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Lucien Favre kritisierte auf seiner eigenen PK am 6. Oktober 2009 das Management von Hertha BSC. Foto: Soeren Stache

Lucien Favre kritisierte auf seiner eigenen PK am 6. Oktober 2009 das Management von Hertha BSC. Foto: Soeren Stache

dpa

Lucien Favre kritisierte auf seiner eigenen PK am 6. Oktober 2009 das Management von Hertha BSC. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Von der legendären Pressekonferenz spricht man in Berlin noch heute. Vor etwas mehr als zwei Jahren musste Lucien Favre Hertha BSC nach einem miserablen Saisonstart verlassen - und trat bei einem privaten Termin mit Journalisten gegen das Management des Bundesligisten nach.

Von da an herrschte Funkstille zwischen dem Schweizer und der pikierten Hertha-Führungsriege. Auch zu ehemaligen Spielern kappte Favre den Kontakt.

Am Samstag (15.30 Uhr) kommt der Coach mit Borussia Mönchengladbach erstmals zurück - das Wiedersehen wird mit Spannung erwartet. «Ich werde ihm im Stadion die Hand geben und ihn begrüßen», kündigte Hertha-Manager Michael Preetz in der «B.Z.» an. Der frühere Stürmer galt als Förderer von Favre. Nach der mit Eitelkeiten und Emotionen verbundenen Trennung von Dieter Hoeneß gestand dessen Nachfolger Preetz dem Coach größeren Einfluss im Verein zu.

Bei der Pressekonferenz im Hotel Adlon kassierte dann aber auch Preetz von Favre überraschend einen Seitenhieb. «Der Verein hat die Trennung von Dieter Hoeneß nicht verkraftet», meinte der Schweizer, der seinerzeit mangelnde Investitionsbereitschaft anprangerte. Hertha wies die Kritik zurück - vergessen ist der Vorfall offenbar nicht.

«Niemand bei Hertha braucht Favre nachzutrauern», sagte Preetz, der den bitteren Abstieg in der Saison 2009/2010 und den Wiederaufstieg im Frühjahr unter dem neuen Coach Markus Babbel als heilsam erachtet. Den unter Favre knapp verpassten Meistertitel 2009 und den Einzug in die Europa League im Folgejahr dürfte er nicht vergessen haben. Dass Favre ein guter Trainer sei, «habe ich nie bezweifelt», sagte Preetz.

Favre scheint keine Aversionen mehr gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zu hegen, auch wenn er nach seinem Abschied aus Berlin gesundheitlich angeschlagen war und zudem rund 17 Monate auf einen neuen Job warten musste. Erst im Februar 2011 heuerte er in Mönchengladbach an und feierte, ähnlich wie schon bei Hertha, Erfolge. Zunächst rettete er den Traditionsclub vor dem Abstieg, dann führte er die Borussia in dieser Saison nach oben: Gladbach sorgt für Furore.

«Ich freue mich darauf, wieder nach Berlin zu kommen und dort viele Leute zu treffen, die ich aus meiner Zeit bei Hertha kenne», sagte der 54-Jährige. «Ich hatte in Berlin eine tolle Zeit und werde die Stadt und die Menschen dort nie vergessen.» Sogar ein Lob hatte der in der französischen Schweiz geborene Fußballlehrer für seinen ehemaligen Verein übrig: «Hertha BSC ist kein normaler Aufsteiger, das ist ein Riesenclub mit großer Tradition, der sich wieder in der Bundesliga etablieren wird, das ist klar.»

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