Als Verteidiger ist dem heutigen Sportdirektor der Borussia nie ein Tor geglückt. Auf seiner neuen Position darf er sich gleich über mehrere Volltreffer freuen.

Mönchengladbach. Es ist noch zu früh für die fernen Träume. Michael Frontzeck hat ja im Borussia-Park gerade erst begonnen. Aber mit der Zwischenbilanz kann er durchaus zufrieden sein: Platz elf nach der Hinrunde, 21 Punkte auf der Habenseite, und zum Auftakt ins Jahr 2010 ein Heimspiel gegen Bochum - das weckt Erwartungen.

Aber Frontzeck, seit 1. Juli vergangenen Jahres Cheftrainer beim Traditionsklub vom Niederrhein, lässt sich so schnell nicht aus der Reserve locken. Er beschäftigt sich nur mit dem Naheliegenden. "Wir haben noch nichts erreicht, 21 Punkte sind okay, aber kein Ruhepolster", sagt der 45-jährige Fußball-Lehrer und betont immer wieder, dass im Fußball alles möglich und nichts sicher sei.

"Erfolg ist in gewissem Maße planbar, sonst stünde Schalke 04 nicht so weit oben. Im Fußball kann man vieles vorbereiten, erarbeiten, sich ausdenken, riskieren, aber es bleibt die Unwägbarkeit, die über Sieg und Niederlage entscheidet."

Der morgige Rückrundenstart gegen den VfL Bochum hat hüben wie drüben hohe Bedeutung. "Alle Welt erwartet doch von uns zum Auftakt einen Sieg und die Revanche für das 3:3 im Hinspiel", sagt Frontzeck, "und das ist gefährlich. Bochum steht kompakt in der Defensive, kontert blitzartig. Die Mannschaft wird mit aller Macht versuchen, zu verhindern, dass sich ihr Abstand zu uns vergrößert."

Fünf Punkte liegen zwischen beiden Teams. Für die Borussia ist es die Chance, sich am 18. Spieltag weiter zu befreien und einer zitterfreien Saison entgegenzugehen.

So unspektakulär wie selten zuvor ist die kurze Winterpause von nicht einmal vier Wochen bei Borussia Mönchengladbach verlaufen. Kein Spieler hat den Klub verlassen, niemand Neues ist hinzugestoßen. Und das Trainingslager war, abgesehen von ein paar verregneten Stunden an der Costa del Sol, rundum gelungen. Auch die beiden Verletzungen von Dorda und Stalteri trübten die Stimmung in Andalusien nur unmerklich.

Zufrieden war die sportliche Leistung auch mit der sportlichen Komponente (0:1 gegen Cottbus, 2:0 gegen Borussia Dortmund), und deshalb wird es auch morgen Nachmittag im Borussia-Park keine Überraschungen im Aufgebot geben, wenn Michael Frontzeck seine Männer ins Rennen schickt. Der Trainer brauchte keine neuen Spieler zu integrieren, und es gibt auch keine wirklich ernsthaften Positionskämpfe.

Borussia Mönchengladbach steht mit seiner Top-Elf und vier, fünf "Ersatzspielern" dahinter einfach gut, spielt stark, so dass es keinen Grund gibt, groß etwas zu verändern. Daran ändert auch der starke Auftritt der Gladbacher beim Wintercup nicht viel, bei dem die Spieler aus der zweiten Reihe positiv auf sich aufmerksam machten. Und für den an der Ferse verletzten Rob Friend (fehlt morgen und in Berlin) kann bedenkenlos Roberto Colautti einspringen.

Selbst die Tatsache, dass Karim Matmour mit Algerien beim Afrika-Cup weilt und am Anfang nicht zur Verfügung steht, wird dem Spielkonzept des Trainers nichts anhaben können. Immerhin hatte der VfL im letzten Hinrundenspiel den späteren Herbstmeister Bayer Leverkusen fast am Boden, als Dante die Borussia (ohne Matmour) zwischenzeitlich mit 2:1 in Führung brachte (Endstand 3:2 für Bayer).

Gleichwohl ist noch viel Luft nach oben. Ein Indiz ist die mangelnde Effizienz der Stürmer. Wobei der Betrachter das Gefühl hat, dass der Knoten bei Raul Bobadilla in der Rückrunde endgültig aufgehen wird. Die beiden Tore beim Wintercup in Düsseldorf lassen hoffen.

Thema neue Spieler: Dante Bonfim Costa Santos ist einer jener Zugänge, die auf das Konto von Sportdirektor Max Eberl gehen. Eberl ist in seiner Profilaufbahn, in der sich der drahtige Fußballer als Abwehrspieler durch verbissenen Einsatz und eine vorbildliche Einstellung hervorgetan hat, nie ein Tor geglückt. Volltreffer landete er später als Sportdirektor im Borussia-Park - auf dem internationalen Transfermarkt.

Der Brasilianer Dante ist der beste Zugang seit Oliver Neuville

So ist Dante, in der Hafenstadt Salvador im Nordosten Brasiliens groß geworden, der beste Zugang bei Borussia seit Oliver Neuville. Juan Arango darf getrost als ansehnliche Verstärkung betrachtet werden und von Marco Reus, jenem hoch talentierten Nachwuchsspieler aus Ahlen, schwärmt ohnehin die ganze Liga, was die Verantwortlichen der Borussia inzwischen ganz schön nervt.

Das sind nur drei Beispiele für Eberls glückliches Händchen, für sein Verhandlungsgeschick und seine Überzeugungskraft. "Ich hatte mehrere Angebote, aber Borussias Argumente haben mich am meisten beeindruckt", sagt Dante, "ich habe mich für einen Traditionsverein entschieden. Das spürt man an jeder Ecke. Ich habe alles richtig gemacht."

Trainer Michael Frontzeck sagt über den Brasilianer nur: "Er tut uns gut." Und spart bewusst mit überschwänglichem Lob, bleibt cool und zurückhaltend, wenn es um individuelle Beurteilungen geht.

So hielt sich der frühere Profi auch wohltuend zurück, als die Gladbacher fast sensationell beim Hamburger SV gewannen oder mit einer taktischen Meisterleistung den FC Schalke 04 bezwangen.

Und als die Borussen im schlechtesten Hinrundenspiel beim SC Freiburg mit 0:3 untergingen, brach die Welt für Michael Frontzeck auch nicht gleich zusammen: "Man muss das alles relativieren." Deshalb wird Borussias Cheftrainer weiter von Spiel zu Spiel denken und warten, was in der Liga passiert. Irgendwann erfüllen sich dann vielleicht auch seine Träume.

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