Nach dem Unentschieden im Regenspiel von Wolfsburg sieht der Kapitän der Gladbacher die Leistung der eigenen Mannschaft kritisch.

Regenwasser steht auf der Spielfläche.
Regenwasser steht auf der Spielfläche.

Regenwasser steht auf der Spielfläche.

Peter Steffen

Regenwasser steht auf der Spielfläche.

Wolfsburg. Irgendwie wie begossene Pudel sahen die Akteure nach dem großen Unwetter im östlichen Niedersachsen aus, und die Atmosphäre in der Arena war leicht gespenstisch. Untergangsstimmung in der Autostadt? Immer noch drehte sich am frühen Samstagabend fast alles um den minutenlangen Starkregen, das schwere Gewitter und die Blitze, die in der zweiten Hälfte über den Himmel von Wolfsburg zuckten und eine Spielunterbrechung zur Folge hatten. Fast eine halbe Stunde mussten die Spieler in der Kabine bleiben oder verfolgten die Schlussphase der anderen Partien leicht fröstelnd an den Monitoren. Dann ging es wieder raus, und es passierte nichts mehr. Mit dem 1:1-Unentschieden nach dem spätesten Abpfiff des vorletzten Bundesliga-Spieltags konnten sich weder die Wolfsburger noch die Gladbacher wirklich anfreunden.

Das Zittern auf der einen und das Hoffen auf der anderen Seite geht weiter. Bis zum „großen Finale“ am Samstag in Hamburg bleibt das Team des Niederländers Andries Jonker ein Kandidat für die Relegation. Das Gute: Wolfsburg kann den endgültigen Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen. Im Falle eines Remis bleiben die „Wölfe“ auch in ihrem 20. Jahr als Bundesligist erstklassig. Die Elf vom Niederrhein wiederum ist vor dem Heimspiel gegen Absteiger Darmstadt 98, das sie sowieso gewinnen muss, gleich in mehrfacher Hinsicht auf fremde Hilfe angewiesen, um noch den Sprung nach Europa zu schaffen. „Ich weiß, ich weiß“, eröffnete der durchnässte Kapitän der Gladbacher, Christoph Kramer, in den Katakomben der Arena die Gesprächsrunde, „das klingt alles sehr optimistisch. Trotzdem: Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als am letzten Spieltag an Köln vorbei zu ziehen und als Siebter Europa klar zu machen.“ Dabei hat der Weltmeister von 2014 neben einer Kölner Niederlage gegen Mainz natürlich auch eine Schlappe von Werder bei Borussia Dortmund einkalkuliert und den Pokalsieg des BVB eine Woche später gegen die Frankfurter Eintracht obendrein. Hätte Gladbachs Cheftrainer Dieter Hecking bei den Gesprächen in der Mixed-Zone in diesem Moment Mäuschen gespielt, wäre er wohl geflohen, denn Hecking verpönt solche Rechenspielchen generell: „Wir müssen zum Abschluss gewinnen. Alles Weitere liegt nicht in unserer Macht.“

Die Hinrunde war zu schlecht

Es ist natürlich das gute Recht von Kapitän Christoph Kramer, auf einen Ausrutscher des alten Rivalen gegen Mainz zu hoffen, zumal der Kapitän bei allem Übermut auch immer wieder kritisch die Leistung der eigenen Mannschaft reflektiert „Das Spiel darf doch nie und nimmer 1:1 ausgehen. Wir waren dominant, hätten 3:0 führen müssen. Wolfsburg lag doch schon am Boden“, sinnierte der Mittelfeld-Stratege, „ärgerlich, aber andererseits gehört diese Spielzeit vielleicht auch zur Entwicklung einer Mannschaft. Und die Hinrunde, das sollten wir nicht vergessen, war nun einmal schlecht. Um so erstaunlicher, dass wir uns noch im einstelligen Tabellenbereich bewegen und von Europa träumen dürfen.“ Nun ja, die Realität ist dann wahrscheinlich doch eine andere. Nach zweimaliger Champions-League-Teilnahme, die Gladbachs Sportdirektor Max Eberl in einem „Focus-Interview“ am Samstag mit einem Titelgewinn auf eine Stufe stellt, dürften diesmal andere Teams auf Europas Feldern unterwegs sein. Wie Hoffenheim und Leipzig. „Dass diese beiden Mannschaften unter den ersten Vier gelandet sind, ist für mich die größte Überraschung der Saison“, sagt Eberl.

Die Gladbacher waren, als der Himmel über der Autostadt noch blau war, die klar bessere Mannschaft. Sie bestimmten den Takt des Spiels, wirkten homogen, ließen den Ball zuweilen wunderbar durch die eigenen Reihen laufen und führten nach toller Vorarbeit von Kramer durch Vestergaards Kopfball-Treffer verdient mit 1:0. Es war zu wenig, wie sich am Ende einer spektakulären Begegnung herausstellen sollte. Als auf den anderen Plätzen alles gelaufen war und die aktuelle Tabelle weitgehend Aussagekraft hatte, bliesen beide Teams in der VW-Arena nach der unfreiwilligen Pause noch einmal zur letzten Offensive. 15 Minuten mussten noch über die Bühne gebracht werden, in denen es hüben wie drüben drunter und drüber ging. Doch ein Tor wollte auf dem aufgeweichten Terrain nicht mehr fallen. Die letzte Chance vergab freistehend Wölfe-Knipser Mario Gomez, der nach einer fantastischen Einzelleistung den Ausgleich erzielt hatte (58.), sein 15. Treffer. Da war der Rasen in der Arena noch in nahezu optimalem Zustand, und nichts deutete darauf hin, dass 20 Minuten später das Wetter verrückt spielen würde.

 

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