Die Sensation gegen "Barca" war für Borussia Mönchengladbach greifbar. Bis der Regisseur vom Feld musste.

Borussia Mönchengladbach - FC Barcelona
Nach dem Spiel verabschiedeten sich Raffael und Neymar.

Nach dem Spiel verabschiedeten sich Raffael und Neymar.

Maja Hitij

Nach dem Spiel verabschiedeten sich Raffael und Neymar.

Mönchengladbach. Das also war "Barca" - das Aushängeschild Kataloniens, der ganze Stolz dieser Region. "Mes que un club" - "Mehr als ein Verein", so lautet auch das Vereinsmotto. Der Auftritt des fünfmaligen Champions-League-Siegers am Niederrhein ist Geschichte, statt Glanz und Glamour herrscht nun wieder Alltag an der Hennes-Weisweiler-Allee. Der FC Barcelona hat sich die Ehre gegeben und Borussia Mönchengladbach das Duell mit Weltstars des Fußballs genossen. „Wir haben unseren Traum gelebt, dieses Spiel wird noch lange nachklingen. Wir können stolz sein und haben alles in die Waagschale geworfen", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Zu etwas Zählbarem hat es allerdings trotz aufopferungsvollem Kampf und beherztem Auftritt nicht gereicht. Die Katalanen spielten bei ihrem 2:1 (0:1) zwar nur selten südländisch hinreißend, eher nordisch kühl. Sie glänzten ohne ihr pulsierendes Herzstück Lionel Messi nicht mit technischen Kabinettstückchen, sondern nutzten ihre Chancen wie beim Patzer von Torhüter Yann Sommer einfach konsequent aus. Der ansonsten eigentlich fast immer sichere Schweizer konnte beim entscheidenden Treffer des bis dahin komplett enttäuschenden Gerard Piqué einen Schuss von Luis Suárez nicht festhalten. Das war der entscheidende Unterschied. Zumindest an diesem Abend.

Für seinen Traum riskierte Raffael gesundheitlich viel

Piqués Ehefrau - Pop-Star Shakira - hätte zumindest optisch eine bessere Figur abgegeben als ihr Weltmeister-Gatte. Nach dessen Handspiel musste es bereits in der dritten Minute Elfmeter geben. Und vielleicht wäre für die Borussia wirklich zumindest ein Unentschieden möglich gewesen, hätte nicht Raffael in der 48. Minute den Rasen angeschlagen verlassen müssen. Der Brasilianer stand exemplarisch für Gladbachs vor der Pause mit viel Wucht und Tempo geführtem Spiel. Viele Jahre hatte Raffael von einem Duell mit dem FC Barcelona geträumt. Der Regisseur der "Fohlenelf" hatte daher auch alles getan, um rechtzeitig für diesen großen Abend fit zu werden.

So waren die Beschwerden im Adduktoren-Bereich, die ihn bei RB Leipzig und gegen den FC Ingolstadt hatten aussetzen lassen, zunächst wie weggeblasen. Raffael biss auf die Zähne. Der 31-Jährige rannte, kämpfte, dribbelte und bereitete schließlich in der 34. Minute das enthusiastisch gefeierte 1:0 vor. Im Mittelfeld hatte sich der stille Star aus Fortaleza den Ball erkämpft, diesen blitzschnell nach vorne getrieben und zum starken Mahmoud Dahoud gepasst. Dessen Vorlage brauchte Thorgan Hazard nur noch einzuschieben. Es war ein perfekter Spielzug, wie er eigentlich vom FC Barcelona zu erwarten gewesen wäre.

Bis kurz nach dem Seitenwechsel hielt Raffael durch, dann zwickte es wieder in der Leistengegend und er musste Trainer André Schubert seine Auswechslung andeuten. "Es war ein toller Abend. Schade, dass es nicht zu einem Punkt gereicht hat. Wir waren nahe dran", sagte der Brasilianer. Immerhin konnte er als kleines Trostpflaster mit Landsmann und Olympiasieger Neymar das Trikot tauschen. Jenem Neymar, der gemäß seinem Status als Superstar zwar den Ausgleich von Arda Turan vorbereitete, sich insgesamt aber für seinen Geschmack viel zu oft am giftigen Gladbacher Verteidiger Julian Korb die Zähne ausgebissen hatte.

Druck in Glasgow - Sorgen vor Schalke

Doch was nützt der ganze Mist, wenn du hinter Celtic bist. Durch das überraschende 3:3 der Schotten gegen Manchester City steht die Borussia beim Spiel in Glasgow am 19. Oktober unter Druck. Verlieren ist verboten. Bei dann vier Punkten Rückstand wäre der anvisierte dritte Gruppenplatz und die damit verbundene Qualifikation für das Sechzehntelfinale der Europa-League wohl dahin. "Wir haben nun zwei Endspiele gegen Celtic. Die wollen wir natürlich erfolgreich gestalten", sagte Julian Korb.

Bis in drei Wochen sollte Raffael wohl wieder fit sein. Ob er es bis Sonntag schafft, ist hingegen fraglich. Dann muss die Borussia ab 17.30 Uhr beim Tabellen-Schlusslicht FC Schalke 04 antreten. Die "Knappen" haben zwar nach fünf Spielen noch keinen Punkt auf ihrem Konto, dennoch schwant Max Eberl nichts Gutes. "Die Platzierung spiegelt ja nicht ihre wahre Qualität wider. Irgend ein Team wird nun bald als erstes gegen sie verlieren, aber wir hoffen natürlich, dass wir dieses Team noch nicht sind."

Dafür aber wäre Raffael von elementarer Bedeutung. Nach seiner Auswechslung fehlten Entlastungsangriffe, bereits in Leipzig und gegen Ingolstadt litt das Spiel der "Fohlenelf" an einer gewissen Ideenlosigkeit. „Raffael ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns. Wir haben ihn in der zweiten Halbzeit sehr vermisst", sagte Julian Korb. So blieb das Spiel gegen den FC Barcelona trotz Mut und Leidenschaft wie die Kathedrala „La Sagrada Familia" in der katalanischen Metropole: Unvollendet.

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