Max Eberl
Max Eberl ist der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Foto: Marius Becker

Max Eberl ist der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Foto: Marius Becker

dpa

Max Eberl ist der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Foto: Marius Becker

Mönchengladbach. Nach ziemlich gesicherten Erkenntnissen hatte Max Eberl noch am 5. Juni Kontakt mit Uli Hoeneß. Die Initiative ging eindeutig vom Mönchengladbacher Manager aus, so viel steht fest. Er griff also zum Telefonhörer, um den Bayernboss zum Geburtstag zu gratulieren. Eberl macht das seit vielen Jahren, er schätzt Hoeneß, seitdem er ihn in der Jugendabteilung des FC Bayern kennen lernte. Seitdem hat es keinerlei direkten oder indirekten Kontakt gegeben, berichten beide übereinstimmend. Eberl redet gerne mit dem erfahrenen Kollegen vom Branchenprimus. „Er ist ein guter Ratgeber.“ Aber vorerst hat er die Telefonnummer von Uli Hoeneß weggelegt. Jeder noch so harmlose Kontakt würde neue Gerüchte schüren.

Journalisten, die die „verbotene“ Karteikarte ziehen und sich mal nach dem Stand der Dinge beiläufig erkundigen, gehen in diesen Tagen durchaus ins Risiko. Mönchengladbachs Manager ist gereizt bei diesem Thema, das er kaum beeinflussen kann. In München hat es diese Woche ein kleines Beben gegeben, als Philipp Lahm seinen Abschied vom FC Bayern verkündete, und die Auswirkungen sind bis ins Rheinland zu spüren. Denn plötzlich wird der Gladbacher Kaderschmied als neuer Favorit gehandelt – von wem auch immer. Bei dem Thema sind Eberls Gagdateien alle gelöscht. „Diese Spekulationen nerven schon. Sie haben auch keinen ernsten Hintergrund“, sagt er. Immerhin ist Eberl erfolgreich, stammt aus der der Nähe von Straubing, „aber daraus eine Kausalkette, ich wäre Bayerns Wunschkandidat, ist eine ziemlicher Blödsinn“, wundert sich Eberl nicht zum ersten Mal. Schon im letzten Herbst gehörte das Dementi zum Tagesgeschäft.

Nach Lage der Dinge reist Eberl am Samstagnachmittag mit seiner Mannschaft nach Bremen, wo ein nicht ganz unwichtiges Fußballspiel stattfinden wird. Den Gastgebern steigt gerade das Wasser bis zum Hals, während die Gäste einer sorgenfreien Restrunde näher kommen wollen. „Das ist in meiner kurzen Amtszeit das wichtigste Spiel bislang“, sagt der neue Trainer Dieter Hecking. Der Ausgang wird darüber Bescheid geben, ob der Klub sich in Gelassenheit um seine Ambitionen in der Europaleague und im DFB-Pokal kümmern kann.

Die Lage hat sich beruhigt beim Verein. Mit der Ankunft des neuen Trainers sind die Spieler nach desolater Vorrunde in den Hintergrund getreten. Und da sich der Erfolg unerwartet schnell in allen Wettbewerben eingestellt hat, ist aus Dieter Hecking vorerst ein gefragter Heilsbringer geworden. Die Mannschaft ist mit großer Seriosität wieder in die Erfolgsspur gekommen. Sie hat ihre Leichtigkeit zwar noch nicht gefunden. Aber sie arbeitet wieder – buchstäblich – enger zusammen. Die Abstände zwischen den Linien sind verkürzt worden, die Mannschaft rackert enorm, sie gehört neuerdings zu den laufstärksten Teams der Liga. Hecking hat das Pferd, das in diesem Fall mehr ein Fohlen ist, von hinten aufgezäumt. Die Abwehr ist wieder eine stabile Veranstaltung geworden, in den ersten vier Pflichtspielen wurde Borussia nur zweimal bei Standardmöglichkeiten in Leverkusen überlistet.

Am Samstag trifft die Mannschaft bei Werder an, wo der ersehnte Trainereffekt schon wieder verpufft ist. Alexander Nouri hat die ersten drei Pflichtspiele in diesem Jahr alle knapp und zuweilen tragisch verloren. Rund ums Weserstadion raunen sie schon wieder, die Partie gegen Gladbach sei ein „Spiel um seine Zukunft“. Die angespannte Gemütslage will Gladbach „mit einem sehr beherzten Auftritt“ ausnutzen, sagt der Trainer. Sein gesperrter Kapitän Lars Stindl könnte durch André Hahn oder Josip Drmic ersetzt werden. Der Einsatz von Raffael entscheidet sich kurzfristig. Und nach dem Spiel wird Max Eberl dann wieder gebetsmühlenhaft berichten, dass es unverändert keinen Kontakt zum Klassenprimus gebe.

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