Der Borusse Raffael ist die "Seele" des Gladbacher Spiels. Am Donnerstagabend gilt es für ihn und seine Borussia, im dritten Teil der Schalke-Trilogie das Viertelfinale der Europa League zu erreichen.

Raffael schießt vom Elfmeterpunkt das 0:2 für Mönchengladbach. Foto: Daniel Reinhardt
Raffael schießt vom Elfmeterpunkt das 0:2 für Mönchengladbach. Foto: Daniel Reinhardt

Raffael schießt vom Elfmeterpunkt das 0:2 für Mönchengladbach. Foto: Daniel Reinhardt

dpa

Raffael schießt vom Elfmeterpunkt das 0:2 für Mönchengladbach. Foto: Daniel Reinhardt

Mönchengladbach. Im Team rufen sie ihn meistens Raffa, für einige ist er auch der „Maestro“. Vielleicht drückt dies am ehesten das große Renommee aus, das Raffael Caetano de Araujo, so sein vollständiger Name, bei Borussia Mönchengladbach genießt. Tore schießen, das ist freilich der Hauptjob des brasilianischen Stürmers, und das gelingt ihm in schöner Regelmäßigkeit. Seit 2013, und stets landete er im zweistelligen Bereich.

Für Gladbachs Sportdirektor Max Eberl ist Raffa die „Seele“ der Mannschaft. Ist der filigrane Techniker angeschlagen oder verletzt, herrscht gleich große Sorge rund um den Borussia-Park. Beim jüngsten Ligaspiel in Hamburg hatte ihn ein Infekt matt gesetzt. Der Fixpunkt im Gladbach-Team fehlte schmerzlich. „Wir brauchen in der Offensive einen gesunden, einen fitten Raffa. Dann ist er großartig und unberechenbar“, sagt Cheftrainer Dieter Hecking.

Ein Glück, dass der Rechtsfuß seine Entzündung schnell auskuriert hat: Borussias konstantester Torschütze seit vier Jahren ist bereit für das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa-League heute Abend gegen seinen Ex-Klub FC Schalke 04 (Anstoß 21.05 Uhr). Womit auch der innerdeutsche Dreiteiler innerhalb von zwölf Tagen endgültig zu Ende geht.

Nach dem 1:1 im Hinspiel würde Borussia Mönchengladbach selbst ein torloses Unentschieden reichen. Doch darauf wollen sich die Gladbacher in ihrem 163. Europapokalspiel (89 Siege!) seit 1960 nicht einlassen. „Das entspricht nicht dem Naturell der Mannschaft. Wir wollen immer Gas geben“, sagt Kapitän Lars Stindl. Raffaels kongenialer Partner in der Offensive klagt noch über leichte muskuläre Probleme und fehlte am Mittwoch beim Training. Stattdessen machte er spezifische Übungen im Kraftraum. Ob er auf den letzten Drücker den Sprung in die Top-Elf noch schafft, entscheidet sich im Laufe des heutigen Tages. Definitiv ausfallen wird Thorgan Hazard.

Stindls möglicher „Ersatzmann“ in der Angriffsmitte saß am Mittwoch beim Medientreffen auf dem Podium: Jonas Hofmann. „Ich traue mir auch die Position ganz vorne durchaus zu“, meinte er. Aber Raffael ist dabei, der „Maestro“, der wie kein Zweiter in der Bundesliga den Ball bei höchstem Tempo so eng am Fuß führt. Am 28. März wird Gladbachs Top-Scorer (siehe Kasten) 32 Jahre alt. Das sei für ihn kein Alter, um übers Aufhören nachzudenken.

Raffael hat trotz mehrmaliger Verletzungspausen in dieser Saison in 25 Pflichtspielen zwölf Mal getroffen und dreimal den Ball entscheidend vorgelegt. Seit 2013 kam der Brasilianer in 141 Partien für Borussia Mönchengladbach zum Einsatz. Seine imponierende Bilanz: 85 Scorerpunkte (56 Treffer und 29 Vorlagen).

Es ist statistisch belegt: Ohne Raffael schießt Borussia Mönchengladbach weniger Tore und gewinnt seltener. In den 15 Bundesligapartien dieser Spielzeit mit dem Brasilianer holte Gladbach 23 Punkte (Durchschnitt 1,53 Zähler pro Spiel), in den neun Begegnungen ohne ihn gab es lediglich neun Punkte (1,00 pro Spiel).

„Ich will noch spielen, bis ich 36 bin“, stellte er kürzlich im Vereinsmagazin Fohlen Echo schon mal klar. Weil es ihm, dem zweifachen Familienvater, einfach Spaß mache, das Runde ins Eckige zu bugsieren. „Raffael kombiniert Spielwitz mit Schnelligkeit und Torgefährlichkeit. Vor allem macht er Dinge, die andere nie beherrschen werden“, hat Raffaels früherer Trainer Lucien Favre einmal über ihn gesagt. Favre war es auch, der Raffael unbedingt wollte und gemeinsam mit Gladbachs Manager Eberl anno 2013 das „schwierige Paket“ schnürte. Raffael spielte auf Schalke, stand aber bei Dynamo Kiew unter Vertrag. Die Ukrainer hatten ihn an die Königsblauen ausgeliehen. Sechs Millionen Euro flossen schließlich nach Kiew.

Raffael entpuppte sich schnell als Volltreffer in jeder Beziehung – sportlich wertvoll, menschlich bescheiden, ein Profi ohne Allüren und Skandale. Dass der Mann aus Fortaleza nicht nur unter seinem Entdecker Lucien Favre, der ihn beim FC Zürich und Hertha BSC förderte und formte, maximale Leistung abrufen kann, hat Raffael längst bewiesen. „Ich muss mich einfach wohlfühlen“, sagt der 31-Jährige, „der Trainer ist ein Detail. Ein wichtiges zweifellos. Entscheidend ist ohnehin das gegenseitige Vertrauen.“

Raffael Caetano de Araujo, der immer ein bisschen traurig dreinblickt, lacht laut über Mr. Bean. Hin und wieder genehmigt er sich eine Currywurst, und er träumt schon lange nicht mehr von einem Einsatz in der Selecao, dem brasilianischen Nationalteam. Stattdessen will der Gladbach-Profi, der am Niederrhein mit Ehefrau Jamilly und seinen beiden Jungs Raffael Junior und Raicky seine Heimat gefunden hat, weiter für die Fohlenelf stürmen und noch möglichst viele Tore schießen. Auch wenn heute Abend ein 0:0 reichte: Raffael will mehr.

Am Mittwoch im Training hat er den einen oder anderen locker versenkt. Ja, und schließlich geht es ja auch heute gegen seinen ehemaligen Verein. Mehr noch: Das Viertelfinale ist für den zweimaligen Europapokalsieger zum Greifen nah. „Wir freuen uns riesig auf das Spiel und einen tollen Europapokal-Abend“, sagte  am Mittwoch  Cheftrainer Dieter Hecking, „wir verspüren auch vor dem 40. Pflichtspiel der Saison keine Müdigkeit.“

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