Gladbach investiert sechs Millionen Euro in ein Quartett. Kapitän Oliver Neuville bleibt bis 2010.

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Vor einer ungewissen Zukunft: Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer.

Vor einer ungewissen Zukunft: Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer.

Dieter Wiechmann

Vor einer ungewissen Zukunft: Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer.

Mönchengladbach. Eigentlich zählt "Schönreden für Fortgeschrittene" zum Pflichtfach eines jeden Bundesliga-Trainers, dessen Mannschaft bereits zur Winterpause mit einem Bein in Liga zwei steht.

Bei Tabellen-Schlusslicht Borussia Mönchengladbach hat sich Hans Meyer jedoch schon länger nicht mehr bemüht, aus dem meist trostlosen Gekicke des VfL noch eine "temporäre Ergebniskrise" zu kreieren.

Der 66-Jährige hatte bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im Oktober betont, dass der Kader für den Klassenerhalt nicht stark genug sei und die Mischung nicht stimme. Weshalb der einst ruhmreiche Klub in der Weihnachtspause erneut sein Heil in Neuverpflichtungen gesucht hat.

Abwehrspieler Dante (25, Standard Lüttich), Torhüter Logan Bailly (23, Genk) und die beiden bundesligaerprobten Paul Stalteri (31, Tottenham) und Tomas Galasek (35, Banik Ostrau) heißen die neuen Hoffnungsträger. Annähernd sechs Millionen Euro haben die Gladbacher kurzer Hand investiert, um das Schlimmste noch zu verhindern.

Der Trainer spürt den ersten Gegenwind aus dem Präsidium

Meyer begründet den jüngsten Kaufrausch plausibel: "Wir waren in der Hinrunde die Schießbude der Nation und wären, wenn wir mit dieser Mannschaft so weitergemacht hätten, hundertprozentig abgestiegen." Die erste lockere Übungseinheit mit den Neuzugängen am Samstag lockte über 1.500 Zuschauer auf das Trainingsgelände - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Borussia Mönchengladbach hat gestern das Hallenturnier in Dortmund im Finale gegen Liga-Konkurrent Bayer Leverkusen mit 4:3 im Neunmeterschießen gewonnen. Nach der regulären Spielzeit hatte es 4:4 gestanden. Frederic Löhe parierte den entscheidenden Elfmeter gegen Nationalspieler Simon Rolfes. Im Halbfinale hatte Gladbach Gastgeber Dortmund 7:5 besiegt.

Dribbelkünstler Marko Marin (19) konnte sich in der Halle besonders in Szene setzen und wurde zum "besten Spieler des Turniers" gewählt. Roberto Colautti (Gladbach) und Mohamed Zidan (Dortmund) waren mit jeweils fünf Treffern beste Torschützen.

Er sei nun fest der Meinung, dass seine Mannschaft im Abstiegskampf noch etwas bewegen könne, sagt Meyer. Mit den Neuzugängen werde die Borussia über eine bessere Organisation auf dem Platz verfügen.

"Von dieser besseren Balance werden auch unsere Offensivspieler profitieren", ergänzt der Gladbacher Cheftrainer, der - trotz Kultstatus - auch den ersten Gegenwind aus dem Präsidium zu spüren bekommt. "Mit Meyer haben wir sieben Punkte aus neun Spielen geholt. Das ist nicht ausreichend", sagt Präsident Rolf Königs.

Meyer, dessen guter Ruf als Retter auf dem Spiel steht, hat in diesen Tagen also einiges vor der Brust. Er muss vier Neuzugänge in eine völlig verunsicherte Mannschaft einbauen und den mit 34 Profis aufgeblähten Kader ausdünnen. In Sascha Rösler, Soumaila Coulibaly, Sharbel Touma, Uwe Gospodarek, Marcel Ndjeng, Sebastian Svärd und Alexander Voigt wurden sieben Spieler aussortiert.

Oliver Neuville wird hingegen seinen auslaufenden Vertrag in Kürze bis 2010 verlängern. "Er kann der Mannschaft mit seiner Erfahrung und seiner Schnelligkeit durchaus noch helfen", sagt Meyer.

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