Der Mittelstürmer des 1. FC Köln erzielt gegen Gladbach in der sechsten Minute der Nachspielzeit das Siegtor zum 2:1.

1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach
Kölns Siegtorschütze Simon Terodde spielt den Ball.

Kölns Siegtorschütze Simon Terodde spielt den Ball.

Marius Becker

Kölns Siegtorschütze Simon Terodde spielt den Ball.

Köln. Es waren ekstatische Momente, die die Menschen am Sonntagnachmittag im Kölner Rhein-Energie-Stadion erlebten, auf dem Rasen und selbst auf den Sitzplatzrängen stürzten sie übereinander, lagen sich in den Armen. Trainer, Betreuer und Auswechselspieler rannten ziellos umher, auf der Suche nach einem Ventil für große Emotionen: Der 1. FC Köln hofft wieder auf den Klassenerhalt. Nicht unbedingt wegen der neun Punkte, die sie nach dem 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach haben, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt immer noch sieben Punkte. Aber mit Simon Teroddes Siegtreffer per Kopf nach einer präzisen Flanke von Konstantin Rausch in der sechsten Minute der Nachspielzeit erlebte diese leidenschaftliche Fußballstadt eine Wiedergeburt der Hoffnung auf das Wunder.

„Jetzt können wir uns mal 24 Stunden freuen“, sagte der gefeierte Torschütze Terodde. FC-Coach Stefan Ruthenbeck war begeistert von dem Auftritt seines Angreifers. „Das ist genau der Typ, den wir gebraucht haben. Ich kann jetzt schon sagen: Terodde wird ein Volltreffer.“ Für „die sensationelle Leidenschaft und Mentalität“ bekam auch der Rest der Mannschaft ein Trainerlob. „Wenn es jetzt nicht zündet, dann weiß ich nicht, wann es noch zünden soll. In der letzten Sekunde das Spiel zu gewinnen und jetzt noch ranzukommen, ist sensationell“, meinte Kölns Keeper Timo Horn und blickte trotz des Derby- Sieges schon auf den nächsten Spieltag. „Gegen Hamburg geht es wieder um alles oder nichts, und wir werden voll ins Risiko gehen.“

Wer von den 50 000 Zuschauern gleich zu Beginn ein Offensivfeuerwerk der Gäste erwartet hatte, sah sich enttäuscht – oder beruhigt, je nach Vorliebe. Die Gladbacher standen kontrolliert und warteten auf Konterchancen. Doch da die FC-Spieler ihnen diese nicht gewährten, war das Spiel gegen den Ball zunächst beeindruckender als das mit dem Spielgerät. Bis zur 34. Minute: Da zirkelte Milos Jojic einen Freistoß an den langen Pfosten, Sörensen setzte sich durch und brachte den Ball im Tor zum 1:0 unter.

Bei den leidenschaftlichen Kölnern erwachte nun vollends der Glaube, dass das Wunder noch möglich ist, Simon Zoller (38.) und erneut Sörensen (39.) hatten weitere Einschussmöglichkeiten. Auch die Gladbacher waren gefährlich, ein Schuss von Patrick Herrmann landete in den Armen von Horn (43.), zwei Minuten später zielte der Flügelspieler drüber. Eine andere Idee musste von Gladbacher Seite her – und die erschien in Gestalt von Raffael nach dem Wechsel.

Tatsächlich kam mit dem Brasilianer deutlich mehr Gefahr in die Offensive. Doch die Slapstick-Szene der Borussia in der 67. Minute ließ den Kölner Anhang zunächst hoffen, dass es beim 1:0 bleiben könnte: Erst traf Lars Stindl per Kopf nach Raffael- Flanke das Tor nicht, Sörensen machte den Ball ohne Not wieder scharf, indem er ihn zurückspielte, doch Oscar Wendt und erneut Stindl nutzen das nicht aus.

Abstoß statt Strafstoß: FC hat mal Glück mit dem Videobeweis

Doch wenig später sorgte dann Raffael selbst für den Ausgleich, nachdem Herrmann zuvor aus kürzester Distanz gescheitert war und auch der Brasilianer seinen ersten Versuch nicht hatte im Tor unterbringen können. Sollte es für den FC nun so kommen, wie es in der Hinrunde immer lief? Nein, denn zum einen gelang den Borussen kein weiteres Tor, zum anderen entschied Schiedsrichter Felix Zwayer auf Abstoß und nicht auf Strafstoß, nachdem er die Grätsche von Jorge Mére gegen den eingewechselten Jonas Hofmann noch einmal in Ruhe in der Videobox angesehen hatte (86.). Offenkundig lautete sein Urteil, dass das Foul sich erst nach Abschluss der Aktion ereignete.

Ein Unentschieden wie aus dem Lehrbuch eigentlich, da bei dem wilden Auf und Ab in der Schlussphase beide Mannschaften beste Chancen ausließen. Stindl scheiterte an Horn, nachdem sich Christian Clemens auf der Gegenseite im Strafraum den Ball zu weit vorgelegt hatte (74.). Eine Minute später traf Clemens im Strafraum den Ball nicht voll, Klünter setzte einen Flugkopfball neben das Tor (82.), Marco Höger schoss drüber (83.), während Herrmann auf Gladbacher Seite ebenfalls ein bisschen zu hoch zielte (80.). Doch Zwayer wollte offenkundig kein Remis sehen und verordnete der Begegnung fünf Minuten Nachspielzeit. 300 Sekunden, die Terrode nutzte, um sich in die Kölner Geschichtsbücher einzutragen, indem er für den Derby-Sieg sorgte.

Der Treffer des Stürmers, der erst vor ein paar Tagen aus Stuttgart zum FC gewechselt ist, war die vorletzte Aktion des Spiels, die letzte war der Anstoß – danach war der zweite Saisonsieg der Kölner unter Dach und Fach. „Wir haben extra lange gejubelt, damit der Schiedsrichter die Partie nicht noch einmal freigibt“, kalauerte Dominique Heintz angesichts der Kölner Jubeltraube.

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