Im Trainingslager der Borussia in Belek äußert sich der Sportdirektor über die Ziele der Vorbereitung in Belek, über die Zukunft von de Jong und Mlapa und wie er zum Weggang Ter Stegens steht.

Max Eberl beobachtet das Training.
Max Eberl beobachtet das Training.

Max Eberl beobachtet das Training.

Dieter Wiechmann

Max Eberl beobachtet das Training.

Frage: Borussia bereitet sich in Belek auf den Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga vor. Eine gute Entscheidung, dafür an die türkische Riviera zu reisen?

Max Eberl: Ja, von den ersten Tagen kann man nur begeistert sein. Wetter, Hotel, Trainingsplatz, Essen – die Möglichkeiten, die wir hier haben, sind optimal. Dazu keine Verletzten, die Trainingsarbeit ist top. Es läuft sehr gut.

Frage: Auf was wird es in diesen Tagen in der Türkei ankommen?

Eberl: Die Vorbereitung ist relativ kurz mit 16 Tagen – dann geht es schon gegen Bayern München weiter. Es gilt, die positive Stimmung aus der Hinrunde mitzunehmen. Wir haben aber auch im Bewusstsein, dass dieser Platz drei uns nicht geschenkt worden ist, sondern das Produkt harter Arbeit ist. Wir haben riesengroße Namen hinter uns, die natürlich alles daran setzen werden, uns in der Rückrunde wieder zu überholen. Mit diesem Bewusstsein müssen wir hier arbeiten.

Frage: Apropos harte Arbeit – sie als Sportdirektor dürften derzeit auch alle Hände voll zu tun haben. Schließlich laufen die Verträge von Arango, Stranzl, Daems, Brouwers, Heimeroth und Rupp aus. Dazu muss ein Nachfolger für Torhüter Marc-André ter Stegen gefunden werden. Luuk de Jong und Peniel Mlapa sind unzufrieden und denken offenbar über einen Abschied nach.

Eberl: Ja, es gibt viele Telefonate und Gespräche zu führen. Ob intern im Verein oder mit externen Beratern oder Verantwortlichen. Wir haben aber unsere Hausaufgaben schon erledigt, haben den Kader stehen und wollen ihn so auch in der Rückrunde behalten. Dass es unzufriedene Spieler gibt, für die auch Anfragen kommen, das ist klar, aber bislang ist noch kein Angebot dabei gewesen, mit dem alle drei Parteien leben können. Dazu müsste man in der Kürze der Zeit auch noch einen passenden Ersatz finden. Ja, es ist viel zu tun, mir bleibt aber auch die Zeit, hier selber etwas für die körperliche Fitness zu machen.

Frage: Es wird bis zum Rückrundenstart keine Änderungen mehr im Kader geben?

Eberl: Davon darf man ausgehen. Wir haben einen qualitativ guten Kader in der Breite, wir brauchen diese Spieler, wir haben sehr ehrgeizige Ziele. Da wird auch jeder Spieler noch seine Chance bekommen. Wir wollen mit diesem Kader in die Rückrunde gehen.

Frage: Das bedeutet, dass de Jong und Mlapa bleiben werden?

Eberl: Wir als Verein bauen noch auf Luuk. Natürlich ist es für einen Spieler, der bislang so eine Karriere hatte und momentan fast gar nicht zum Einsatz kommt, nicht einfach. Wenn der Junge nicht unzufrieden wäre, dann hätten wir ein größeres Problem. Dass er unzufrieden ist, ist vollkommen nachvollziehbar. Das Gleiche gilt für Peniel Mlapa, auch bei Havard Nordtveit, der ebenfalls wenig gespielt hat. Diese Spieler verhalten sich sehr professionell.

Frage: Was ist mit den Profis, deren Verträge auslaufen. Kapitän Filip Daems hat schon gesagt, er werde nicht um einen neuen Kontrakt betteln?

