HSV-Profi
Marcell Jansen. Foto: Axel Heimken

Marcell Jansen. Foto: Axel Heimken

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Marcell Jansen. Foto: Axel Heimken

Düsseldorf. Eigengewächse zu halten, ist geradezu eine Pflicht, wenn es um die DNA eines Klubs geht, hat Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl einmal gesagt. Aber wenn die großen Klubs rufen, dann sei man nahezu machtlos. So angelte sich anno 2007 Fußball-Rekordmeister FC Bayern München kurzerhand Gladbachs Linksfuß Marcell Jansen, der unter Eberl in der Fohlen-Akademie zu einem talentierten Jungprofi herangereift war. Immerhin kassierte der Niederrheinklub rund elf Millionen Euro und erzielte damit den seinerzeit größten Transfergewinn der Vereinsgeschichte. Nur acht Jahre später beendet der 45-malige Nationalspieler und „Glabbacher Jung“ völlig überraschend seine Laufbahn beim Hamburger SV, bei dem er seit 2008 unter Vertrag stand.

Karriereende mit 29. Im besten Fußballalter aufhören - was hat ihn dazu bewogen? Jansens Entschluss, das Kapitel Fußball zu beenden, stand offenbar schon länger fest. „Das ist eine längere Geschichte und nichts Spontanes“, sagte Gerd vom Bruch dieser Zeitung. Der Berater des 29-jährigen ehemaligen Nationalspielers kennt Jansen wie aus dem Effeff. „Marcel ist einer, der nie eindimensional gedacht und sich immer anderweitig beschäftigt hat. Man muss die jungen Leute lassen, er wird schon den Hebel an der richtigen Stelle ansetzen. Er hat viele Projekte im Kopf“, sagt vom Bruch, der seinen Klienten seit dessen 17. Lebensjahr betreut. Ob das neue Betätigungsfeld mit Mode, Gesundheit oder Internet zu tun haben wird, ist noch offen. Gegenüber einem Online-Portal gestand Jansen: „Der Schritt ist nicht einfach. Es gab tolle Angebote. Aber für mich ist Weitermachen keine Option. Ich kann nicht zwei, drei Jahre noch irgendwo spielen, wo ich nicht zu 100 Prozent hinter stehe.“

Jansen gehörte zu den Großverdienern im Team der Hanseaten (angeblich rund zwei Millionen Euro pro Jahr). Seine Leistungen im Abstiegskampf der letzten Jahren waren dem Hamburger SV wohl zu schwankend, zumal Jansens Körper immer wieder streikte. Der HSV hatte seinen Vertrag nicht mehr verlängert. Es sollen durchaus attraktive Vereine gegeben haben, die Interesse signalisierten: wie etwa der FC Everton oder Benfica Lissabon. Doch Jansen ging auf die Offerten nicht ein. Immerhin hat er in elf Jahren Bundesliga gutes Geld verdient, kann es sich von daher leisten, jetzt einen großen Schnitt zu machen und seine neue Karriere in Angriff zu nehmen: „Ich will niemandem etwas vorspielen, und mein Gefühl sagt, dass drei Vereine in meiner Karriere reichen.“

Beim SV Lürrip, Jansens Heimatverein, war man von der Nachricht am Mittwoch gar nicht so überrascht. Andreas Zimmermann, Sportlicher Leiter des Klubs: „Ich habe so etwas geahnt. Jetzt sehen wir Marcell hoffentlich noch öfter auf unserer Anlage.“ Mit einer großzügigen Spende hat Jansen vor ein paar Jahren den Schwarz-Weißen zu einem Klubhaus verholfen. Im großen Saal des Fußball-Bezirksligisten hängt das Konterfei Jansens in Originalgröße. Im Trikot der Nationalmannschaft.

Ob Marcell Jansen demnächst auf neuem Terrain durchstartet und von sich hören lässt oder ob er plötzlich einen Rückzieher macht, wird sich zeigen. Björn Borg, einer der besten Tennisspieler aller Zeiten, verkündete einst mit 26 Jahren seinen Rücktritt, um dann wenig später doch wieder auf die große Bühne zurück zu kehren. Allerdings trat der Schwede danach nie wieder groß in Erscheinung.

Marcell Jansen bestritt von 2005 bis 2015 insgesamt 242 Bundesligaspiele für Borussia Mönchengladbach, Bayern München und den Hamburger SV, hinzu kamen 45 Länderspiele für Deutschland. Jansen ist ledig. Seit einiger Zeit soll er mit dem Hamburger Model Paulina Iden liiert sein.

Am 5. März 2014, im letzten Spiel vor der Kadernominierung zur Weltmeisterschaft 2014 gegen die Auswahl Chiles, lief er in der Startelf auf. In einem Zweikampf trat ihm Mauricio Isla auf den Knöchel. Dabei riss sich Jansen das Außenband im rechten Sprunggelenk: der Traum von einer erneuten WM-Teilnahme endete abrupt.

Marcell Jansen ist Mitglied im Kuratorium der Deutschen Kinderkrebsnachsorge.

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