Vor dem Spiel gegen Werder Bremen ist in Gladbach wieder Ernüchterung eingekehrt. Trainer Schubert mahnt zur Besonnenheit, weiß aber auch um die Schnelllebigkeit des Geschäfts.

Borussia Mönchengladbach - Andre Schubert
Cheftrainer André Schubert gibt sich vor dem Spiel gegen Bremen gelassen.

Cheftrainer André Schubert gibt sich vor dem Spiel gegen Bremen gelassen.

Guido Kirchner

Cheftrainer André Schubert gibt sich vor dem Spiel gegen Bremen gelassen.

Mönchengladbach. Das Spiel gegen die Bayern war die Krönung einer fantastischen Phase. Der 3:1-Sieg das Tüpfelchen auf dem i. Nicht der charismatische Star-Trainer Pep Guardiola, sondern André Schubert, ein Newcomer im Bundesligageschäft, stand im Borussia-Park im Rampenlicht. An jenem 5. Dezember vorigen Jahres kletterte Borussia Mönchengladbach nach einer sensationellen Erfolgsserie von Rang 18 auf Rang drei, und Schubert kostete in seinem hellgrünen Glückspulli das Bad in der Menge aus.

Doch Fußball ist schnelllebig, erfolgsabhängig, ein ständiges Auf und Ab. Exakt zwei Monate nach dem berauschenden Triumph gegen die Bayern ist der Alltag in Mönchengladbach wieder eingekehrt und der gegen München noch enthusiastisch gefeierte Gladbach-Coach kämpft momentan mit den üblichen Problemen eines Bundesliga-Clubs mit durchschnittlichem Budget. Drei Niederlagen in der Liga bei nur einem Sieg (gegen Darmstadt 98) „nach München“ haben die Euphorie an der Hennes-Weisweiler-Allee fürs Erste gestoppt. Zumal auch der unerwartete K.o. im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen zwischendurch für einen Dämpfer gesorgt hatte.

Doch Schubert gibt sich vor dem Abendspiel der Bundesliga am Freitag, in dem erneut der SV Werder (20.30 Uhr) im Borussia-Park aufkreuzt, cool und kämpferisch, spricht von überbordender Erwartungshaltung und mahnt zur Besonnenheit: „Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir arbeiten hier Woche für Woche intensiv, aber ob dann am Ende immer ein Sieg herausspringt, ist die große Frage.“

Die Balance zwischen Offensive und Defensive muss stimmen

Torwart Yann Sommer glaubt trotz der beiden Niederlagen zum Rückrunden-Auftakt fest daran: „Wir haben zweimal in dieser Saison gegen Bremen verloren, ein drittes Mal darf und wird es nicht geben.“ Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, muss sich die Fohlenelf in allen Mannschaftsteilen weiter stabilisieren. Beim 0:1 in Mainz beeinflusste ein Fehler im Mittelfeld (Traoré) und zu träge Defensivarbeit hernach den Ausgang der Partie, und im Angriff vergab insbesondere Raffael seine Möglichkeiten.

André Schubert geht nach der tollen Anfangsserie jetzt durch ein Wellental. Der 44-jährige Fußballlehrer lernt die Kehrseite der Medaille kennen, muss mit seinen Schützlingen Niederlagen aufarbeiten, um die Köpfe wieder frei zu bekommen und im Kampf um die Europa-Plätze keinen wertvollen Boden zu verlieren. Denn eine Saison ohne die Millionen aus Champions- oder Europa-League würde Borussia Mönchengladbach ein Stück zurückwerfen. Auch aus Prestigegründen. Doch die „Gefahr ist überschaubar“. Die Gladbacher rangieren auf Platz sechs, alles ist noch möglich. Trainer und Mannschaft haben durchaus das Zeug und die Mittel, wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren. Vielleicht hilft auf dem Platz etwas mehr Kalkül statt Leidenschaft, mehr Sicherheitsdenken statt zügellose Offensive. Die Balance muss halt stimmen.

Stürmer Gladbach-Trainer André Schubert lobte auf der Pressekonferenz am Donnerstag Bremens Stürmer Claudio Pizarro, der Freitag wohl sein 400. Bundesligaspiel bestreitet: „Claudio ist ein gefährlicher Stürmer mit gutem Abschluss. Ja, und er ist immer fröhlich und gut gelaunt.“ bilanz Zum 93. Mal treffen beide Mannschaften Freitagabend aufeinander. Die Bilanz ist aus Gladbacher Sicht negativ: Es gab 33 Siege, aber 38 Niederlagen. Aus den vergangenen sechs Freitagsspielen holte die Fohlen-Elf zudem nur einen Punkt, beim 0:0 in Frankfurt.

Dass Schuberts Team im personellen Bereich seit Wochen arg gebeutelt ist, belastet die Situation zusätzlich enorm. AuchFreitagabend wird das wieder der Fall sein: Ob Domínguez oder Herrmann, ob Hahn oder Jantschke. Da fehlt echte Qualität. Granit Xhaka, Leitfigur und Heißsporn im Team der Gladbacher, steht erst am übernächsten Sonntag, beim Gastspiel in Hamburg, wieder zur Verfügung. Immerhin besteht Hoffnung, dass Mo Dahoud zum Einsatz kommen wird. Er musste nach einer Schnittverletzung an der Hand operiert werden, könnte aber mit Schiene auflaufen. Und vielleicht erhält Thorgan Hazard ja eine Chance von Beginn an. Schubert: „Er hat in Mainz für frischen Wind gesorgt.“

An einen Lauf wie nach Schuberts Amtsantritt denkt im Borussia-Park momentan niemand, aber zumindest wollen ihre Anhänger Freitagabend den ersten Sieg im neuen Jahr feiern, um gut gelaunt durch die Karnevalstage zu kommen. Die Lust an der Elf vom Niederrhein ist ungebrochen: Knapp 51 000 Tickets sind verkauft.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer