Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen
Jannik Vestergaard (hier ein Bild aus dem Hinspiel) war nach der Pause (58. Minute) bei einem unglücklichen Zusammenprall mit dem Leverkusener Kai Havertz mit dem Fuß umgeknickt.

Jannik Vestergaard (hier ein Bild aus dem Hinspiel) war nach der Pause (58. Minute) bei einem unglücklichen Zusammenprall mit dem Leverkusener Kai Havertz mit dem Fuß umgeknickt.

Marius Becker

Jannik Vestergaard (hier ein Bild aus dem Hinspiel) war nach der Pause (58. Minute) bei einem unglücklichen Zusammenprall mit dem Leverkusener Kai Havertz mit dem Fuß umgeknickt.

Schon bei der Pressekonferenz am Samstagabend hatte Trainer Dieter Hecking ein ungutes Gefühl: „Jannik muss zur MRT-Untersuchung.“ Am Sonntag bestätigte sich nun der Verdacht einer schlimmeren Verletzung. Abwehrspieler Vestergaard erlitt bei der 0:2-Niederlage in Leverkusen einen Mittelfußbruch und fällt für den Rest der Saison aus. Muskelverletzungen erlitten obendrein Christoph Kramer, Reece Oxford und Vincenzo Grifo, die bis auf Weiteres nicht zur Verfügung stehen. Damit spitzt sich die Personallage bei Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach dramatisch zu (zwölf verletzte Profis). Cheftrainer Dieter Hecking, dessen Mannschaft in der Liga zudem abfällt und im Kampf um die europäischen Plätze merklich an Boden verliert, stehen schwere Wochen bevor.

Jannik Vestergaard, der wahrscheinlich mit Dänemark auch die WM in Russland vergessen kann, war nach der Pause (58. Minute) bei einem unglücklichen Zusammenprall mit dem Leverkusener Kai Havertz mit dem Fuß umgeknickt und dann nach kurzer Behandlungspause aufs Spielfeld zurückgekehrt. Bei Bayer 04 hatte sich Vestergaard ansonsten mit Wucht und Vehemenz zahlreicher Angriffe der Gastgeber erwehren müssen. Freilich nicht immer mit Erfolg, und so gab es am Ende für die Fohlen in Leverkusen keinen Blumentopf zu gewinnen.

Frust bei der Borussia sitzt tief

Die rund 4000 Anhänger der Gladbacher waren beim Abpfiff in der nicht ausverkauften BayArena restlos bedient. Nach der sechsten Niederlage in der Rückrunde machten sie ihrer EnttäuschuFng lautstark Luft und stimmten ein unüberhörbares Pfeifkonzert an, das die Borussen bei ihrem schleppenden Gang in die Kabine begleitete. Der Frust bei Borussia Mönchengladbach sitzt zweifellos tief, das Unternehmen „Europa“ hängt an einem seidenen Faden, und angesichts der neuen Hiobsbotschaft fällt es schwer, an eine Wende zu glauben. Vestergaards Partner in der Innenverteidigung, Matthias Ginter, Nationalspieler mit WM-Ambitionen, fehlte am Bayer-Kreuz in einigen Situationen die Orientierung im Strafraum. Beim Führungstor des Champions-League-Anwärters war der Gladbacher das letzte Glied in einer Kette von Nachlässigkeiten, die in der laxen Einstellung im Mittelfeld ihren Ursprung hatte.

Dann ließ Gladbachs Verteidiger Elvedi den quirligen Bailey dribbeln und flanken, verlor Tony Jantschke das Kopfball-Duell gegen Volland und verpasste es schließlich Ginter, den lauernden Alario zu stellen. Erst zappelte Ginter im Netz, dann der Ball (39. Minute). Das leidenschaftlich initiierte Führungstor der Heimmannschaft war trotz der Gladbacher Fehler letztendlich auch starker Ausdruck einer selbstbewussten, zweikampfstarken und spielfreudigen Bayer-Elf, so dass sich zwischen beiden Teams zeitweise beinahe ein Klassenunterschied offenbarte.

Dieter Hecking, glückloser Trainer der Gladbacher, erkannte den Leverkusener Erfolg neidlos an. „Der Sieg der Leverkusener ist verdient. Sie waren besser, wir wiederum nicht robust genug und oft nur zweiter Sieger. Im Moment durchlaufen wir eine schwierige Phase, keine Frage; und um nach Europa zu kommen, müssen wir anders auftreten.“ Dabei will Hecking keineswegs alles auf die zahlreichen Verletzungen schieben: „Das wäre zu einfach. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und versuchen, es am Samstag gegen Hoffenheim besser zu machen. Es ist noch alles drin.“

Unabhängig vom Verletzungs-Dilemma wird sich die Führungs-Crew des Traditionsvereins vom Niederrhein grundsätzlich überlegen müssen, wie sie künftig die Balance hinkriegt, einerseits ihrer Philosophie gerecht zu werden, auf junge Spieler zu setzen, zum anderen Erfolg verheißende Investitionen zu tätigen, um die Chance auf einen Champions-League-Platz zu vergrößern. Was wiederum das Klub-Konto erheblich belastete.

Apropos Verletzungen: Bei Borussias Gegner Bayer 04 waren alle Profis an Bord, und wohl dem, der dann wie Trainer Heiko Herrlich einen solch jungen, hungrigen und begabten Profi wie Julian Brandt auf der Bank hat, der, kaum rein gekommen, gleich für Furore sorgte und schließlich mit dem zweiten Treffer kurz vor Schluss das kleine rheinische Derby entschied: Brandt nutzte einen Fehler von Jonas Hofmann eiskalt. Zuvor war es den harmlosen Gladbachern wenigstens ein schlappes Viertelstündchen gelungen, zum Unterhaltungswert der Partie beizutragen und ihren Gegner ein paar Mal ein bisschen zu beschäftigen. So landete eine gefühlvolle Flanke von Hofmann bei Josip Drmic, der damit allerdings wenig anzufangen wusste, und schließlich prüfte Bayers Linksverteidiger Wendell seinen eigenen Torwart Bernd Leno, der den Ball reflexartig über die Latte lenkte.

Ansonsten spielte nur Bayer, war pfiffig und dynamisch, und Trainer Heiko Herrlich lobte sein Team ausdrücklich: „Das war großartig.“ Derweil klagte sein Gegenüber Dieter Hecking laut und nannte zwei Spieler beim Namen: „Es läuft einfach nicht gut. Insbesondere bei Thorgan nicht und Lars.“ Gemeint sind Thorgan Hazard und Lars Stindl, zwei Schlüsselspieler von Borussia Mönchengladbach, auf deren Qualität das Team auf der Zielgeraden der Liga und jetzt erst recht dringend angewiesen ist.

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