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Sportdirektor Max Eberl mag mit Mönchengladbach die rolle des Underdogs. Foto: Federico Gambarini

Sportdirektor Max Eberl mag mit Mönchengladbach die rolle des Underdogs. Foto: Federico Gambarini

dpa

Sportdirektor Max Eberl mag mit Mönchengladbach die rolle des Underdogs. Foto: Federico Gambarini

Mönchengladbach (dpa) - Nach Groß-Investitionen 2012 wird Borussia Mönchengladbach zur nächsten Saison keine Klimmzüge auf dem Transfermarkt machen. «Wir werden keine großen Umwälzungen haben und im Sommer nur punktuelle Transfers machen», sagte Max Eberl im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Zudem äußerte sich der Sportdirektor zum Umbruch des Teams, zu Trainer Lucien Favre und den Problemen, wenn man viel Geld investieren kann.

Die Mannschaft hat jetzt seit Sommer 30 Pflichtspiele absolviert, spielt noch international und hat Kontakt zu den Top Five in der Bundesliga. Würden Sie sagen: Wir haben den Umbruch gut hinbekommen?

Eberl: «Wir sind dabei, den Umbruch gut hinzubekommen. Das sehe ich als einen Prozess über die gesamte Saison lang. Bei uns wurden die besten Leute weggekauft - gegen einen erheblichen finanziellen Gegenwert. Das ist für jede Mannschaft auf der Welt problematisch. Darum finde ich es beachtlich, in welchen Regionen wir uns bewegen.»

Marco Reus, Dante und Roman Neustädter haben ihre Klasse auch bei ihren neuen Clubs bewiesen. Unterstreicht das den enormen Verlust?

Eberl: «Wenn man sieht, welche Rolle sie bei den drei vermeintlich stärksten Clubs in Deutschland spielen, dann zeigt es, was für eine Qualität wir zuvor verpflichtet und entwickelt haben. Reus und Dante sind wieder zwei der herausragenden Figuren in der Bundesliga, Neustädter ist Nationalspieler geworden. Aber auch diese Spieler haben zwei Jahre gebraucht, um da hinzukommen.»

Vor Saisonbeginn wurde die Einkaufspolitik gelobt, dann kamen viele Diskussionen über die Qualität der neuen Spieler und die permanente Rotation. Hat Sie das überrascht?

Eberl: «Es hat uns die Form und teilweise die Argumentation überrascht. Was mich gewundert hat nach einem ordentlichen Start, war, dass wir immer erklären mussten, warum es nicht mehr so viel Spaß macht, der Mannschaft zuzuschauen. Darüber habe ich mich geärgert, weil man die fantastische Leistung aus dem Vorjahr nicht als Maßstab nehmen darf. Natürlich haben wir Geld in die Hand genommen. Aber das zeigt sich nicht nach drei, vier oder fünf Wochen - das zeigt sich nach ein oder zwei Jahren.»

Trainer Lucien Favre ist beim Hinspiel gegen Lazio Rom am nächsten Donnerstag genau zwei Jahre im Amt. War er der Glücksgriff für Borussia und ist er genau der richtige Trainer?

Eberl:< «Definitiv, ja. Wir wollten einen Trainer finden, der zum Verein passt, zur Mannschaft und zur Situation. Deshalb haben wir nicht den klassischen Feuerwehrmann gesucht, sondern einen Trainer, der den Weg mit uns geht. Lucien Favre ist ein Tüftler, der sich sehr viel Gedanken macht, der sehr akribisch und detailgetreu arbeitet. Er möchte etwas auf den Weg bringen und nicht nur verwalten. Erst konnte er mit uns aus dem Untergrund den Weg nach oben gehen, jetzt ist es etwas schwieriger, weil wir viel mehr im Fokus stehen.»

Sie haben in den vergangenen Wochen und Monaten viele interne Personalentscheidungen getroffen, Verträge verlängert, die Mannschaft soll zusammenbleiben. Verhalten Sie sich im Sommer ruhig?

