Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg
Der Gladbacher Denis Zakaria (r) wird von dem Augsburger Philipp Max bedrängt.

Der Gladbacher Denis Zakaria (r) wird von dem Augsburger Philipp Max bedrängt.

Federico Gambarini

Der Gladbacher Denis Zakaria (r) wird von dem Augsburger Philipp Max bedrängt.

Mönchengladbach. Matze Ginter ist eher der Feingeist unter den Abwehrspielern. Ein Tackling, ja, das gehört zum Business as usual. Aber allzu heftige Fouls sind dem Mönchengladbacher Fußball-Profi zuwider, und mit gelben Karten hat er ohnehin wenig am Hut. Lediglich 13 kassierte er in 157 Bundesliga-Begegnungen. Dank seiner Fähigkeit, Situationen gut zu beurteilen und adäquat darauf zu reagieren, löst er seinen Job meist auf die sanfte, elegante Tour. Doch vor dem entscheidenden zweiten Gladbacher Treffer, den Thorgan Hazard nach einem furiosen, nicht enden wollenden Sprint so abgezockt wie selten zuvor zum 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg abschloss, bediente sich Ginter einer wahrlich rustikalen, giftigen Gangart.

Ginter luchste trotz ungünstiger Position mit einem beherzten Einsteigen vor dem eigenen Strafraum einem Augsburger den Ball ab und leitete blitzschnell den Konter ein. Eine Szene, die das gesamte Erscheinungsbild der Gladbacher an diesem nasskalten Tag symbolisierte. Sie entpuppten sich eine Woche nach der unerquicklichen Niederlage beim 1. FC Köln mit einem erwärmenden Auftritt als ein verschworener Haufen, als nimmermüde Fighter. Die Fohlen als Fighter – dass sie gegen unbequeme und nie nachlassende Gäste in diese Rolle schlüpften, ja, schlüpfen mussten, gefiel Cheftrainer Dieter Hecking über alle Maßen: „Wir haben alles rein geworfen. Die Mannschaft kann auch kämpfen. Das hat man gesehen, und als es kritisch wurde, haben uns die Zuschauer enorm geholfen und immer wieder nach vorne gepeitscht.“

Kapitän Lars Stindl lobte die Moral seiner Mannschaft

In diesem intensiven Schlagabtausch der bisherigen Tabellennachbarn wuchs nicht nur ein Fußball-Ästhet wie Raffael kämpferisch über sich hinaus, auch ein Jüngelchen wie der erst 18-jährige Michael Cuisance spürte, dass neben kreativen Elementen, Finessen und Zuckerpässen an diesem Tag weit mehr gefordert ist. „Wie er das Spiel interpretiert und sich reingekniet hat, verdient höchste Beachtung“, lobte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl den „kleinen Maestro“ aus dem französischen Nancy. Dass die Konkurrenz Federn gelassen hat, sei im Übrigen ein gutes Gefühl: „Für uns selbst waren die drei Punkte natürlich sehr wichtig. Das zählt, aber wir müssen konsequent bleiben. Im April/Mai werden die Weichen endgültig gestellt. Die Liga ist enger denn je, wir müssen dran bleiben.“ Kapitän Lars Stindl lobte die Moral seiner Mannschaft: „Es war intensiv und ein Arbeitssieg durch und durch. Aber er ist gut für die Tabelle und fürs Gemüt.“ Und das alles passierte in Abwesenheit von Weltmeister Christoph Kramer (fiebrige Erkältung), dem eigentlichen Vordenker im Team und der Prototyp des laufstarken, nie verzagenden Zweikämpfers,

Die Augsburger dürfte die Niederlage in Mönchengladbach nicht aus der Bahn werfen. Das Team aus dem Süden wirkte stabil und in sich geschlossen. „Meine Mannschaft hat vor allem im zweiten Abschnitt gut gespielt. Es fehlte das Quäntchen Glück und der entscheidende Punch“, sagte Cheftrainer Manuel Baum und wirkte wie immer in sich ruhig und tiefen entspannt. Das Fortune wiederum war der niederrheinischen Borussia im ersten Heimspiel der Rückrunde hold, als Matthias Ginters Kopfball bereits in der zehnten Minute nach einer Ecke von Hazard an den Innenpfosten prallte und von dort ins Tor zischte. Es war sein vierter (!) Saisontreffer und der Auftakt eines perfekten Tages für den ehemaligen Dortmunder, an dem nicht Glanz und Eleganz das Spiel auf dem Rasen bestimmte sondern der pure Kampfgeist und der Wille, die Schmach von Müngersdorf vergessen zu machen. „Darum ging es einzig und allein. Und das ist uns gelungen“, fügte Ginter noch hinzu.

 

Ganz „ohne“ ging es im Borussia-Park nicht. In der 29. Minute hatte Augsburgs Abwehrspieler Opare 25 Meter vor dem Kasten den durch stürmenden Raffael kurz am Arm festgehalten und gelb gesehen. Rot wäre überzogen gewesen, da sich Raffael offensichtlich den Ball zu weit vorgelegt hatte. In der zweiten kniffligen Szene (39. Minute) berührte Baier (Augsburg) im eigenen Strafraum unabsichtlich den Ball und verschaffte sich augenscheinlich einen Vorteil. Bibiana Steinhaus ließ weiterspielen und wurde vom Video-Schiedsrichter bestätigt. Zwei strittige, aber vertretbare Entscheidungen der souveränen Schiedsrichterin.

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