Am Mittwoch vor 40 Jahren traf eine Dose den Inter-Stürmer Roberto Boninsegna. Und Gladbachs 7:1-Triumph war nichts mehr wert.

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Tumulte auf dem Bökelberg im Oktober 1971: Die Profis von Inter Mailand bedrängen Schiedsrichter Jef Dorpmans, doch der Niederländer lässt nach einer sechsminütigen Unterbrechung weiterspielen.

Tumulte auf dem Bökelberg im Oktober 1971: Die Profis von Inter Mailand bedrängen Schiedsrichter Jef Dorpmans, doch der Niederländer lässt nach einer sechsminütigen Unterbrechung weiterspielen.

Derweil lässt sich der von einer Cola-Dose getroffene Roberto Boninsegna vom Platz tragen.

dpa, Horstmüller, Bild 1 von 2

Tumulte auf dem Bökelberg im Oktober 1971: Die Profis von Inter Mailand bedrängen Schiedsrichter Jef Dorpmans, doch der Niederländer lässt nach einer sechsminütigen Unterbrechung weiterspielen.

Mönchengladbach. Es gibt Szenen im Fußball, die die Gemüter auch Jahrzehnte später erregen, die als Legende in die Annalen eingehen – das Wembley-Tor etwa bei der WM 1966 in England oder auch der „Büchsenwurf vom Bökelberg“.

Eine schlichte Cola-Dose sollte vor genau 40 Jahren der Gladbacher Borussia im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister zum Verhängnis werden. Zwar lieferten die Gladbacher vor heimischem Publikum gegen Inter Mailand eines der besten Spiele ihrer Vereinsgeschichte ab und fegten die Italiener mit 7:1 vom Platz, doch der Sieg wurde ihnen genommen.

„Er lag da wie ein sterbender Schwan“

Luggi Müller, Borussias Abwehrchef 1971, über Roberto Boninsegna

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Tumulte auf dem Bökelberg im Oktober 1971: Die Profis von Inter Mailand bedrängen Schiedsrichter Jef Dorpmans, doch der Niederländer lässt nach einer sechsminütigen Unterbrechung weiterspielen.

Tumulte auf dem Bökelberg im Oktober 1971: Die Profis von Inter Mailand bedrängen Schiedsrichter Jef Dorpmans, doch der Niederländer lässt nach einer sechsminütigen Unterbrechung weiterspielen.

Derweil lässt sich der von einer Cola-Dose getroffene Roberto Boninsegna vom Platz tragen.

dpa, Horstmüller, Bild 1 von 2

Derweil lässt sich der von einer Cola-Dose getroffene Roberto Boninsegna vom Platz tragen.

„Unser Superspiel ist nicht belohnt worden. Das war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, sagt Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof (59), damals 19 Jahre jung, zu jener entscheidenden Szene am 20. Oktober 1971.

Es geschah in der 28. Minute beim Stand von 2:1 für die Gastgeber: Nach einem Gerangel zwischen dem Gladbacher Luggi Müller und Inter-Torjäger Roberto Boninsegna flog der Ball vor der Westtribüne ins Seitenaus. Boninsegna forderte Einwurf und fiel im gleichen Moment zu Boden.

Gladbach verlor in Mailand 2:4 und spielte beim Rückspiel in Berlin 0:0

„Er lag da wie ein sterbender Schwan“, erinnert sich Abwehrrecke Müller, inzwischen 70 Jahre alt. Boninsegna, von einer Cola-Dose getroffen, blieb wie benommen liegen und wurde vom Platz transportiert.

Borussia Mönchengladbach hätte das Corpus Delicti als Erinnerungsstück gerne im Besitz, doch es befindet sich im Museum des niederländischen Vereins Vitesse Arnheim. Der Schiedsrichter der Begegnung, Jef Dorpmans (heute 86), ehemals Spieler bei Vitesse, nahm die Dose als Andenken mit und hat sie seinem Heimatverein geschenkt.

Zunächst richtete sich der Verdacht gegen Manfred Kirstein, einen 29-Jährigen aus Bracht. Er wurde während des Spiels abgeführt. Doch die Polizei hatte den Falschen festgenommen. Kirstein ist heute 69 und lebt in Nettetal. Der wahre Täter konnte nie ermittelt werden.

Der Italiener bleibt bis heute der Version treu, an jenem 20. Oktober am Kopf getroffen worden und 20 Sekunden bewusstlos gewesen zu sein. Wegen seiner „Darstellungskunst“ durfte Boninsegna zwölf Jahre später in einem Spielfilm mitwirken. Seinen Ruhestand verbringt der 67-Jährige in Mantova in der Lombardei. Hin und wieder ist er als Spielbeobachter für Inter Mailand unterwegs.

Nach einer sechsminütigen Unterbrechung ließ der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans weiterspielen. Am Ende stand ein 7:1-Triumph gegen die Weltstars aus Mailand nach Toren von Netzer, Heynckes, Le Fevre (je 2) und Sieloff.

Doch der Rausch verflog schnell. Das Ergebnis wurde von der Europäischen Fußball-Union Uefa für null und nichtig erklärt. Die Partie musste auf neutralem Boden neu angepfiffen werden. Borussia verlor zunächst das Rückspiel im Hexenkessel von San Siro mit 2:4 und kam dann im Berliner Olympiastadion in der Wiederholungspartie gegen zeitweise brutal einsteigende Italiener über ein 0:0 nicht hinaus. Das bittere Aus. Doch die Sternstunde vom Bökelberg wird bei den Fans unvergessen bleiben.

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