Eberl: Wir haben vor Heiligabend ein langes Gespräch mit ihm geführt. Haben ihm klipp und klar die Situation gesagt. Er braucht nicht zu betteln. Unser Kapitän hat super Leistung gezeigt. Die Spieler, bei denen die Verträge auslaufen, haben Priorität. Diese Spieler wie Martin Stranzl oder ein Roel Brouwers müssen jetzt auch nichts mehr beweisen, es geht um eine generelle Kader-Politik.

Frage: Gib es denn schon konkrete Tendenzen, wer dieser Spieler bleiben wird?

Eberl: Ich möchte nicht von Tendenzen sprechen. Der eine oder andere wird bleiben, dass man sich schweren Herzens auch von einem Spieler trennt, lässt sich nicht ausschließen. Ich verstehe auch, wenn die Menschen dann sagen, der muss doch bleiben, der hat sich verdient gemacht. Wir müssen aber neben dem menschlichen Aspekt auch immer den Erfolg des Vereins berücksichtigen.

Frage: Vor allem die Personalie Juan Arango elektrisiert die Anhänger. Viele Fans fordern, dass mit ihm auf jeden Fall verlängert werden soll. Sind da schon zu viele Emotionen im Spiel?

Eberl: Die Fans bleiben immer, alle anderen bleiben Passanten. Ich verstehe die Emotionalität. Juan hat sich hier einen unheimlichen Bonus erarbeitet. Wie er die viereinhalb Jahre bei uns bestritten hat, ist sensationell. Bei ihm ist der Stand wie bei allen anderen.

Frage: Haben Sie die Nachricht, dass Marc-André ter Stegen Borussia zum Saisonende verlassen wird, bereits verdaut? Barcelona soll ja angeblich sein neuer Klub werden.

Eberl: Für mich war das nicht erst am 6. Januar entschieden. Ich hatte mich schon in den Wochen zuvor allmählich damit abgefunden, als die Tendenz immer negativer wurde, dass er bleibt. Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Das weinende Auge, dass wir einen super Spieler verlieren. Ein Eigengewächs, das bei uns über viele Jahre hinweg ausgebildet worden ist. Aber wir reden hier über einen Verein, ohne dass ich etwas weiß, der zur Weltspitze gehört wie Bayern München. Diese beiden Mannschaften werden in den kommenden Jahren wahrscheinlich die Champions League dominieren. Wenn ein Spieler von solchen Vereinen umworben wird, dann kann man ihm nicht böse wenn, wenn er sich so entscheidet. Natürlich hätten wir ihn gerne noch mindestens zwei Jahre bei uns gesehen. Er hat seine Entscheidung gefällt, die ist zu respektieren.

Frage: Als Trost winkt Borussia ja auch eine satte Millionen-Ablöse für ter Stegen. In welchen Dimensionen bewegt man sich da? Ist da eine ähnliche Summe drin wie beispielsweise für Marco Reus?

Eberl: Ja, wir bewegen uns in Dimensionen, in denen es sich vielleicht ein oder zwei Klubs erlauben könnten, nein zu sagen, wenn es so wäre. Gladbach kann das nicht. Wir reden hier von zweistelligen Millionenbeträgen. Davon können wir vielleicht zwei oder drei qualitativ sehr gute Spieler dazugewinnen und unseren Kader wieder breiter aufstellen. Das ist auch eine Chance.

Frage: Wann wird ter Stegens neuer Klub bekanntgegeben?

Eberl: Keine Ahnung. Wir können damit rechnen, dass es im Sommer passieren wird.

Frage: Was ter Stegens möglichen Nachfolger betrifft – können Sie da schon Namen nennen?

Eberl: Wir haben Namen im Kopf, die wir erst einmal für uns abarbeiten wollen. Es ist nicht unsere Art und Weise, dass wir auf den Markt gehen und da fünf oder sechs Anfragen tätigen. Wir treffen unsere Entscheidungen – und dann werden wir aktiv versuchen, diesen Torhüter zu bekommen. Wir haben bereits einen Namen im Kopf.

