Bei Borussia Mönchengladbach herrscht nach dem 0:3 beim SC Freiburg Untergangs-Stimmung. Sogar die Legenden des Vereins fangen in der sportlichen Krise an, sich zu streiten. Kampfgeist verbreitet nur noch Trainer Michael Frontzeck. Aber das Vertrauen in ihn schwindet.

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Borussen-Trainer Michael Frontzeck ist der einzige, der noch Kampfgeist zeigt. Doch das Vertrauen in ihn schwindet.

Borussen-Trainer Michael Frontzeck ist der einzige, der noch Kampfgeist zeigt. Doch das Vertrauen in ihn schwindet.

Johannes Kruck

Borussen-Trainer Michael Frontzeck ist der einzige, der noch Kampfgeist zeigt. Doch das Vertrauen in ihn schwindet.

Mönchengladbach/Frankfurt (dpa). Auflösungserscheinungen bei Borussia Mönchengladbach: Nach dem schmerzhaften 0:3 (0:2) beim SC Freiburg hat die Krisenstimmung wirklich alle Ebenen des Traditionsvereins im Griff. Die Fans verweigerten der Mannschaft die Unterstützung, die Spieler gaben sich am Sonntag auf, das Vertrauen in den Trainer schwindet. Und als hätte der Tabellenletzte mit dem vierten Spiel in Serie und dem Anschluss ans rettende Ufer nicht schon genug verloren, zofften sich auch noch die einzigen, auf die alle Borussen selbst in Notzeiten immer stolz sein konnten: ihre Legenden. Nach Berti Vogts kritisierte auch Günter Netzer die Verantwortlichen des Clubs.

"Gladbach wird von einem Präsidenten geführt, der alles an sich gerissen hat", wetterte der große Spielmacher der 70er-Jahre im Pay- TV-Sender Sky. "Sportliche Kompetenz war bislang kaum vorhanden. (Sportdirektor) Max Eberl hat nichts vorzuweisen." Netzers ehemaliger Teamkollege Rainer Bonhof reagierte darauf in seiner Funktion als Vizepräsident in ähnlicher Schärfe: "Günter, du bist nicht richtig informiert. Ich glaube, dass Max Eberl hier Großartiges geleistet hat. Wir sind auf einem Weg, der sich im Moment nicht in Punkten auswirkt."

Der Einzige, der selbst in dieser Extremsituation die Ruhe behielt, war Trainer Michael Frontzeck. Ausdauernd und sachlich erklärte er auch nach dieser Pleite die Gründe für den scheinbar unaufhaltsamen Gladbacher Absturz: die vielen Ausfälle, die große Verunsicherung und die immer wiederkehrenden Rückschläge.

Seine geduldiger Auftritt hatte nur zwei Haken: Frontzeck genießt zwar zumindest bis zum letzten Hinrunden-Spiel am Freitag gegen den Hamburger SV weiter Rückendeckung, aber die wird nach nur einem Sieg in den vergangenen 14 Spielen immer schwächer. Präsident Rolf Königs ging der Trainerfrage aus dem Weg, indem er das Stadion nach dem letzten der drei Gegentore durch Papiss Demba Cissé (19./59.) und Oliver Barth (41.) verließ. Eberl stellte sich erneut hinter den Coach, meinte aber in aller Deutlichkeit: "Wir sind in einer beschissenen Situation. Wir müssen gegen Hamburg gewinnen." Mehrere Zeitungen schrieben am Montag von einem "Endspiel" für Frontzeck.

Was er gegen die Krise tun kann, fiel dem Trainer auch am Sonntag nicht ein. "Ich weiß nicht, was wir in dieser Hinrunde verbrochen haben", sagte er. "Es ist wichtig, dass wir die Köpfe trotz allem oben behalten. Wir müssen gegen Hamburg alles reinwerfen, was in der Waagschale drin ist." Das klang genauso kämpferisch wie ratlos.

So wichtig das letzte Hinrunden-Spiel gegen den HSV ist, so katastrophal sind auch die Vorzeichen. Zu den ohnehin schon sieben Ausfällen kamen in Freiburg noch Tobias Levels (fünfte Gelbe Karte), Roel Brouwers (Verdacht auf Gehirnerschütterung) und Mohamadou Idrissou (Hüft-Verletzung) hinzu. "Das ist für keinen Kader der Welt zu kompensieren", meinte Frontzeck. Nicht einmal der Hinweis, dass seine Mannschaft ihre bisher so spärlichen Saisonhöhepunkte gegen den 1. FC Köln (4:0) oder Bayern München (3:3) aus ähnlich prekären Situationen heraus erreicht hat, munterte den 46-Jährigen in dieser Sache auf. "Irgendwann ist mit dem Improvisieren mal Ende", sagte er.

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