Borussia: Der Meistertrainer spekuliert nach dem 3:1 gegen Gladbach auf einen Ausrutscher der Bayern in Gladbach.

Gelsenkirchen. Roel Brouwers fühlte sich nach dem Abpfiff total geschlaucht und obendrein ungerecht behandelt. "Alle haben die Fouls von Kuranyi vor und nach der Ecke gesehen, nur der Schiedsrichter nicht", erregte sich Gladbachs Abwehrspieler. Brouwers’ Zorn war nachvollziehbar, weil jene kniffligen Torraumszenen beim Stand von 1:1 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff vorentscheidenden Charakter hatten und Schalke 04 letztlich auf die Siegerstraße brachten.

Kuranyi schubste Brouwers vor dem 2:1 beiseite und leitete mit einem Kopfball die Führung der Königsblauen durch Farfan ein: Er staubte nach einer Blitzreaktion von Borussen-Torwart Bailly eiskalt ab. Gleich nach dem Seitenwechsel sorgte Ivan Rakitic, der mit einem tollen Distanzschuss bereits die 1:0-Führung erzielt hatte, mit einem verwandelten Elfmeter für den 3:1-Endstand.

Raul Bobadilla zeigt auf Schalke, was in ihm steckt

Borussia Mönchengladbach blieb zwar damit im neunten Auswärtsspiel in Folge ohne Sieg, aber die Mannschaft von Michael Frontzeck hinterließ gleichwohl einen nachhaltigen Eindruck. Neben der famosen Einzelleistung von Raul Bobadilla zum 1:1-Ausgleich, als der bullige Stürmer gleich drei Schalker inklusive Keeper Manuel Neuer auf bemerkenswerte Weise abschüttelte, war es der versierte fußballerische Stil, mit dem der Gast vom Niederrhein den Titelanwärter im ersten Abschnitt zeitweise beherrscht hatte.

Dessen Cheftrainer Felix Magath heizte den Liga-Endspurt dann auch auf seine ganz spezielle Art an. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Bayern noch Feldern lassen, und so, wie die Gladbacher hier aufgetreten sind, könnte das schon am Samstag passieren." Magath machte nach dem Ende der kleinen Durststrecke seiner "Kumpel- und Malocher-Mannschaft" (zwei Niederlagen in Folge) erstmals die Chance auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit Schalke 04 öffentlich - und spekuliert auf einen Ausrutscher der Bayern im Borussia-Park.

Ein Straucheln seines Teams in den verbleibenden 270 Bundesligaminuten schließt er kategorisch aus: "Wir holen neun Punkte." Ganz so abwegig ist die Vorstellung Magaths angesichts der Doppel-Belastung des Rekordmeisters - er spielt am Mittwoch in der Cham-pions-League gegen Lyon - nicht. Andererseits sind Bayerns Spaßfußballer momentan derart gut drauf, dass ihnen sogar das Triple, also Meisterschaft, Pokalsieg und Gewinn der Champions-League - zuzutrauen ist.

Der VfL Borussia kann das Treiben an der Spitze der Liga von seiner Warte aus betrachten, mithin Gelassenheit an den Tag legen. Dass Dante, Reus, Arango und Co allerdings bestrebt sein werden, den Münchenern am Samstag die "Lederhosen auszuziehen", bedarf wohl keiner Frage. "Ein Sieg gegen die Bayern ist wohl für jeden Profi etwas Besonderes, etwas Großes. Ich würde einen solchen Tag gerne mal erleben", sagt Kapitän Filip Daems.

Immerhin gelang dies dem VfL seit der Jahrtausendwende zweimal (1:0/2001 unter Trainer Hans Meyer und 2:0/2004 unter Horst Köppel). Aber von den Akteuren dieser Zeit steht lediglich noch Oliver Neuville im Kader, dessen Karriere im Borussia-Park zu Ende geht.

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