Marco Reus verlässt den VfL – die Fans schwanken zwischen Enttäuschung und Verständnis. Die WZ hörte sich um.

Umfrage
Im Sommer hat’s sich ausgejubelt: Marco Reus (22) verlässt Borussia Mönchengladbach.

Im Sommer hat’s sich ausgejubelt: Marco Reus (22) verlässt Borussia Mönchengladbach.

Herbert Horbach (49) aus Heinsberg sieht es gelassen.

Ferdi Wilms (69) aus Wegberg ist enttäuscht.

Frank Wolters (37) hat Verständnis.

Wiechmann, Bild 1 von 4

Im Sommer hat’s sich ausgejubelt: Marco Reus (22) verlässt Borussia Mönchengladbach.

Mönchengladbach. „Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du, warum du ein Borusse bist.“ Vor wenigen Wochen erst haben die Macher bei Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach eine neue Werbekampagne nebst Slogan gestartet. In den dazugehörigen Videospots zählt Nationalspieler Marco Reus zu den Protagonisten, deren Torerfolge so viele VfL-Treue wie möglich animieren sollen, die Spiele im Borussia-Park zu besuchen.

Das Neustädter ebenfalls geht, erregt die Gemüter weniger

Reus hat während seines jüngsten Weihnachtsurlaubes in Dubai offenbar noch einmal selbst tief in den Spiegel geblickt – und erkannt, dass er eigentlich ein Dortmunder Borusse ist. Weshalb der 22-Jährige im Sommer dank einer Vertragsklausel für 17,5 Millionen Euro zum BVB wechselt. Rekordablöse – das viele Geld allerdings kann einige Fohlen-Fans nicht über den Verlust des bisherigen Publikumslieblings hinwegtrösten, wie die WZ bei einer Umfrage im Borussia-Park erfuhr.

Dass mit Roman Neustädter Reus‘ bester Kumpel ebenfalls den Abgang macht, erregt die Gemüter weniger. So sagt Ferdi Wilms (69) aus Wegberg: „Ich bin richtig enttäuscht, dass sich das Blatt so gewendet hat. Bislang hieß es immer, Marco Reus fühlt sich superwohl bei Borussia und will hier was erreichen. Ich hatte gedacht, dass eine Jahr bleibt er noch. Das Geld hat sicherlich eine große Rolle gespielt.“

Rainer Bangder (43) aus Viersen sagt: „Vor einer Woche hatten sich alle Aussagen so angehört, dass Reus bleibt. Nun diese Wende.“ Er habe Bedenken, dass die bisher tollen Leistungen der Fohlen-Elf von dieser Entscheidung unberührt bleiben. Der Schwalmtaler Heinz Biermanns (64) meint: „Klar bin ich ziemlich enttäuscht, das wird unsere Borussia erheblich schwächen. Reus ist für das Geld nicht zu ersetzen.“ Er betont aber: „Man muss den Jungen auch verstehen und ihn weiter fair behandeln. Mir ist lieber, er geht zu Dortmund als zum FC Bayern.“

Herbert Horbach (49) aus Heinsberg sagt: „Das ist der Gang der Dinge, ich kann mich darüber überhaupt nicht aufregen. Das ist doch inzwischen ganz normal.“ Frank (37) und Heinz (68) Wolters haben ebenfalls Verständnis für Reus. „Das ist das Geschäft, das Gesetz des Marktes. Bei solch einem Angebot wäre doch jeder von uns gewechselt.“ Allerdings haben beide VfL-Fans einen Wunsch: „Wenn wir im Pokal weiterkommen und im Finale gegen Dortmund spielen müssen, soll Reus bitte keinen Elfer schießen.“

Wegen des Sturms hat sich der Abflug von Borussia Mönchengladbach ins Trainingslager in der Türkei verspätet. 27 Spieler machten sich auf den Weg – nicht dabei: Raúl Bobadilla. Offiziell heißt es „wegen muskulärer Probleme“.

Weniger fair hingegen gehen eine Reihe enttäuschter Anhänger in den Internet-Foren mit Reus um. So werden Vergleiche mit Heiko Herrlich gezogen, der 1995, nach dem Pokalsieg, für zwölf Millionen D-Mark von Gladbach zu Dortmund wechselte. „Reus und Herrlich – Heuchler und Verräter“, heißt es beispielsweise. In anderen Kommentaren wird Reus vorgeworfen, er habe weder Stolz noch Ehre. Hintergrund: Während seiner Jugendzeit spielte er schon einmal für den BVB, wurde dort aber für Bundesliga-untauglich eingestuft und abgeschoben. Nun kehrt er im Sommer als Star zurück in seine Heimatstadt Dortmund.

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