Christoph Kramer zieht nach dem 0:2 gegen „brutal ballsichere“ Bayern Bilanz.

Christoph Kramer (r.) im Zweikampf mit Bayerns Thiago Alcantara.
Christoph Kramer (r.) im Zweikampf mit Bayerns Thiago Alcantara.

Christoph Kramer (r.) im Zweikampf mit Bayerns Thiago Alcantara.

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Christoph Kramer (r.) im Zweikampf mit Bayerns Thiago Alcantara.

Mönchengladbach. Am Tag nach der nüchternen Machtdemonstration des Rekordmeisters FC Bayern München hatte Christoph Kramer (22) keine Lust auf Ausgehen. Der Mittelfeldspieler der Gladbacher Borussia ließ die 0:2-Heimpleite zum Bundesliga-Rückrundenauftakt lieber in aller Ruhe daheim auf dem Sofa sacken. Kramer schaute TV, verfolgte aufmerksam, wie sich Mannschaftskollege Max Kruse (25) in der ZDF-Live-Show „Wetten, dass . . .“ bei Moderator Markus Lanz auf der Plauder-Couch schlug.

Und Kramer bekam einen gelungenen Auftritt seines Freundes und Nationalstürmers zu sehen. Die authentische Mischung aus Frechheit, Witz, Schlagfertigkeit und Konzentration, die Kruse auf sympathische Art und Weise bei Lanz an den Tag gelegt hatte, hätten sich die VfL-Treuen zuvor wohl auch beim Duell der Fohlen gegen den Liga-Primus aus München gewünscht.

Die Gladbacher sind der Musik ständig hinterhergelaufen

Doch ein Kräftemessen mit den Bayern auf dem Fußballfeld zu bestehen ist derzeit wohl eine ganz andere Herausforderung als Lanz’ arg gekünsteltes Geplauder lächelnd zu überstehen. Die Extraklasse der Bayern, sagt Kramer, könne nur derjenige wirklich beurteilen, der mal selbst gegen sie gespielt hätte. „Das hat nichts mit zu wenig Einsatz, Kampf oder mangelnder Aggressivität zu tun. Die sind einfach momentan zu gut. Wir sind der Musik hinterhergelaufen.“

Die Münchner hätten elf brutal ballsichere Spieler. So ließen sich auch die Phasen erklären, in denen Borussia „einfach nicht an den Ball“ gekommen sei. Und warum die junge Borussen-Elf bei allen Bemühungen gegen den Tabellenführer irgendwie ständig überfordert aussah. Ob in der Defensive oder im Mittefeld, wo beispielsweise Granit Xhaka (21), aber auch Kramer, ständig Fehlpässe und technische Fehler unterliefen.

Kramer: „Das ist zwangsläufig gegen Bayern. Du bist froh, wenn du gegen diese perfekte funktionierende Mannschaft überhaupt noch an den Ball kommst und den wenigstens ins Aus hauen kannst. Es sah ja aus, als hätte Bayern einen Mann mehr auf dem Platz.“

Borussias Cheftrainer Lucien Favre hat den Fohlen bis Dienstag freigegeben. Die Vorbereitung auf das kommende Auswärtsspiel bei Hannover 96 startet dann im Borussia-Park mit einer Doppelschicht (10 und 16 Uhr). Favre hat seinen Profis nach der Bayern-Pleite schon mal eine harte Woche angekündigt. „Wir haben viel zu tun. Wer das nicht gesehen hat, der ist blind.“ Abwehrspieler Tony Jantschke will nach seiner Augenhöhlen-Verletzung am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Bei Innenverteidiger Roel Brouwers (Zerrung) ist noch offen, ob er ebenfalls wieder Vollgas geben kann.

Borussias erste Heimniederlage in dieser Saison, versichert Kramer, sei daher nicht einem möglichen Versagen der Fohlen geschuldet, sondern eben schlichtweg der „enormen Qualität“ des Superstar-Ensembles von der Isar. „Abhaken“, betont Kramer, „es werden noch ganz andere Mannschaften gegen die Bayern verlieren. Wir hatten auch positive Ansätze, haben zweimal den Pfosten getroffen. Mit ein wenig Glück machen wir das Tor – und dann ist das ein ganz anderes Spiel. Das Glück hatten wir aber nicht.“

Das könnte sich beim kommenden Auswärtsspiel in Hannover am Samstag allerdings rasch ändern. Denn die Niedersachsen spielen im Gegensatz zu den Bayern in einer Liga, in der Borussias eigene Qualitäten ausreichen sollten, um das für den Erfolg nötige Quäntchen Glück mal wieder zu erzwingen.

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