Frage: Schaut sich Borussia da eher auf dem nationalen Markt um – oder gibt es auch internationale Kandidaten?

Eberl: Wir schauen überall. Frage: Sie betonen immer wieder, dass Platz drei nach der Hinrunde kein Grund ist, zufrieden zu sein. Eberl: Weil es so ist. Es sind ja noch 17 Spiele vor uns. Wir sind auch alle viel zu hungrig- Die Mannschaft, der Trainer, ich, alle Beteiligten. Wir haben noch vor einem Jahr in Rom gespielt – und dabei alle Blut geleckt. Wir wollen mehr. Wir wissen auch, wie kompliziert das wird.

Frage: Ist die Champions League nun das Ziel?

Eberl: Wir haben ein realistisches Ziel ausgegeben – die Einstellligkeit. Dreimal in Folge – das hat es bei Borussia zuletzt vor über 30 Jahren gelungen. Wir wollen den größtmöglichen Erfolg. Das Wort Europapokal möchte ich jetzt aber nicht in den Mund nehmen. Schauen Sie sich mal an, welche Vereine noch hinter uns stehen. Die wollen alle in den Europacup.

Frage: Ärgert es sie, wenn ein Konkurrent wie Wolfsburg, der selten das Stadion voll hat und in den vergangen Jahren auch nicht regelmäßig in Europa gespielt hat, dank des VW-Konzerns nun wohl einen Kevin de Bruyne für 23 Millionen Euro verpflichten kann?

Eberl: Das ist alles legitim, die Statuten geben das her, und wenn Wolfsburg so einen Großsponsor hat, dann muss man das so akzeptieren. Wir müssen versuchen, mit kreativen und cleveren Entscheidungen dagegenzuhalten.

Frage: Lucien Favre ist jüngst im „Kicker“ zum Trainer der Hinrunde gekürt worden. Das zeigt auch, wie gut bei Borussia insgesamt gearbeitet wird, oder?

Eberl: Ja. Lucien Favre passt sehr gut zu Borussia Mönchengladbach. Borussia passt aber auch sehr gut zu Lucien Favre. Der Spruch trifft völlig zu. Er ist ein ganz wichtiger Mosaikstein in dem ganzen Korsett. Diese Auszeichnung ist hochverdient. Das ist definitiv so. Für mich ist es daher auch selbstverständlich, dass wir nun den Vertrag mit ihm verlängern wollen.

Frage: Wann wollen Sie da zum Abschluss kommen?

Eberl: Wir haben da keinen Druck, das gehen wir in Ruhe an.

Frage: Sie sind vor einige Zeit mal mit Berti Vogts aneinandergerasselt. Nun haben Sie sich öffentlich ausgesöhnt. Ist damit alles geklärt?

Eberl: Das ist definitiv aus der Welt. Das mit Berti Vogts war für mich eine wichtige Geschichte. Weil das aus der Emotionalität heraus von beiden falsch war. Wir haben das bereinigt. Was auch sehr schön ist, weil er Borusse ist – wie ich. Wir haben die gleichen Ziele.

Frage: Der ehemalige Profi Thomas Hitzlsberger hat sich als homosexuell geoutet…

Eberl: Für mich ist das kein heikles Thema. Wenn bei uns in der Mannschaft ein Spieler homosexuell wäre, dann wäre das eben so. Dann ist das auch für die Mannschaft kein Problem. Die Diskussion muss eher geführt, was passiert, wenn dieser Spieler ins Stadion kommt und wie die Öffentlichkeit darauf reagiert. Wenn von den Medien sein Privatleben verfolgt wird. Unter den Fußballern ist das kein problematisches Thema. Ich finde es sehr gut, dass Thomas das gemacht hat.

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