Der Sportdirektor bleibt bis 2022. Seine gute Bilanz weist aber auch einige Nieten auf.

Manager Max Eberl hatte seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach vor dem Spiel in Frankfurt verlängert. Foto: Arne Dedert
Manager Max Eberl hatte seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach vor dem Spiel in Frankfurt verlängert. Foto: Arne Dedert

Manager Max Eberl hatte seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach vor dem Spiel in Frankfurt verlängert. Foto: Arne Dedert

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Manager Max Eberl hatte seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach vor dem Spiel in Frankfurt verlängert. Foto: Arne Dedert

Mönchengladbach. Die Fronten sind klar: Bis 2022 hat Max Eberl seinen Vertrag als Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach verlängert. Jede Diskussion über seinen vermeintlich anstehenden Wechsel zum Branchenführer FC Bayern München hat sich erledigt. Ob freiwillig oder dann doch erzwungen, weil man sich in München nicht auf die Person Eberl hatte einigen können, ist nicht mehr wichtig. Wichtiger ist, dass die Clubbosse auf der heutigen Jahreshauptversammlung den Fans unmittelbar nach den feststehenden Spieler-Abgängen von Mahmoud Dahoud (nach Dortmund) und Andreas Christensen (Zurück zum FC Chelsea) einen echten Coup zu verkaufen haben.

Nach dem 0:0 in Frankfurt stand vor allem Eberl im Mittelpunkt. Jeder wollte wissen: Was war da mit dem FC Bayern? Eberl antwortete, sagte aber nichts Konkretes, allein der Eindruck bleibt: Es ist der FC Bayern, der mit der Personalie noch nicht abschließend fertig war. Und offenbar zu lange wartete für einen Fußball-Manager, der seine Arbeitsbedingungen in Mönchengladbach auch zu schätzen weiß: „Das ist vorbei, es ist eingetütet. Jetzt können wir uns wirklich wieder auf Fußball konzentrieren“, sagte Eberl, und wenn das vorher nicht der Fall gewesen war, dann hat der Flirt Gladbach viel gekostet: Monatelang Ruhe im Verein und jetzt auch Geld, das Eberl mit neuem Vertrag mehr verdienen wird. Den Bayern sei Dank.

So geriet das Ganze zu einem Wohlfühl-Akt: Der 43-Jährige ist seit mehr als 18 Jahren bei seinem „großartigen Club“ und geriet auch in dieser „sehr aufregende Saison mit einigen Höhen und Tiefen“ nicht ins Schwanken. Und überhaupt: Ein „konkretes Angebot“ des FC Bayern habe es gar nicht gegeben. Man sei sich immer offen begegnet in der „Zeit der Gerüchte“. „Für den Verein ist das fundamental“, sagte Kapitän Lars Stindl, einer von vielen Top-Transfers Eberls zu dessen Entscheidung. „Er steht für den Aufschwung der Borussia. Wir arbeiten seit vier Monaten zusammen. Es ist, als wären es fünf Jahre“, meinte Hecking, von dem es ziemlich klar war, dass Eberl und er ganz gut zusammenpassen würden.
Gladbachs Präsident Rolf Königs sagte, die Verlängerung des Vertrags sei „von strategischer Bedeutung“.

In alle Freude, Eberl gebunden zu haben, mischt sich bisweilen aber auch der leise Zweifel, wie wertvoll Eberl tatsächlich für den Verein ist. Denn in seinem Wirken ist vieles Gold, aber auch längst nicht alles: Bis heute versteht kaum jemand, warum Eberl den Vertrag mit Ex-Trainer André Schubert gegen eigene Überzeugung wenige Monate vor dessen Entlassung vorzeitig verlängert hat. Und auch seinen Job als Einkäufer in einem Verein, der davon lebt, im Zyklus von Ausbildung, Weiterverkauf und Neuentdeckung von Talenten und vielversprechenden Mittelklasse-Spielern wenig Fehler zu machen, lässt sich manche empfindlich teure Niete bilanzieren: Zwölf Millionen Euro gab Eberl 2012 für Luuk de Jong aus, der gar nicht in Des Trainers Favre System von schnellem Umschaltspiel und Konterfußball passte. Acht Millionen Euro investierte man in Dortmunds Bankspieler Jonas Hofmann, der zuerst gar nicht und unter dem aktuellen Trainer Dieter Hecking nun erst langsam ins Team gefunden hat. Der Franzose Timothée Kolodziejczak kostete als Wintertransfer zehn Millionen Euro und konnte bislang noch überhaupt nicht nachweisen, dieses Geld im Ansatz wert zu sein. Auch Linksverteidiger Nico Schultz von Hertha BSC Berlin (drei Millionen Euro) oder der Defensive Martin Hinteregger, den Eberl erst für viel Geld kaufen wollte und dann doch nur auslieh, zündeten gar nicht. Nicht zuletzt bleibt der Makel Josip Drmic haften, auch der Schweizer kostete zehn Millionen Euro, als er von der Leverkusener Ersatzbank kam - und die Erwartungen bis heute nicht erfüllte. Und: Nicht wenige Fans verstehen nicht, warum Der Club zuletzt nicht noch einen abschlussstarken Stürmer verpflichtet hat.

Dass Eberls Bleiben trotzdem als zukunftsweisend gilt, liegt an den guten Entscheidungen, die den Schritt vom Abstiegskandidaten zum Topverein begünstigten: Einen Trainer wie Favre zu wagen oder Spieler wie Reus, Ter Stegen, Xhaka, Dahoud, Christensen, Hazard, Raffael oder Stindl zu holen - damit hat Eberl den Verein geprägt. Er ist eben auch schon lange da.

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