Eberl: «Wir versuchen immer früh dran zu sein und setzen auf Kontinuität. Wir werden im Sommer punktuelle Transfers machen. Es wird ein Tuning sein, zwei, drei Stellschrauben werden noch gedreht. Wir werden keine großen Umwälzungen haben. Offen ist noch die Personalie Mike Hanke, da laufen die Gespräche.»

Sie hatten letzten Sommer so viel Geld wie nie für Transfers zur Verfügung. Was verändert sich, wenn man in solchen Dimensionen sucht?

Eberl: «Ich habe gespürt, dass die Wahrnehmung eine andere ist. Jeder weiß, du hast Geld und willst es ausgeben. Du wirst tagtäglich mit irgendwelchen Gerüchten konfrontiert. Man kann sich natürlich mit anderen Namen beschäftigen, wenn man höhere Ablöse bezahlen kann. Trotzdem sind wir nicht Traumschlössern hinterhergerannt.»

Die Neuzugänge haben sich sehr unterschiedlich präsentiert.

Eberl: «Ich habe mit Anpassungsschwierigkeiten gerechnet. Dass sich Alvaro Dominguez am schnellsten eingefunden hat, liegt auch an seiner Position. Einen Abwehrspieler zu integrieren, ist oft einfacher als einen Kreativspieler. Granit Xhaka macht einen Lernprozess durch. Er ist sehr selbstbewusst, hat es dann ein Stück weit überzogen. Wir hoffen, dass wir von diesem Lernprozess profitieren werden. Bei Luuk de Jong kam diese Verletzung hinzu. Aber er kommt immer besser ins Spiel. Und auch Peniel Mlapa ist nach einer sehr guten Vorbereitung durch eine Verletzung zurückgeworfen worden. Er war dann sehr ungeduldig, und nun ist er wieder verletzt.»

Sie haben die Champions League verpasst, sind aber noch international vertreten. Ist die Europa League mehr als ein Trostpflaster?

Eberl: «Ich möchte bei der Europa League nicht von Trost und Pflaster sprechen. Wir waren in der Summe vielleicht noch nicht reif genug für die Champions League. Aber wir haben aus diesen Spielen gegen Kiew gelernt und können sehr stolz darauf sein, wie sich die Mannschaft in der Europa League präsentiert hat. Wer da vom zweiten Bildungsweg spricht, hat die Realität nicht verstanden.»

Sind die beiden Spiele gegen Lazio Rom der Saisonhöhepunkt?

Eberl: «Diese beiden Spiele werden für Gladbach ein weiteres Highlight sein. Wir sind Außenseiter, aber nicht chancenlos. Das ist eine schöne Herausforderung. Und wir sind froh, dass wir geschafft haben, Borussia wieder international zu platzieren. Die Spiele gegen Kiew waren unvergessliche Momente. Dass wir nach diesen schweren Jahren mit den Fans gemeinsam durch Europa ziehen können, ist toll.»

In der Bundesliga geht es am Samstag gegen Leverkusen und um die Chance, unter die Top Five zu kommen.

Eberl: «Das ist ein absolutes Spitzenspiel gegen eine Mannschaft, die zurecht zu den besten drei Teams in der Bundesliga zählt und die einen fantastischen Fußball spielt. Wir wissen, was uns am Samstag erwartet. Aber wir haben gerade zu Hause bewiesen, dass wir gegen solche Mannschaften die Möglichkeit haben zu gewinnen.»

Ist es schwerer, die Mannschaft in diesem Bereich zu halten, als immer auch einen Blick nach unten haben zu müssen?

Eberl: «In meinem Büro hängt ein Plan mit dem Weg, den wir beschreiten wollen. Und jetzt befinden wir uns auf diesem Weg. Es ist schwierig, sich zu entwickeln, aber als «Underdog» zu kommen, ist immer einfacher, als im Fokus zu stehen. Da werden die Sprünge kleiner. Man denkt im Fußball immer, es muss weiter gehen, aber man muss auch mal konservieren, was man hat. Das ist jetzt unsere Aufgabe.»

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