Erst üben sich die Gladbacher Anhänger in stillem Protest, dann bringt die Pleite gegen RB das Stadion zum Verstummen.

Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig
Borussia Mönchengladbach verliert zum ersten Mal eine Bundesliga-Partie unter dem neuen Cheftrainer.

Borussia Mönchengladbach verliert zum ersten Mal eine Bundesliga-Partie unter dem neuen Cheftrainer.

Federico Gambarini

Borussia Mönchengladbach verliert zum ersten Mal eine Bundesliga-Partie unter dem neuen Cheftrainer.

Mönchengladbach. Am Anfang herrschte Stille, dann ertönten Pfiffe gegen den Gast aus Leipzig. Schließlich gab es seitens der Gladbacher Anhänger doch die ersten Anstalten, sich um ihr eigenes Team zu kümmern. Der anfängliche „leise Protest“ im Nordsektor des Borussia-Parks fiel den Fans der niederrheinischen Borussia offensichtlich schwer. Und als der Borussia-Park nach dem Ende der Aktion allmählich Betriebstemperatur erreichte, fiel wie aus heiterem Himmel die 1:0-Führung der sächsischen Gäste durch Emil Forsberg (31). Ein Schock, der sogleich wieder für lähmendes Entsetzen im Fanblock sorgte.

Borussia Mönchengladbach verlor zum ersten Mal eine Bundesliga-Partie unter dem neuen Cheftrainer Dieter Hecking und tritt nach dem 1:2 im Tabellenmittelfeld erst einmal auf der Stelle. „Vielleicht wäre ein Unentschieden gerechter gewesen. Aber Leipzig war im Abschluss effektiver“, sagte Hecking.

Obwohl sich am Sonntag fast alles um das erste Auswärtsspiel von RB Leipzig nach den Vorfällen in Dortmund zu drehen schien, ging der Tag ohne das Thema Max Eberl und sein Techtelmechtel mit dem FC Bayern nicht zu Ende. Gladbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof setzt dem Sportdirektor nun ein Ultimatum. „Es nervt inzwischen. Wir wollen bis Ende der Woche Klarheit“, sagte Vizepräsident Rainer Bonhof in einem Fernsehinterview. Hört sich nach Ultimatum an.

Geschmacklose Spruchbänder auch in Gladbach

Nach den schlimmen Vorkommnissen in Dortmund vor zwei Wochen war die Partie von eher harmloser Natur. Na ja: Ganz normal verlief die Begegnung auch wieder nicht. Der Traditionsverein aus Mönchengladbach hatte sich etwas einfallen lassen, um dem Emporkömmling aus Sachsen seinen Standpunkt zum umstrittenen Leipziger Geschäftsmodell klar zu machen. In Anlehnung an das Gründungsjahr 1900 verzichtete die Gladbacher Fanszene 19 Minuten lang weitgehend auf Fangesänge und Anfeuerungsrufe. Ein paar geschmacklose Spruchbänder durften auch nicht fehlen. Ungeachtet dessen scheint der Businessplan des Retortenklubs aufzugehen. Schließlich ist der von dem Energiedrink-Hersteller Red Bull 2009 gegründete Verein ganz oben angekommen und nach dem 2:1-Erfolg von Sonntag nur noch fünf Punkte hinter den Bayern.

Sommer (3), Jantschke (4), Christensen (3), Vestergaard (3), Wendt (4), Kramer (3), Dahoud (4), Hazard (4,5), Johnson (3), Hahn (4), Stindl (3,5), Herrmann (4), Hofmann (4)

rb leipzig Gulacsi (2), Schmitz (3), Ilsanker (2,5), Compper (3,5), Halstenberg (4), Demme (4), Keita (3,5), Sabitzer (3), Forsberg (1,5), Burke (4,5), Werner (2)

„Wir sind überglücklich, dass wir in Gladbach gewonnen haben“, sagte Torschütze Emil Forsberg. „Das war ein perfekter Nachmittag.“ Drei Tage nach der 0:1-Niederlage in der Europa-League gegen AC Florenz startete die Fohlen-Elf vor mehr als 51 000 Zuschauern furios. Bereits nach zwei Minuten stürmte Fabian Johnson allein auf das gegnerische Tor zu. Doch der US-Amerikaner wurde zurückgepfiffen: Johnson stand knapp im Abseits. Wenig später übersah Thorgan Hazard zwei besser postierte Mitspieler und knallte den Ball ans Außennetz. Apropos Hazard: Der Belgier scheiterte kurz vor der Pause mit einem Foulelfmeter an Leipzigs Schlussmann Peter Gulacsi. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gäste bereits in Führung gegangen.

Leipzig zeigte den gepflegteren Fußball, spielte geschickter und war vor dem Tor immer gefährlich. In der 55. Minute war es der überragende Timo Werner, der nach Forsbergs Vorarbeit Gladbachs Keeper Yann Sommer erneut überlistete. Danach machte die Borussia Druck ohne Ende, doch in der hektischen Schlussphase gelang Yannik Vestergaard mit einem tollen Kopfball nur noch der Anschlusstreffer. Und die Stimmung war wieder im Keller.

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