Befreit
Die Spieler von Hannover 96 sind nach dem Trainerwechsel viel gelöster. Foto: Peter Steffen

Die Spieler von Hannover 96 sind nach dem Trainerwechsel viel gelöster. Foto: Peter Steffen

dpa

Die Spieler von Hannover 96 sind nach dem Trainerwechsel viel gelöster. Foto: Peter Steffen

Hannover (dpa) - Tayfun Korkut war längst in den Katakomben verschwunden, als seine Spieler auf dem Rasen tanzten. Geradezu euphorisch waren die Fans und die Profis von Hannover 96 nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel, sie genossen das 3:1 (0:0) gegen Borussia Mönchengladbach in vollen Zügen.

Nüchtern und sachlich blieb hingegen der neue Trainer, der bis vor kurzem in der Fußball-Bundesliga noch völlig unbekannt war. Hannover 96 wirkt unter Korkut wie verwandelt. «Es ist ein schönes Gefühl, dass die Fans uns jetzt wieder unterstützen», fand Ron-Robert Zieler und benannte damit eine der vielen Änderungen seit der Entlassung von Mirko Slomka. Alle im Verein sind bemüht, verbal nicht nachzutreten. Doch selten wirkte ein Trainerwechsel so befreiend und belebend wie dieser - das ist auch in jedem zweiten Satz zu hören.

«Man kann sehen, dass mit der Mannschaft etwas passiert ist», kommentierte Sportdirektor Dirk Dufner: «Es ist ein Ruck durch sie gegangen.» Der Manager ist bei der Verpflichtung eines Neulings ein sehr hohes Risiko eingegangen und darf sich nun bestätigt fühlen: «Man sieht, was mit dieser Mannschaft möglich ist.»

Es gehört zu den Kuriositäten, dass Korkuts angekündigte Fußballphilosophie gar nicht greift. «Viel Ballbesitz» hatte der Deutsch-Türke in der kurzen Rückrundenvorbereitung gepredigt. Tatsächlich hatte Hannover bei den beiden Siegen gegen Wolfsburg und Gladbach nicht einmal je 40 Prozent Ballbesitz. Kurios ist auch, dass 96 ausgerechnet mit Anleihen des Slomka-Fußballs wieder gewinnt: mit dem schnellem Umschaltspiel aus erfolgreichen Tagen, den «brutalen Kontern», wie Borussia-Verteidiger Tony Jantschke es nannte.

Natürlich hat Korkut einiges verändert. Der Coach setzt in der Defensive etwa auf zwei kompakte Vierer-Reihen und die Stürmer Artjoms Rudnevs (57. Minute) und Mame Diouf (82./90.), die beide gegen Gladbach trafen. «Sie sind brandgefährlich», lobte Zieler, der nur ein Tor von Peniel Mlapa (84.) kassierte. Der Nationalkeeper betonte aber vor allem: «Der Schlüssel ist, dass wir kompakt stehen.»

Dafür laufen die Hannoveraner wieder. War 96 in der Hinrunde unter Slomka noch die lauffaulste Mannschaft der Liga, rannte das Team nun bei beiden Siegen mehr Kilometer als der Gegner. «Sie sind enorm viel gelaufen», stellte auch Gladbachs Trainer Lucien Favre nach dem «verdienten Sieg» der Gastgeber anerkennend fest. Favres Team erlebte im Gegensatz zu Hannover einen völlig vermasselten Rückrunden-Start und blieb insgesamt schon zum vierten Mal nacheinander ohne Sieg.

96-Keeper Zieler betonte: «Wir sind momentan wieder eine Einheit. Das sieht man, wie alle arbeiten und rennen.» Das Team schaffte es sogar, den erst am Donnerstag verpflichteten Frantisek Rajtoral zu integrieren, der als Rechtsverteidiger ein starkes Debüt feierte.

Zu den immer wieder benutzten Lieblingswörtern von Korkut gehört «Solidarität». Die Spieler setzen das auf dem Rasen vorbildlich um. Der Coach hat mit dieser Ansprache nicht nur das zuletzt brachliegende Potenzial der Spieler wieder geweckt, sondern auch HSV-Leihgabe Rudnevs wiederbelebt. Während sein altes Team dem Abstieg entgegentaumelt, traf der in Hamburg ausgemusterte Profi bei seinem zweiten 96-Einsatz bereits zum zweiten Mal.

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