Mönchengladbach enttäuscht auch beim 0:1 in Augsburg, so dass Trainer Schubert allmählich die Argumente ausgehen.

Augsburgs Daniel Baier (l) und Mahmoud Dahoud von Mönchengladbach kämpfen um den Ball.
Augsburgs Daniel Baier (l) und Mahmoud Dahoud von Mönchengladbach kämpfen um den Ball.

Augsburgs Daniel Baier (l) und Mahmoud Dahoud von Mönchengladbach kämpfen um den Ball.

Stefan Puchner

Augsburgs Daniel Baier (l) und Mahmoud Dahoud von Mönchengladbach kämpfen um den Ball.

Düsseldorf. Seine Mimik hatte Max Eberl noch einigermaßen im Griff, doch mit seiner Zunge konnte er die scheinbare Contenance nicht mehr wahren. „Verdammt ärgerlich“ sei diese 0:1-Niederlage beim FC Augsburg, sagte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach noch einigermaßen gemäßigt, ehe er Sätze folgen ließ, die seinen ganzen Unmut zum Ausdruck brachten.

„Es ist beschissen, was wir auswärts spielen. Wir sind genauso angepisst wie die Fans“, sagte er zu der Ligabilanz von sechs Niederlagen und einem Remis in der Fremde, was der eigene Anhang in Augsburg mit Pfiffen und Schubert-raus-Rufen quittiert hatte. Im gesamten Jahr 2016 gelang in 18 Versuchen gar nur ein Auswärtssieg. Es gehe nun darum, wenigstens „einigermaßen in den Winter zu kommen“, gab Eberl für das abschließende Heimspiel am Dienstag gegen den VfL Wolfsburg in Auftrag. Richtig zufrieden, das wurde deutlich, wird er aber auch im Falle eines Sieges nicht unterm Baum sitzen. Im Hause Eberl stehen eher unfrohe Weihnachten an, und in weiten Teilen dürfte das auch für die übrigen Gladbacher gelten.

Bestandsaufnahme nach dem Spiel gegen Wolfsburg

André Schubert scheint zu ahnen, was das für seine Zukunft trotz eines Vertrages bis 2019 bedeuten könnte. „Manchmal ist das Leben bitter und der Fußball hart“, sagte der Trainer, weil seine Mannschaft über weite Strecken leicht überlegen agiert und keine Chancen zugelassen hatte, durch einen Sekundenschlaf von Tobias Strobl aber das Standard-Gegentor des ehemaligen Angestellten Martin Hinteregger nach 75 Minuten hinnehmen musste.

Was ein Trainerwechsel bewirken kann, hatte die Borussia so gesehen am Beispiel des FC Augsburg vorgeführt bekommen. Zumindest das Ergebnis war ganz im Sinne des Interimscoaches Manuel Baum ausgefallen, und der 37 Jahre alte Fußballlehrer darf nach seinem geglückten Einstand als Nachfolger des unter der Woche abrupt und aus nicht ganz geklärten Umständen freigestellten Dirk Schuster hoffen, vom Nachwuchs-Chefcoach zur Dauerlösung bei den Profis befördert zu werden. „Wir werden das nicht von Ergebnissen abhängig machen, sondern von der Art und Weise“, sagte Geschäftsführer Stefan Reuter, und er ließ durchblicken, auch von Baums engagierter und taktisch geprägter Art und Weise durchaus angetan zu sein.

Aus eigener Erfahrung wissen die Gladbacher aber auch, dass eine Übergangslösung, die sich nach guten Ergebnissen als Dauerlösung etabliert, nicht vor einem erneuten Leistungsabfall schützt. Nachdem Schubert als Interimstrainer nach Lucien Favres Abschied viele Erfolge gefeiert hatte und mit einem Chefcoach-Vertrag ausgestattet worden war, hat mittlerweile wieder Ernüchterung Einzug gehalten. Zwar überwintert die Borussia im Pokal und nach dem erwartungsgemäßen Abschied aus der Champions League auch in der Europa League. Doch im Kerngeschäft steht derzeit Tabellenplatz 13 mit nur 16 Punkten in der Zwischenbilanz, die an die Abstiegssaison vor zehn Jahren erinnert. „Bundesligatechnisch läuft einiges schief“, sagte Eberl und kündigte eine grundsätzliche Bestandsaufnahme nach dem Spiel gegen Wolfsburg an. Doch schon jetzt ist klar: In der kommenden Saison erneut international vertreten zu sein, dürfte äußerst knifflig werden. Zumal der Trend eher keine Anhaltspunkte auf eine rasche Besserung liefert.

Dem äußert glücklichen 1:0-Heimsieg in der Vorwoche gegen Mainz war nun eine abermalige Auswärtsniederlage gefolgt. Und auch wenn diese eher unglücklich zustande gekommen war, so stützte sie doch den Eindruck, dass Schuberts Mannschaft seit einiger Zeit unrund agiert. Es sei wegen der schwierigen Situation zwar „normal, dass wir nicht mit breiter Brust durch die Republik laufen“, sagte Eberl, „für Kreativität und Attraktivität kommen wir im Moment nicht in Frage.“ Dennoch, und das klang für Schubert bedrohlich: „Wir müssen punkten.“

Erschwerend hinzu kam in Augsburg der weitere Ausfall von Mittelfeldakteur Christoph Kramer. Einen Außenband- und Kapselriss im Sprunggelenk hatte sich der Nationalspieler nach knapp einer Stunde bei einem brutalen Foul von Takashi Usami zugezogen. Eine wochenlange Pause steht bevor, womöglich über den Start in die zweite Saisonhälfte hinaus. Auch das war keine gute Nachricht für Schubert. So oder so.

 

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