Gladbach-Trainer
Dieter Hecking hatte ein Angebot aus China. Foto: Guido Kirchner

Dieter Hecking hatte ein Angebot aus China. Foto: Guido Kirchner

dpa

Dieter Hecking hatte ein Angebot aus China. Foto: Guido Kirchner

Marbella (dpa) - Die Dreier-Abwehrreihe ist nicht abgeschafft, die Stammplätze sind noch nicht vergeben: Mönchengladbachs neuer Trainer Dieter Hecking hat sich nach den ersten Trainingseinheiten und Gesprächen im Trainingslager in Marbella ein umfassendes Bild vom Zustand seines Teams gemacht.

«Die Mannschaft sucht selbst nach Stabilität, das hört man aus den Gesprächen immer wieder raus», sagte der Borussia-Chefcoach dem Fachmagazin «kicker». Aus den ersten Testspielen am Dienstag gegen die Würzburger Kickers (14.00 Uhr) und den SV Zulte Waregem (17.00 Uhr) will das Trainerteam des Fußball-Bundesligisten weitere Erkenntnisse sammeln.

Dabei wird Hecking noch keine Stammplätze vergeben, dafür sei die Hinrunde nicht gut genug gewesen, meinte Borussias Trainer. Auch die Systemfrage ist noch nicht abschließend geklärt. Unter Vorgänger André Schubert hat die Mannschaft häufiger mit Dreier-Abwehrreihe gespielt. Dieses System schließt auch Hecking nicht aus, obwohl er grundsätzlich eine 4-2-3-1-Formation bevorzugt.

«Es war ja nicht alles schlecht. Ich werde der Mannschaft nichts auferlegen, das sie nicht spielen möchte, und deshalb wird es nicht zwingend unser System für die Rückrunde», erklärte Hecking. In den ersten Testspielen will er es mit einer 3-4-1-2-Formation versuchen. Mit Neuzugang Timothée Kolodziejczak gibt es eine zusätzliche personelle Möglichkeit im Defensivverbund. «Er muss sich noch an die andere Spielweise im Vergleich zu Spanien gewöhnen. Ich hoffe jedoch, dass er uns von Beginn an helfen kann», meinte Hecking.

Bei den Spielern trifft der neue Chefcoach offensichtlich den richtigen Ton. «Ein bisschen haben wir den klassischen Trainerwechsel-Effekt, den man jetzt spürt. Es ist wieder Zug drin, da legt Dieter Hecking momentan sicher auch ein besonderes Augenmerk drauf. Im letzten Monat war alles etwas schleppend», befand Mittelfeldspieler Christoph Kramer, der nach seiner Knöchelverletzung wieder ins Training eingestiegen ist.

Auch Torhüter Yann Sommer hofft auf die Wende unter neuer sportlicher Leitung. «Dieter Hecking ist ein Trainer, der sehr viel Wert auf Details legt. Jetzt müssen wir sehen, dass wir uns Selbstvertrauen und Siegermentalität zurückholen», meinte der Schweizer, der selbst eine schwache Hinserie spielte.

Trotz der personellen Probleme mit derzeit noch fünf verletzten Profis ist Hecking von der Stärke des Kaders überzeugt. «Ich habe kein Problem, mit diesen Spielern in die Rückrunde zu gehen. Generell traue ich dem Kader zu, dass er in der Rückrunde deutlich positivere Resultate erzielt», sagte der Coach, der endlich auch mit dem Sommer-Neuzugang Mamadou Doucouré planen kann. Der 18-Jährige konnte nach einem Muskelbündelriss im Trainingslager erstmals mit der Mannschaft trainieren.

Hecking hat vor seinem Wechsel nach Mönchengladbach nach eigenen Angaben ein lukratives Angebot aus China ausgeschlagen. «Aus rein finanzieller Sicht hätte ich sofort nach China gehen müssen. Das kommt für mich aber nicht infrage», sagte Hecking dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die jüngsten Wechsel zahlreicher Profis nach China betrachtet der 52-Jährige mit großer Skepsis. «In China lauert für die Bundesliga eine große Gefahr. Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn junge Spieler nach China gehen. Das ist sportlich ein Rückschritt. Diesen Profis geht es wohl vor allem ums Geld», sagte Hecking.

Zudem kritisierte Hecking in dem Interview den Umgang mit Trainern im Profifußball. «Wir Trainer sind immer mehr Einzelkämpfer. Sobald es sportlich im Verein nicht mehr läuft, bist du die ärmste Sau! Durch die Schnelllebigkeit im Fußball nimmt der Druck für uns zu. Als Trainer hast du immer Druck auf dem Kessel», sagte Hecking.

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