Max Eberl ärgert sich über die «Hysterie» um die Gladbacher Zukunft. Foto: Thomas Eisenhuth
Max Eberl ärgert sich über die «Hysterie» um die Gladbacher Zukunft. Foto: Thomas Eisenhuth

Max Eberl ärgert sich über die «Hysterie» um die Gladbacher Zukunft. Foto: Thomas Eisenhuth

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Max Eberl ärgert sich über die «Hysterie» um die Gladbacher Zukunft. Foto: Thomas Eisenhuth

Belek (dpa) - Alle reden in dieser Saison von Lucien Favre und Marco Reus, wenn es um Borussia Mönchengladbach geht. Ein Architekt des Erfolgs ist aber auch Sportdirektor Max Eberl. Er hat die beiden nach Gladbach geholt - und immer in seiner Karriere nach einem klaren Plan gearbeitet.

Die Szene führte noch einmal jedem vor Augen, um wen sich bei Borussia Mönchengladbach alles dreht in dieser Saison. Nach dem 3:2-Testspielsieg gegen Heracles Almelo wollten alle Journalisten einen Kommentar von Trainer Favre und die mitgereisten Fans ein Foto von Reus. Nur Eberl stieg an diesem Nachmittag im Trainingslager im türkischen Belek so zügig wie ungestört in den Mannschaftsbus.

Der Gladbacher Erfolg der vergangenen Monate wird gern am Schweizer Trainer oder seinem Stürmerstar festgemacht. Dabei ist er auch oder sogar zu einem großen Teil der Erfolg von Eberl. Der 38-Jährige hat Favre und Reus zur Borussia geholt, er hat das Leitmotiv, auf Nachhaltigkeit und junge Spieler zu setzen, im Verein verankert. «Wenn die Mannschaft so spielt, wie sie jetzt spielt, dann ist das für mich die größte Auszeichnung», sagt Eberl der Nachrichtenagentur dpa. «Dann zeigt das nämlich, dass man viele Entscheidungen richtig gefällt hat. Und dann komme ich hier auch nicht zu kurz.»

In den nächsten Monaten wird es auf Eberls Entscheidungen besonders ankommen. Die Gladbacher verlieren ihren besten Spieler an Borussia Dortmund (Reus), werden für ihn aber auch so viel Geld kassieren (17,1 Millionen Euro), wie sie noch nie für einen Fußball- Profi erhalten haben. Den sportlichen Verlust aufzufangen und die Millionen sinnvoll einzusetzen - das ist Eberls Herausforderung. «Wir werden nicht unser Geld nehmen und alles auf Rot sprich einen einzigen Spieler setzen. Das sollte man beim Fußball genauso wenig tun wie im Kasino», meint er. Die Borussia will sich eher in der Breite verstärken, um sich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen.

Dass Eberl das kann, hat der frühere Jugendspieler des FC Bayern München schon häufig bewiesen. «Die Situation erinnert mich an 2009», erzählt er. «Damals haben uns Marko Marin und Alexander Baumjohann verlassen und auch damals hieß es: "Davon wird sich der Verein nicht erholen." Wir haben dann von dem Geld Juan Arango, Roman Neustädter und Reus geholt und als Verein den nächsten Schritt gemacht.»

Eberl hat ein großes Netzwerk und einen scharfen Blick. Bevor er bei der Borussia zum Sportdirektor aufstieg, leitete er drei Jahre lang die Nachwuchsabteilung des Vereins. Er holte Spieler wie Reus, Marin oder Patrick Herrmann, als die noch kaum jemand kannte.

Und er saß schon rund drei Jahre vor der Verpflichtung zum ersten Mal auf Favres Terrasse in dessen Heimatort St.-Barthélemy. «Ich wollte über den Tellerrand schauen, mich weiterbilden und erfahren, wie in einem so kleinen Land wie der Schweiz eine so erfolgreiche Nachwuchsarbeit organisiert wird. Dabei haben wir festgestellt, dass wir die gleiche Vorstellung vom Fußball haben», erzählt Eberl.

An seiner eigenen Karriere hat er genauso strategisch und weitsichtig gearbeitet wie am Neuaufbau der Borussia. Er bildete sich schon während seiner Profilaufbahn ständig weiter, schloss ein Sportmanagement-Studium ab und übernahm mit 31 Jahren die Nachwuchsabteilung. «Ich hatte immer zwei Träume», sagt der 104-malige Bundesliga-Spieler: «Ich wollte Fußballprofi werden und im Management eines Clubs arbeiten. Beides geschafft zu haben, macht mich stolz.»

Genau wie der Spieler Eberl stand aber auch der Sportdirektor immer wieder in der Kritik. Es gab Transfers, bei denen er daneben griff (Bailly, Bobadilla), noch mehr aber wurde ihm vorgehalten, zu lange an Favres Vorgänger Michael Frontzeck festgehalten zu haben.

Als die Borussia im vergangenen Jahr kurz vor dem Abstieg stand, wurde es eng für Eberl. Erst griff ihn Berti Vogts an, dann eine Gruppe um Stefan Effenberg. Es spricht jedoch für seine Arbeit, dass sie selbst in einem so sehr von seiner glorreichen Vergangenheit lebenden Traditionsclub höher eingeschätzt wurde als die Meinung zweier Vereinslegenden. «Genugtuung wäre das falsche Wort», sagt Eberl dazu. «Ich sehe unsere Entwicklung eher als Bestätigung.»

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