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Verteidiger Tony Jantschke könnte der nächste Gladbacher Star aus den eigenen Reihen werden.

Verteidiger Tony Jantschke könnte der nächste Gladbacher Star aus den eigenen Reihen werden.

dpa

Verteidiger Tony Jantschke könnte der nächste Gladbacher Star aus den eigenen Reihen werden.

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbachs Verteidiger Tony Jantschke hat sich zum Stammspieler in der besten Abwehr Europas gemausert. Im Interview mit WZ-Sportredakteur Stephan Esser spricht der 21-Jährige über seinen Weg zum Erfolg, über die Mannschaft und über Trainer Lucien Favre.

Herr Jantschke, was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Fußballprofi wären?

Tony Jantschke: Ich habe mich immer für Jura interessiert oder irgendetwas mit Immobilien. In einer der beiden Branchen wäre ich gelandet.

Wir glauben, Sie hätten es auch als Wahrsager weit gebracht.

Jantschke: Was? Daran glaube ich nicht so richtig.

Sie haben vor einem Jahr in einem Interview gesagt, „Ich glaube, meine Zeit wird kommen“. Drei Tage später standen Sie in der Startelf gegen Hoffenheim und haben seither in 31 Spielen in Folge gerade mal acht Spielminuten verpasst.

Jantschke: Naja, bezogen auf mich hat es ja tatsächlich gestimmt.

Wie kam das Gefühl bei Ihnen denn auf, dass Sie an der Reihe sind?

Jantschke: Als Lucien Favre kam, hat er entschieden, dass ich bei den Amateuren spielen solle. Da dachte ich: Oh, mal sehen, was noch kommt. Im Training hat er mich vom ersten Tag an immer motiviert, mit mir gesprochen. Dass ich dann so schnell in die Mannschaft gerückt bin, wusste ich damals wirklich nicht. Ich hatte bei ihm aber immer das Gefühl, dass Arbeit belohnt wird. Wenn du hart arbeitest, deine Tugenden einsetzt, wirst du irgendwann dafür belohnt.

Was sind denn Ihre Tugenden?

Jantschke: Als erstes mein ruhiges Spiel, dass ich mich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Selbst wenn ich einen Fehler mache, der zu einem Tor führen sollte. Ich mache mein Ding. Bei der Benotung liege ich immer zwischen zwei und drei.

Jantschke, der Fehlervermeider, der Problemlöser auf dem Rasen.

Jantschke: Ich hatte schon einige Trainer, die nach der Devise verfahren sind: Das Einfache ist das Geniale. Und so ist es ja oft. Du brauchts immer Spieler, die sich aufs Wesentliche konzentrieren, ihren Stil runterspielen.

Was und wann hat Favre Ihnen denn vor dem ersten Einsatz gegen Hoffenheim gesagt, dass Sie spielen?

Jantschke: Das hat sich unter der Woche angedeutet. Das spürst Du als Spieler. Erfahren habe ich es erst am Spieltag in der Mannschaftssitzung.

Beschreiben Sie doch bitte mal, was Trainer Favre ausmacht.

Jantschke: Seine Detail-Besessenheit ist das prägnanteste Merkmal. Er sieht Sachen, darüber hast Du als Spieler noch nie nachgedacht. Mit welchem Bein verteidigst du am besten, wann bewegt man sich, wenn der Gegner so oder eben anders steht. Das scheinen Kleinigkeiten zu sein, in der Summe aber machen sie viel aus.

Heißt das, die Mannschaft hat grenzloses Vertrauen in Favre, nach dem Motto: Für den gehen wir auch durchs Feuer?

Jantschke: Ja, so etwas hat sich entwickelt. Der Abstiegskampf, dann die Relegation, der Sieg in Bayern und dann beginnt der Prozess, bei dem du merkst: Mensch, das fängt ja an zu laufen. So etwas schweißt zusammen.

Die Fans sind begeistert, plakatieren und träumen vom Double.

Jantschke: Wir denken von Spiel zu Spiel. Das ist kein Gerede, das ist unsere Philosophie. Mit der sind wir gut gefahren. Und das geht so weiter. Ich denke jetzt nur an Lautern. Das wird ein brutal schweres Spiel.

Aber den 12. Mai halten Sie sich noch frei?

Jantschke: Das müsste das Pokalfinale sein. Ich denke, dass der Verein uns da noch nicht freigibt.

Sie waren 2008 schon mal da.

Jantschke: Mit der A-Jugend haben wir damals in Babelsberg am Tag vor dem Finale unser Endspiel gehabt, leider 0:3 gegen Leverkusen verloren. Samstags waren wir dann beim Finale eingeladen. Das war richtig beeindruckend. Bis wir jetzt dahinkommen, haben wir gegen die Bayern aber noch einen richtigen Brocken vor der Brust.

Fragt man nach den Gründen der Erfolgsgeschichte um die Borussia, wird immer ein Argument genannt: Jeder weiß, was er zu tun hat. Was hat Tony Jantschke zu tun?

Jantschke: Sicher zu spielen. Das ist das A und O. Und wenn mal etwas daneben geht, dem anderen helfen. So, als ich gegen Dortmund einen katastrophalen Fehlpass auf Kagawa gespielt habe und Martin Stranzl sofort da war und das ausgebügelt hat.

Und so sind Sie binnen einen Jahres der einzige Deutsche in Europas bester Abwehr einer Vereinsmannschaft. Macht Sie das stolz oder auch wehmütig?

Jantschke: Warum wehmütig?

Weil Jogi Löw sich noch nicht bei Ihnen gemeldet hat.

Jantschke: Nein. Das käme auch viel zu früh. Ich sehe mich da primär nicht in der A-Mannschaft. Ich konzentriere mich auf die U 21.

Wobei Ihr 90er Jahrgang ein guter ist: Kroos, Schürrle, Holtby, Gündogan. Sie alle haben den Sprung schon geschafft. Die Nationalmannschaft ist aber doch auch Ihr Ziel?

Jantschke: Nein, als Ziel würde ich das nicht bezeichnen. Ich bin ein recht bescheidener Junge. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Natürlich ist der Traum eines jeden Fußballers, für sein Land zu spielen. Ich habe es bisher immer geschafft - bis jetzt zur U 21. Und wenn der letzte Sprung auch noch gelänge, wäre das natürlich fantastisch.

Sie sind in Hoyerswerda geboren, vor sechs Jahren nach Gladbach ins Fußball-Internat gekommen. Sind Sie jetzt ein Star in Hoyerswerda, wenn Sie, wie im Weihnachtsurlaub, zu Hause sind?

Jantschke: Das mögen manche Leute so sehen. Ich aber überhaupt nicht. Ich mache im Sommer immer ein Fußballcamp zu Hause. Da bin ich der ganz normale Junge aus Hoyerswerda.

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