicht als Entschuldigung gelten lassen. Die Ex hat bereits ausgesagt, die Tochter verweigerte die Aussage, auf den Sohn verzichtete das Gericht.

Nun sollen noch der Hauseigentümer, Polizisten, die hilfreichen Nachbarn, ein Arzt und ein Brandsachverständiger aussagen. Ein Urteil wird Anfang Februar erwartet.

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