Trainer André Schubert und Sportdirektor Max Eberl (v.l.) hatten nicht viel zu lachen im Spiel gegen Köln.
Trainer André Schubert und Sportdirektor Max Eberl (v.l.) hatten nicht viel zu lachen im Spiel gegen Köln.

Trainer André Schubert und Sportdirektor Max Eberl (v.l.) hatten nicht viel zu lachen im Spiel gegen Köln.

imago sportfotodienst

Trainer André Schubert und Sportdirektor Max Eberl (v.l.) hatten nicht viel zu lachen im Spiel gegen Köln.

Mönchengladbach. Es war die dramatische Schlusspointe an diesem diesigen November-Nachmittag im Borussia-Park. Ein Knalleffekt, mit dem niemand mehr gerechnet hatte. Ein Freistoß von Marcel Risse landete in der 91. Minute im Kasten des verdutzten Gladbacher Keepers Yan Sommer. Wenig später war Schluss. 1:2 der Endstand, und von einer Sekunde zur anderen hatte sich die Stimmung gedreht.

In der Süd-Ostkurve des Stadions schwenkten die Kölner ihre rot-weißen Fähnchen, feierten enthusiastisch ihren Derby-Helden und kosteten den späten 2:1-Triumph weidlich aus. Und Gladbach? Schräg gegenüber standen die Borussen mit hängenden Köpfen vor der Nordkurve, schauten in lange Gesichter und mussten sich schrille Pfiffe ihrer Fans anhören – einiger wenigen, wohlgemerkt.

Krasser hätte der Kontrast nach dem 85. Bundesliga-Duell der rheinischen Erzrivalen nicht sein können. Wie geht Borussia Mönchengladbach mit dem unglücklichen Ende der packenden Begegnung um, in der sich die Gastgeber deutlich besser als zuletzt präsentierten und schon auf dem Weg aus der Krise wähnten?

Carlos Menotti, argentinische Trainer-Legende, stellte in solchen Momenten überwiegend nicht die Fehler, sondern die Qualitäten der eigenen Mannschaft heraus, machte sie so stark. Das befolgt auch Gladbachs Trainer André Schubert: „Es ist einfach nur bitter und traurig, dass sich die Jungs nicht belohnt haben. In der Kabine war es mucksmäuschenstill. Aber im Fußball geht es nicht um verdient oder nicht verdient. Es geht immer weiter. Glück kann man nicht erzwingen. Ich muss die Jungs aufrichten; wir müssen konzentriert bleiben.“

Bereits am Mittwoch kommt mit Manchester City ein weitaus größerer Gegner als die Kölner in den Borussia Park. „Das ist derzeit eine der besten Mannschaften der Welt“, sagt Schubert, „und für mich ein Kandidat für den Gewinn der Champions League.“ Darauf folgen die schweren Aufgaben gegen 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmund.

 1:2 (1:0)

Sommer (5), Elvedi (3), Christensen (3,5), Vestergaard (4), Traore (3), Dahoud (4), Strobl (3), Wendt (3,5), Stindl (2,5), Hazard (3), Raffael (4)

Kessler (1,5), Sörensen (4,5), Mavraj (3,5), Heintz (4,5), Lehmann (5), Risse (3), Höger (3), Hector (3,5), Rausch (5), Modeste (3), Osako (4,5), Rudnevs (3,5)

Eberl: „Es ist doch pervers, über Schubert nachzudenken.“

Auf die Kritik, die dem 45-jährigen Fußball-Lehrer angesichts der Flaute im Liga-Alltag nach mit zwei Remis, vier Niederlagen und dem Absturz auf Rang 13 ausgerechnet nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung derzeit entgegenschlägt, reagiert er nüchtern und professionell: „Das sind die natürlichen Mechanismen, damit muss ich umgehen. Ich zweifle nicht an meiner Arbeit, aber die Punkte-Ausbeute ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben.“

Sportdirektor Max Eberl bezog am Wochenende klar Stellung und stärkte dem Trainer erneut den Rücken. „Ich erwarte, dass alle, die dem Verein nahe sind, jetzt zusammenstehen. Kontinuität hat uns geholfen, in den vergangenen Jahren etwas Tolles zu erleben. Ich will aber auch Kontinuität, wenn es mal schlecht läuft“, sagte Eberl unmissverständlich. „Es ist doch pervers, über Schubert nachzudenken. Müssen im Fußball gleich Köpfe rollen, nur weil der Kölner Modeste mit einem komischen Kopfball trifft und ein Freistoß reingeht? Ohne mich.“

Dieses „komische“ 1:1 der Gäste (59.) durch ihren Torjäger vom Dienst, Anthony Modeste – von Gladbachs Vestergaard kurios angeköpft – war der Wendepunkt in diesem Duell, das die Heim-Elf mit Spielfreude und Volldampf über weite Strecken bestimmt hatte – und sich nicht hätte aus der Hand nehmen lassen dürfen.

Die magere 1:0 Führung durch Kapitän Lars Stindl nach zuvor 496 Minuten ohne Gladbacher Bundesliga-Tor entsprach dann auch nicht der Gastgeber-Dominanz in der ersten Halbzeit, hinzu kamen die schlechte Chancenverwertung, in Thomas Kessler ein überragender Gästetorwart und ein nicht gegebener Elfmeter. „Der Fußball ist nicht immer gerecht“, sagt Max Eberl. So endete der „Ball paradox“ mit einem Trauma für die Gladbacher. Da war es auch wenig tröstlich, dass Kölns Keeper Kessler Yann Sommer nach dem fulminanten „Flatterball“ zum 1:2 in Schutz nahm: „Solche Bälle von Risse nerven mich im Training immer wieder. Die sind unberechenbar. Kopf hoch, Yann.“

 

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