Hat sich bereits gut eingelebt: Neuzugang Matthias Ginter.
Hat sich bereits gut eingelebt: Neuzugang Matthias Ginter.

Hat sich bereits gut eingelebt: Neuzugang Matthias Ginter.

Dieter Wiechmann

Hat sich bereits gut eingelebt: Neuzugang Matthias Ginter.

Mönchengladbach. Er hat sich gut eingelebt am Niederrhein: „Die Jungs machen mir es auch leicht. Es gibt keine Probleme.“ Wenn auch noch kein Pflichtspiel gespielt ist: Matthias Ginter ist angekommen in Mönchengladbach. Mit den Teamkameraden versteht er sich blendend, auch privat läuft es rund bei „Matze“, wie ihn die Freunde nennen.

Das Leben im Hotel ist passé, mit Freundin Christina Raphaella hat der 17-Millionen-Euro-Einkauf eine schöne Wohnung einige Kilometer außerhalb der Stadt bezogen. „Ich bin froh, dass ich mich für Borussia Mönchengladbach entschieden habe. Ein toller Klub mit großartiger Historie“, sagt Ginter im Gespräch mit unserer Zeitung, „jetzt wird es Zeit, dass es los geht. Ich brenne auf meinen ersten Pflichtspiel-Einsatz.“

Ginter ist der Königstransfer in der 50. Bundesligasaison der Fohlen Elf. Der Confed-Cup-Gewinner 2017 geht mit dem Selbstverständnis eines jungen Profis ins Rennen, der sich schon etliche Meriten erworben hat. Ganz so, wie es Sportdirektor Max Eberl erwartet, der ihn seit Jahren lockt, aber erst jetzt bekommen konnte.

Es ist im Fall Ginter wichtig wie selten für die Borussia, dass ein neuer Spieler sofort einschlägt: Weil Eberl sich keinen 17 Millionen-Flop leisten will, leisten darf. Das Beispiel des Defensiv-Flops Timothee Kolodziejczak hat er täglich auf dem Tisch. Aber in diesem Fall ist das Risiko sehr viel überschaubarer. Ginter ist als 14-malige Nationalspieler so teuer gewesen wie kein anderer - und neben Kapitän und Nationalmannschafts-Kollege Lars Stindl nun auch wertvollster Spieler im Fohlen-Team.

Eingeplant als Christensen-Ersatz, Innenverteidiger rechts, das ist seine Position. Ginter soll den Ton angeben, den Rhythmus bestimmen, das Spiel von hinten mit aufrollen, der Boss sein. Auf der Confed-Erfolgstour in Russland mit dem A-Team hatte er als Mittelpunkt einer Dreierkette neben Mustafi und Rüdiger überzeugen können. Max Eberl traut ihm die Führungsrolle zu: „Er ist noch jung, lernwillig und genießt unser vollstes Vertrauen.“

Matthias Ginter, geboren: 9. Januar 1994 in Freiburg, 1,88 m groß, 83 Kilogramm schwer, Seit Juli 2017 bei Borussia. Frühere Vereine: Borussia Dortmund, SC Freiburg, SC March, 137 Bundesligaspiele (fünf Tore) für Dortmund und Freiburg.

Weltmeister 2014, Confed-Cup-Sieger 2017, Silber bei Olympia 2016 in Brasilien, DFB-Pokalsieger 2017 mit Dortmund.

Ginter hat in Freiburg Abitur gemacht, ist liiert mit Freundin Christina Raphaella.

Ein Spieler mit Star-Potenzial. Wer hat schon mit 23 Jahren so viel erreicht? Vor drei Jahren posierte er als jüngster Weltmeister lächelnd auf einem Foto mit Kanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Auch das Olympiasilber unter Horst Hrubesch 2016 in Rio de Janeiro bedeutet ihm viel. „Ein wunderbares Erlebnis“, sagt er. Ginter hat zudem mit dem BVB den DFB-Pokal geholt, ist deutscher Superpokalsieger geworden und in jungen Jahren mit dem SC Freiburg zweimal A-Junioren-Pokal-Gewinner. In dieser Zeit wurde er als Bester seines Jahrgangs zweimal mit der Fritz Walter Medaille ausgezeichnet.

„Matthias ist ein bodenständiger, geerdeter Typ. Der hebt nicht ab“, erzählt Robert Tritsch, Vorstand beim Bezirksliga-Aufsteiger SC March. Dort, unweit von Freiburg, hat er als Steppke das Fußball-Einmaleins gelernt. Ab und an schaut er noch im Klubheim vorbei. Die vielen Erfolge sind dem neuen Star der Gladbacher Borussia nicht zu Kopf gestiegen: „Ich weiß das alles gut einzuordnen und will nun auch mit den Fohlen Erfolg haben. Dafür gebe ich alles. Ich will auch in schwierigen Situationen vorangehen und die Jungs mitreißen.“

In Dortmund ließen sie ihn nicht so richtig zur Entfaltung kommen, da glänzten andere im schwarz-gelben Rampenlicht. Das soll jetzt anders werden. In der Bundesliga ging es für ihn zügig nach vorne. Zu schnell, wie er in einem Interview dem Zeit-Magazin verraten hat. In der Tat: Gleich in seiner ersten Spielzeit als Profi im Breisgau erlitt er einen Haarriss im Rückenwirbel-Bereich, musste zwei Monate ein Korsett tragen und fiel mehr als vier Monate aus. Ginter, damals gerade 18, hatte seinem Körper zu schnell zu viel zugemutet. Seitdem beugt der 23-jährige Abwehrspieler mit speziellen Übungen Verletzungen vor. Eine prophylaktische Maßnahme.

In fünf Profijahren hat er wegen harmloser Wehwehchen lediglich einige wenige Tage in seinen Vereinen gefehlt. Jetzt startet er durch: „Im Pokal in Essen weiterkommen, und dann in der Liga mit einem Sieg gegen Köln starten. Das muss unser Ziel sein. Und ich weiß natürlich längst, dass die Partie gegen Köln für die Anhänger ein besonderes, ein ganz bedeutendes Spiel ist.“

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